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SOMMERSERIE: Sie hat ihr Revier fest im Griff

Wir haben eine Mitarbeiterin der Securitas AG bei ihren Kontrollgängen durch Zugs Parkhäuser begleitet. In der Nacht zu arbeiten, ist für die Sicherheitsfachfrau kein Problem – im Gegenteil: Sie schätzt die Abwechslung und die Zeit, die sie für sich hat.
Rahel Hug
Nachteinsatz im Parkhaus Arena in Zug: Die Securitas-Mitarbeiterin kontrolliert Türen und Notausgänge, prüft, ob keine Gegenstände herumliegen oder Autos beschädigt sind. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 4. August 2017))

Nachteinsatz im Parkhaus Arena in Zug: Die Securitas-Mitarbeiterin kontrolliert Türen und Notausgänge, prüft, ob keine Gegenstände herumliegen oder Autos beschädigt sind. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 4. August 2017))

Rahel Hug
<span style="font-size: 1em;">rahel.hug@zugerzeitung.ch</span>

Menschenleere Parkhäuser haben in der Regel etwas Unheimliches an sich. Eine dumpfe Stille, künstliches Licht, weit entfernte Fluchtwege und die Isoliertheit, die die massiven Betonwände vermitteln – nicht ohne Grund dienen Tiefgaragen als beliebte Filmkulisse für Mord- und Überfälle, Entführungs­szenen oder Verfolgungsjagden.

Ist man mit Christine Bucher* unterwegs, kommen keine beklemmenden Gefühle auf. Zackigen Schritts läuft sie der grauen Wand entlang, kontrolliert Türen und Notausgänge, prüft, ob keine Gegenstände herumliegen oder Autos beschädigt sind. «Angst hatte ich bei meinen Einsätzen noch nie», sagt sie. «Ich bin viel zu sehr auf meine Arbeit konzentriert und darauf bedacht, nichts zu vergessen.»

Beruf und Familie unter einen Hut bringen

Christine Bucher ist Mitarbeiterin der Securitas AG, des grössten Sicherheits-Dienstleistungsunternehmens der Schweiz. Wir begleiten sie bei einer Schicht, während der sie unter anderem in den Parkhäusern der Stadt Zug zum Rechten schaut. Zuerst ist das Parkhaus Arena an der General-Guisan-Strasse an der Reihe. Es ist nach Mitternacht, Zugs Strassen sind wie leergefegt, und auch in der Tiefgarage ist keine Menschenseele zu sehen. Bucher beginnt mit ihrem Kontrollgang. Mit einem codierten Chip erfasst sie alle überprüften Räume, Ein- und Ausgänge. Zum Schluss werden die Schranken bei der Ein- und Ausfahrt und die Kasse kurz auf ihre Funktionstüchtigkeit getestet, und fertig ist der Einsatz. Christine Bucher füllt in einem Seitenraum das Rapportbuch aus, bedient die Kontrolluhr und setzt sich ins Auto. Es geht weiter zum Parkhaus Neustadt.

Seit knapp einem halben Jahr arbeitet Christine Bucher für die Securitas. «Wie der Karren läuft», weiss sie aber bereits aus früheren Zeiten: Sie war vor ­einigen Jahren bereits beim Unternehmen angestellt. Die Sicherheitsfachfrau möchte anonym bleiben, weil sie noch einen anderen Job hat und ihre Familie schützen will. Sie hat vier Kinder im Alter von zwei bis acht Jahren. «Als Securitas-Mitarbeiterin kann ich Beruf und Familie gut unter einen Hut bringen», sagt sie. Gleichzeitig macht sie keinen Hehl daraus, dass sie einen strengen Alltag zu bewältigen hat. Ihr Ehemann hat eine 100-Prozent-Anstellung. Da er zum Teil von zu Hause aus arbeiten kann, teilen sich die beiden die Kinderbetreuung, manchmal springen Bekannte ein. Trotzdem kommt Ausschlafen nach einer Nachtschicht nur selten in Frage: «Bezüglich Schlaf bin ich wirklich nicht verwöhnt», erklärt Bucher. «Man muss sich das Vor- und Nachschlafen immer gut und konsequent einteilen.» Doch die 39-jährige Luzernerin will sich nicht beklagen: «Ich bin sehr zufrieden mit meiner Arbeit. Ich kann so einen wesentlichen Teil zum Familienbudget beitragen, was mir ein gutes Gefühl gibt.» Etwa vier Nachteinsätze für die Securitas leistet Bucher pro Woche – dazu kommt ihr zweiter Job. «Würde ich nicht in diesem Umfang einer Arbeit nachgehen, müssten wir als Familie jeden Rappen umdrehen», hält sie fest.

Die Kontrolle der nächsten Tiefgarage steht an. Christine Bucher parkiert ihr Geschäftsauto vor dem Parkhaus Neustadt mitten in der Stadt Zug. Mit wachem Blick läuft sie die Gänge und Etagen ab. «Nichts Auffälliges. Es ist alles in Ordnung», stellt sie fest. Unangenehme Situationen, Pöbeleien, Notfälle oder gröbere Sachbeschädigungen in den Parkhäusern habe sie in ihrer Zeit bei der Securitas bislang nicht erlebt, schildert sie. «Ich glaube, die regelmässigen Kontrollgänge zeigen Wirkung im präventiven Sinne. Hier kann man sich wirklich sicher fühlen.» Das ist es denn auch, was Christine Bucher für ihre Einsätze motiviert. «Mit unserer Arbeit sorgen wir dafür, dass die Sicherheit erhöht wird. Indem ich jemandem helfe, in diesem Fall der Auftraggeberin Stadt Zug, bin ich Teil einer Lösung. Das ist ein befriedigendes Gefühl.»

Spricht Christine Bucher über ihren Dienst, benutzt sie technische Wörter wie «Revier», «Objekt», «Meldeadresse» oder «Verunreinigung». Die Einsätze von Securitas-Mitarbeitern sind genau geplant und folgen einem straffen Zeitplan. «Jedes Revier hat eine Nummer und besteht aus mehreren Objekten», erklärt Bucher. In der grossen Ledertasche, die sie umgehängt hat, befinden sich die Schlüssel für die Objekte – das können Industrieareale, Büros, Lagerräume oder auch öffentliche Einrichtungen sein. Spontane Einsätze sind laut der Sicherheitsfachfrau eher selten. «Es kann vorkommen, dass sich der Einsatzplan leicht ändert, wenn ein privater Kunde plötzlich jemanden benötigt.» Ob sie ein «Lieblingsobjekt» habe, fragen wir. Bucher muss nicht lange überlegen: «Nein», sagt sie. «Die Mischung macht es aus.» Ihre Einsätze im Revier wer­den ergänzt durch sogenannte Porten­- diens­te: Hier sorgen Mitarbeiter der ­Securitas – mit ähnlichen Aufgaben, wie sie Empfangsangestellte wahrnehmen – dafür, dass ein Areal nur von befugten Personen betreten wird.

Jobs in der Nacht sind für sie nichts Neues

Dass sie in der Nacht arbeitet und damit oft alleine unterwegs ist, ist für Chris­tine Bucher kein Problem. «Ich habe immer schon Jobs gehabt, bei denen es spät wurde, etwa in der Gastronomie.» Die vierfache Mutter schätzt es sogar, dass sie nach Sonnenuntergang einige Stunden für sich alleine hat und sich dabei viel bewegen kann. «Es ist für mich auch eine Art Ausgleich.» Langweilig werde ihr nie während ihrer Einsätze, auch wenn selten etwas Aussergewöhnliches vorfalle. «Die Zeit vergeht meistens wie im Flug.» Immer wieder trifft sie auf ihren Touren auf Nachtschwärmer. «Ich sage dann freundlich Grüezi, denn ich will die Leute ja nicht erschrecken.» Die Zugerinnen und Zuger würden ihr in der Regel respektvoll begegnen.

Inzwischen sind wir beim Parkhaus Alt­stadt-Casino angekommen. Es ist eines der grösseren Sorte, weshalb der Rundgang hier etwas länger dauert. «Es ist übrigens das einzige Parkhaus, in dem Musik läuft», sagt die Securitas-Mitarbeiterin mit einem Lachen. «Ich finde das sehr angenehm.» Sämtliche Etagen werden von Christine Bucher kontrolliert – bis hinunter in den Stock «–10». Sie merkt an: «Dadurch, dass man immer wieder im gleichen Revier eingeteilt ist, entwickelt man eine gewisse Routine. Ich weiss mittlerweile genau, was ich beachten muss.»

Die Schicht endet, wenn der neue Tag anbricht

In dieser Nacht stehen nach den Parkhäusern auch noch ein Gewerbegelände, mehrere Büros und ein Hotel auf dem Programm von Christine Bucher. Gegen fünf Uhr, wenn der neue Tag bereits wieder anbricht, wird sie zu Hause ankommen und müde ins Bett fallen. Gut zwei Stunden wird sie schlafen können, bis sie aufstehen und sich um ihren Nachwuchs kümmern muss. Für die Sicherheitsangestellte der ganz normale Alltag. Geschlafen wird später am Tag noch einmal – dann, wenn andere wohl bereits langsam an den Feierabend denken.

*Name geändert

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