Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SOMMERSERIE: Er donnert mit 28 Tonnen durch die Nacht

Früchte, Käse, Fleisch oder Fertigprodukte: Alles steht am Morgen frisch eingeräumt im Ladenregal im Zugerland Steinhausen. Dafür verantwortlich sind Chauffeure der Migros Luzern. Deren Arbeitstag beginnt in aller Frühe.
Carmen Rogenmoser
Morgens um 4 Uhr geht der Arbeitstag los. Bei Chauffeur Christian Arnitz sitzt jeder Handgriff. (Bild: Maria Schmid (Steinhausen, 7. Juli 2017))

Morgens um 4 Uhr geht der Arbeitstag los. Bei Chauffeur Christian Arnitz sitzt jeder Handgriff. (Bild: Maria Schmid (Steinhausen, 7. Juli 2017))

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

Vorsichtig und routiniert manövriert Christian Arnitz den grossen Migros-Lastwagen durch die Ausfahrt der Betriebszentrale der Migros Luzern in Dierikon. Ruck, zuck ist der 29-Jährige mit seinem Gefährt auf der Autobahn Richtung Zug. Das Ziel ist klar: das Einkaufszenter Zugerland in Steinhausen. Dorthin bringt der Chauffeur frische Früchte, Gemüse, Milchprodukte sowie Fleisch. Alles muss bereit sein, bevor die ersten Kunden den Laden stürmen. Es ist 4 Uhr morgens. Und praktisch kein anderes Fahrzeug ist auf der Strasse. In rund drei Stunden wird sich auf diesem Abschnitt der Autobahn Auto an Auto reihen. Arnitz aber erreicht sein Ziel in kürzester Zeit. Der helle und fast volle Mond scheint vom Himmel. Ein wunderbarer Sommertag kündigt sich langsam an. «So allein unterwegs zu sein, ist schon friedlich», sagt der junge Chauffeur.

Um 2.45 Uhr ist er aufgestanden, und eben hat seine Schicht angefangen. Er hat sich in Dierikon im Zeiterfassungssystem angemeldet, im PC nachgesehen, welche Routen er heute fährt, und hat sich bereit-gemacht. Im Aufenthaltsraum sitzt bereits der eine oder andere Chauffeur und trinkt vor der ersten Tour einen Kaffee. Alle sind hellwach und gut gelaunt. Keine Spur von einem Morgenmuffel.

Wer allein unterwegs ist, trägt viel Verantwortung

Noch früher möchte er am Morgen nicht anfangen, erklärt Arnitz auf der Fahrt. «Für mich passt das. So kann ich trotzdem am Sozialleben teilnehmen und abends auch mal weg.» Knapp 20 Minuten nach dem Start bewegt sich der Lastwagen die steile Anlieferungsrampe der Migros Zugerland hinauf. Jeder Handgriff sitzt. Seit neun Jahren fährt er die schweren Maschinen. Er wendet das Fahrzeug – mit der Ladung ist es 28 Tonnen schwer – geübt und dockt rückwärts an. «Jede Rampe ist etwas anders, aber mit der Zeit weiss man, wie man welche anfahren muss.» Zwei Auflieger stehen bereits an der Rampe. Einer dient als Zwischenlager, der andere ist mit Material, das zurück nach Dierikon muss, beladen. Dazu gehören etwa Recycling-Stoffe wie Karton oder PET, aber auch leere Mehrweggebinde. Christian Arnitz öffnet die beiden Auflieger und sieht nach, welchen er nun mitnehmen muss. Er kontrolliert die Ladung und meint: «Diese Palette sind etwas schräg, deshalb befestige ich lieber eine Stütze.» Für eine sichere Ladung ist der Chauffeur zuständig. Dann macht er den Lastwagen abfahrbereit. «Ich habe mir angeeignet, immer denselben Ablauf der Handgriffe auszuüben. So vergesse ich nichts», erklärt der Chauffeur. Allein unterwegs zu sein, bedeutet eben auch, allein die Verantwortung zu tragen.

Kaum 10 Minuten hat das Wechseln der Auflieger gedauert. Dann geht es auf dem gleichen Weg zurück nach Dierikon. Als Nächstes steht die Belieferung der Migros in Sempach auf dem Programm. Dazu muss Arnitz zurück zum Verteilcenter und den dafür bestimmten Auflieger abholen. «Mit der Zeit gewöhnt man sich an die Strecken», erklärt er. Die ganze Zentralschweiz wird von Dierikon aus beliefert. Täglich sind rund 50 Chauffeure für die Migros Luzern unterwegs. Lastwagen mit gekühlten Lebensmitteln als Ware dürfen die ganze Nacht über fahren. Die anderen erst ab 5 Uhr. Und so ist es auch während des Rückwegs noch ziemlich einsam auf der Strasse. «Einerseits ist es schön, wenn man der Erste am Morgen ist, manchmal ist es aber auch anspruchsvoll.» Etwa, wenn es heftig geschneit hat. «Da ist auch noch keine Schneeräumung unterwegs.» Es liege am Chauffeur, das Risiko einzuschätzen – natürlich immer in ständigem Austausch mit der Zentrale. Immerhin müssen auch die verschiedenen Läden darüber informiert sein, wo ihre Ware ist und ob es zu Verspätungen kommt.

Momentan ist Mineralwasser hoch im Kurs

Um halb 8 wird Arnitz’ Tour für diesen Tag fertig sein. Sein Arbeitstag ist es dann aber noch nicht. Er wechselt lediglich die Position und setzt sich dann in sein Büro. Denn neben dem Transport arbeitet er als Disponent. Die richtige Ver- und Einteilung der Waren, Lastwagen und Chauffeure sind genauso wichtig wie die Belieferung. «Die Abwechslung macht mir grossen Spass», meint der Schwyzer und ergänzt: «Ausserdem ist es gut, dass ich die Strecken regelmässig abfahre. Dann verstehe ich die Chauffeure noch besser.» In der Beladehalle angekommen, steht bereits schon wieder neue Ware bereit. Kleine Stapler bewegen eine grosse Menge an Mineralwasser und machen diese bereit für die Beladung. «Die Nachfrage nach Wasser ist jetzt im Sommer besonders gross», erklärt Loris Ravelli, Abteilungsleiter des Bereichs Kühl- und Frischprodukte.

Der 43-Jährige hat den Überblick über die Tonnen von Frischwaren. Wasser kann gut bereitgestellt werden. Mit den Kühl- und Frischprodukten geht das nicht. «Eine volle Halle ist nie gut», sagt Ravelli und lacht. Der Tessiner ist gut gelaunt und hellwach. Er ist bereits seit 1.30 Uhr bei der Arbeit. Dann wird die erste Belieferung am Morgen vorbereitet. Alles ist perfekt durchorganisiert: Jedes Produkt, jedes Gebinde, jedes Palett hat eine Seriennummer, die erfasst wird. Jedem Laden ist ein Platz in der grossen Halle zugewiesen. «Für die grossen Läden füllen wir je einen Lastwagen mit Frischprodukten und einen mit Kühlprodukten.» Dazu gehört auch die MMM-Filiale im Zugerland. Für die nicht ganz so grossen reicht ein Lastwagen. Dieser kann mittels einer Trennwand unterteilt werden. Das ist wichtig, denn die Temperatur muss konstant bleiben. Für die Frischprodukte bei 12 Grad Celsius, für die Kühlprodukte bei 2 Grad. Das ist auch in den Kühlhallen so.

Nach 23 Jahren ist Arbeiten in der Nacht Normalität

Dementsprechend kalt ist es. Die Arbeiter – es herrscht Schichtbetrieb, die ganze Nacht über wird gearbeitet – tragen warme Jacken, Handschuhe und Mützen. In dem ganzen Betrieb vergisst man, dass es eigentlich mitten in der Nacht ist. «Nachtarbeit ist nicht für jeden», sagt Ravelli. Er selber könne sich aber eine Arbeit unter Tag gar nicht mehr vorstellen. «Ich arbeite seit 23 Jahren für die Migros, habe als Springer angefangen und wurde dann Chauffeur. Alles war immer in der Nacht.» Er habe sich daran gewöhnt und komme mit wenig Schlaf aus. Der Familienvater erklärt, dass man einen ganz anderen Rhythmus entwickelt. «Ich komme am Morgen nach Hause, wenn meine Frau und die Kinder aufstehen. Wir haben dann Zeit zu plaudern.» Oft lege er sich anschliessend hin und schlafe bis am Nachmittag. Dann beginnt sein Tag von vorne. «Nie habe ich eine Tanzaufführung meiner Tochter oder ein Fussballspiel meiner Söhne verpasst.» Darauf ist er stolz. In den Ferien allerdings brauche er eine gewisse Angewöhnungszeit. «In den ersten paar Tagen erwache ich regelmässig morgens um 2 Uhr und habe Hunger.» Um diese Zeit nämlich nehmen die Nachtschichtler ihr Abendessen ein. Insgesamt sind rund 20 Mitarbeiter in den Beladehallen beschäftigt. So werden pro Monat 35 000 Euro-Palette beladen und mit Lebensmitteln verschoben. Eine eingeschworene Gemeinschaft, die dann arbeitet, wenn alle anderen noch von der frischen Frühstücksmilch oder der Znüni-Banane träumen.

Hinweis

In unserer Sommerserie «Zug bei Nacht» begleiten wir während der Sommerferien Menschen, die nachts arbeiten oder unterwegs sind.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.