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SOMMERSERIE: Dieser «Nighty» sorgt für Sicherheit

Der Unterägerer Jonas Portmann ist Nachtportier im Seminarhotel. Der 26-Jährige erzählt, was er dabei alles erlebt und warum eine Securityausbildung gut ist, um diesen Job auszuüben.
Stefanie Nopper
Hinter den Türen schlafen die Gäste: Im Hotelgang kontrolliert Nachtportier Jonas Portmann, ob alle Fenster geschlossen sind.

Hinter den Türen schlafen die Gäste: Im Hotelgang kontrolliert Nachtportier Jonas Portmann, ob alle Fenster geschlossen sind.

Stefanie Nopper

stefanie.nopper@luzernerzeitung.ch

Einsame Stille. Es ist dunkel draussen. An der Rezeption im Seminarhotel Unterägeri brennt Licht. Dort sitzt Jonas Portmann und empfängt die Gäste mit einem Lächeln. Es ist 23 Uhr. Der 26-Jährige hat gerade seinen Nachtdienst begonnen. Es ist Zeit, den sogenannten Hausstatus auszudrucken. «Das ist für das Management, damit man weiss, was im Hotel läuft», erzählt der Nachtportier am PC sitzend. Der Rapport zeigt auf, wie viele Check-ins und Buchungen es an diesem Tag gab: Das Hotel ist zu 62 Prozent ausgelastet – 50 der 80 Zimmer sind belegt. «Es werden auch No-Shows aufgelistet.» Davon gebe es zwar wenige, aber es komme durchaus vor, dass jemand bucht, dann aber nicht im Hotel erscheint.

Der «Nighty» – so nennen sich die Nachtportiers gegenseitig – schliesst die Rezeption ab. Danach geht es ins menschenleere Hotelrestaurant. Nur das Licht am Tresen brennt. Es läuft leise Musik. Geschirr klappert: Eliska Bublova steht am Spülbecken und trocknet gerade ein Glas ab. Jonas Portmann geht zu ihr: «Das ist meine Freundin», stellt er grinsend die junge Barchefin vor. Gemeinsam mit Kellner Anton Arnold machen sie die Abrechnung. «Jeder Kellner hat seine eigene Kasse», sagt Portmann und druckt die Einzelabrechnungen der Mitarbeiter aus. Nun gilt es, alle Geldscheine inklusive Kleingeld zu zählen, die EC- und Kreditkarten-Belege zu addieren und mit der Gesamtabrechnung der Kasse zu vergleichen. «Wenn’s nicht stimmt, bin ich schuld und muss auf Fehlersuche gehen», sagt er und zählt konzentriert Geldscheine und Münzen nach. Doch an diesem Abend stimmt die Kasse. «Da bin ich froh!» Jonas läuft mitsamt den Tageseinnahmen zurück an die Rezeption und verstaut die Portemonnaies in einem Safe. «Später mache ich dann den Tagesabschluss fürs Hotel.»

In der Ruhe liegt die Kraft

Lautes Gelächter ist zu hören: Fünf Frauen mittleren Alters kommen kichernd aus dem Keller, wo die Hotelbar ist. «Ist es möglich, ein Taxi zu bestellen? Nach Zug bitte», sagt eine von ihnen mit englischem Akzent. Portmann nickt und greift zum Telefonhörer. «Ten minutes», antwortet er. «Tipptopp, super good», sagt eine von ihnen. Winkend verlassen die Damen das Hotel. Portmann widmet sich wieder den Abrechnungen. Dieses Mal sind die Zimmer dran. Er trägt alle Rechnungen in eine Tabelle ein und führt diese mit der Abrechnung von Restaurant und Bar zusammen. «Als Nighty hat man sehr viel Verantwortung», erklärt Portmann und steckt sämtliches eingenommenes Bargeld in ein Couvert. Nun sind alle Abrechnungen parat. «Das Wichtigste ist, alles mit Ruhe zu nehmen.» Man habe nachts schliesslich genügend Zeit, und man sei zudem sein eigener Chef. «Das ist ganz angenehm.» Die Abrechnungen sind aber nicht immer fehlerfrei. So habe er auch schon mal zwei Stunden daran gesessen.

Portmann betätigt den Nachtschalter an der Rezeption. Die gläserne Eingangstür wird automatisch verriegelt. Der Nachtportier stellt ein Schild auf den Tresen: «Ich befinde mich auf einem Kontrollgang und bin jederzeit erreichbar unter der Nummer 112», steht darauf geschrieben. Mit geschultem Auge schaut er vor dem Verlassen der Rezeption, ob alle Schubladen verschlossen sind. Der Rundgang startet in der Küche. «Es ist sehr wichtig, dass der Herd abgeschaltet ist, damit kein Feuer ausbricht.» Ein Grossteil von Portmanns Arbeit besteht aus dem Kontrollieren von Fenstern und Türen, damit niemand einbricht. Weiter geht es in den Bankettsaal. Man sieht die Hand vor Augen nicht. «Warte hier, ich mache schnell Licht», erklärt Portmann der Reporterin und verschwindet im Dunkeln. Angst scheint er keine zu haben.

Hotelgast liegt regungslos im Flur

Es ist 1 Uhr. Nun wird der Heizungsraum kontrolliert. «Ich muss stark auf Gerüche achten. Falls Gas austritt, rufe ich entweder direkt die Feuerwehr oder gebe dem Morgendienst Bescheid.» Plötzlich hört der junge Mann ein rumpelndes Geräusch. Wortlos und mit ernstem Blick läuft er durch die verwinkelten Kellergänge. Dann die Erleichterung: «Es war nur die Eismaschine. Da erschrickt man manchmal», sagt er lachend und geht seiner gewohnten Routine nach. Während des Kontrollgangs öffnet Portmann jede einzelne Tür. «Der Job ist nichts für Zwangsneurotiker, die jede Tür und jedes Fenster x-mal kontrollieren müssen», scherzt er. Schliesslich muss er mehr als 50 Türen öffnen und schliessen. Weiter geht es zur Bar. Hier kontrolliert Portmann die WCs. Hat sich hier jemand versteckt? Nein. Heute Nacht nicht.

«Ich bin froh, dass ich eine Securityausbildung habe. Es ist wichtig, sich in die Menschen reinfühlen zu können.» So habe er kürzlich einen Gast aus der Hotelbar werfen müssen. Dieser sei stark betrunken gewesen und habe andere Gäste angepöbelt. Weiter erzählt Portmann, dass er in einem früheren Job gar einen betrunkenen Geschäftsmann regungslos im Hotelflur gefunden hat. «Der Mann hatte sich von oben bis unten vollgekotzt. Ich habe ihn kurz abgeduscht und ihn dann in sein Bett gelegt.» Das sei bei dem 120-Kilo-Koloss gar nicht so einfach gewesen. «Er gab mir aber am Folgetag ein fettes Trinkgeld.»

Elf Seminarräume und diverse kleinere Büros später geht es in den Hoteltrakt, wo die Gäste übernachten. Flüsternd bewegt Portmann sich durch die Gänge – und überprüft auch hier jedes Fenster. Im Flur sind keine Gäste zu sehen. «Heute ist eine ruhige Nacht. Der Job ist nichts für Leute, die Rambazamba mögen.» Portmann arbeitet abwechselnd im Spät- und Nachtdienst. «Es ist für mich ein guter Ausgleich. Viele können den Nachtdienst nicht machen, weil sie nicht allein sein können. Ich bin aber ein totaler Nachtmensch.» Schlafprobleme habe er keine. «Ich muss mich aber mit meinen Freunden arrangieren, weil ich unregelmässig frei habe. Zum Glück arbeitet meine Freundin auch hier.»

Portmanns Dienst geht in dieser Nacht noch bis 6 Uhr am Morgen. Bis dahin muss er in der Rezeption staubsaugen und die Übergabe für den Morgendienst paratmachen. Auf dem Heimweg holt er sich meist ein warmes Brötli direkt vom Bäcker neben seiner Wohnung in Unterägeri. Der Job sei zwar spannend und lehrreich. Aber: «Ewig will ich das nicht machen.» In rund zwei Jahren möchte der gelernte Kaufmann mit seiner Freundin nach Spanien auswandern. An der Costa Blanca wollen sie eine Bar eröffnen. «Meine Grossmutter wohnt dort seit 35 Jahren. Ich glaube, das wäre meine Erfüllung», sagt Portmann mit funkelnden Augen.

Jonas Portmann kontrolliert mit Kellner Anton Arnold und seiner Freundin Eliska Bublova die Abrechnungen (Bild: Werner Schelbert (Unterägeri, 14. Juli 2017))

Jonas Portmann kontrolliert mit Kellner Anton Arnold und seiner Freundin Eliska Bublova die Abrechnungen (Bild: Werner Schelbert (Unterägeri, 14. Juli 2017))

Nachtportier Jonas Portmann am Empfang des Seminarhotels Unterägeri. (Bild: (Unterägeri, 14. Juli 2017))

Nachtportier Jonas Portmann am Empfang des Seminarhotels Unterägeri. (Bild: (Unterägeri, 14. Juli 2017))

Hinter den Türen schlafen die Gäste: Im Hotelgang kontrolliert Nachtportier Jonas Portmann, ob alle Fenster geschlossen sind. (Bild: Werner Schelbert (Unterägeri, 14. Juli 2017))

Hinter den Türen schlafen die Gäste: Im Hotelgang kontrolliert Nachtportier Jonas Portmann, ob alle Fenster geschlossen sind. (Bild: Werner Schelbert (Unterägeri, 14. Juli 2017))

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