SONDERSCHAU: Zur Schau türmt sich der Abfall

Der Zeba zeigte in seiner Ausstellung «Sackstark unterwegs!», was er täglich für die Bewohner des Kantons Zug leistet, und stellte seine zukünftigen Projekte vor.

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Verwaltungsratspräsident Paul Langenegger und Geschäftsführer Hans Ulrich Schwarzenbach haben den Durchblick. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Verwaltungsratspräsident Paul Langenegger und Geschäftsführer Hans Ulrich Schwarzenbach haben den Durchblick. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Julia Truttmann

Ein riesengrosser blauer Kehrichtsack und die Buchstaben P und E, geformt aus leeren Plastikflaschen – dies war das Erste, was einem ins Auge stach, wenn man an der Zuger Herbstmesse die diesjährige Sonderschau «Sackstark unterwegs!» des Zweckverbandes der Zuger Einwohnergemeinden zur Bewirtschaftung von Abfällen (Zeba) in der Halle A2 betrat. Diese beiden Blickfänge sind jedoch bei weitem nicht alles, was die Ausstellung zu bieten hat.

Ein neuer Abfallsack in «Zuger Blau»

Der Zeba, welcher in unserem Alltag meist eher diskret auftritt, präsentierte sich den Messebesuchern für einmal selbstbewusst als «sackstarke» Organisation. Oftmals geht vergessen, was für enorme und unverzichtbare Dienste Organisationen wie der Zeba für die Bevölkerung leisten, denn es spielt sich sehr viel im Hintergrund ab. An der Ausstellung konnte man nun etwas hinter die Kulissen blicken und Fragen stellen, beim PE-Flaschenwerfen einen Apfel gewinnen, und ausserdem wird sich beim Zeba und somit für den Kanton Zug im Jahr 2016 einiges ändern. Diese Änderungen wurden den Messebesuchern vorgestellt und erklärt.

Ab 2016 wird es im Kanton Zug neue Abfallsäcke geben. Diese kommen von nun an in einem «Zuger Blau» daher. Zudem werden die Preise gesenkt: Ein Gebührensack kostet in Zukunft mit 2.50 Franken 40 Rappen weniger als bisher. Die ersten Prototypen des neuen Sackes konnten an der Messe begutachtet werden.

Unterflurcontainer im Kommen

Weiter gab das Zeba-Team Einblicke in das System der Unterflurcontainer. Anstatt der wenig eleganten und Platz raubenden Abfallcontainer soll es in Zukunft immer mehr Unterflurcontainer geben, von denen jeweils nur die schlanke Chromstahlsäule zu sehen ist. Ein solcher Unterflurcontainer reicht für eine Überbauung mit 70 bis 80 Wohnungen aus und ersetzt somit bis zu sechs Rollcontainer. Die Aufmerksamkeit wurde auch stark auf den Teil der Ausstellung gerichtet, welcher den Ausbau der PE-Entsorgung erklärte. Ab 2016 können in allen Zuger Ökihöfen sogenannte Polyethylen-(PE)-Flaschen entsorgt werden, welche in den meisten Haushalten fast täglich gebraucht werden.

Zentralschweiz arbeitet zusammen

Ein weiteres riesiges Projekt des Zeba steht in Perlen LU. Ab nächstem Jahr entsorgt nicht mehr jeder Kanton seinen Abfall an einem anderen Ort, sondern der ganze Abfall aus der Zentralschweiz wird nach Perlen in die neue Kehrichtverbrennungsanlage Renergia gebracht. Diese ist jedoch nicht bloss Kehrichtanlage, sondern produziert auch Strom für Tausende Haushalte und für die Papierfabrik. Somit gab der Zeba allen Messebesuchern und Messebesucherinnen spannende Einblicke in seine tägliche Arbeit, die für jeden Haushalt unverzichtbar ist und über die trotzdem wenig bekannt ist.

Das Messefundstück: Der Mixer, der alles mixt

Mann am mirakulösen Mixer: Josef Raggam mischt kuriose Mischungen zu köstlich Essbarem. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Mann am mirakulösen Mixer: Josef Raggam mischt kuriose Mischungen zu köstlich Essbarem. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Der Knoblauch stösst ein wenig auf. Wunderbar sei das alles, sagte Josef Raggam, der Mann mit den buschigen Brauen und dem breiten Lächeln, noch vor fünf Minuten und meinte die Auslegeordnung auf seinem Tisch. Als hätte er per Würfel eingekauft. Sein Mixer mixe alles. Ein Schweizer Produkt, wahre Ingenieurskunst sei das, pries er selbstbewusst sein Wunderwerk der Technik an. Mein Blick schweifte über das gewagt breite Spektrum seiner Auslage. Alles? Klingt ja lustig, dann bitte einmal etwas mit diesem blauen Likörzeugs bitte und möglichst auch etwas von dem gelben Gemüse da.

Ich wusste nicht, auf was ich mich einlasse. Ich dachte, meine Kühnheit schüchtere ihn ein. Doch seine Augenbrauen hüpften vor Freude in die Höhe und, zack, zack, landete Gemüse und Likör im Mixer. Wie er denn die Mischungen mache, obs da Rezepte gäbe, fragte ich unschuldig. «Ja, ja, natürlich gibts da Rezepte.» Mein Blick blieb an etwas Eingelegtem kleben. Nur kurz. Ihm reichte der Moment. «Mögen Sie das?», fragte er rhetorisch und schwups, landete es im Mixer. Entgeistert schaute ich ihn an. Von wegen Rezepte! Mir wurde mulmig, und plötzlich sahen seine Augenbrauen auch nicht mehr so freundlich und kuschelig-buschig aus. Na gut! Er will spielen? Kann er haben! Betont lässig lehnte ich mich an den Tisch und ging zum Angriff über. Beiläufig fragte ich, ob wohl auch noch das da passen würde, und zeigte auf ein Gemüse mit besonders gewagter Farbe. «Aber natürlich.» Mit einer dienstfertigen Geste landete das Ding im Mixer. Er durchschaut das Spiel und macht sich lustig, dachte ich. Kalter Schweiss bildete sich auf meiner Stirn, doch ich wollte ihm die Genugtuung meines Rückzugs nicht gönnen. Also schluckte ich einmal leer und presste mit einem mühsamen Lächeln hervor: «Etwas Minze könnte ja auch nicht schaden.» Das begeisterte Blitzen in seinen Augen liess meine Knie weich werden. Und zack vermischte sich die Minze mit dem Rest meines sicheren Untergangs. Die Angst liess mein Herz klopfen, und ich fühlte mich einem Kollaps nahe. Ich konnte mir von aussen zusehen, wie ich, am Ende meiner Kräfte, noch hilflos auf den Knoblauch zeigte. Wie dumm von mir.

Der Mixer verstummte. Meine schweissbedeckte Hand griff nach dem dargebotenen Becher. So endet es also. Auch Sokrates musste letzten Endes vor dem Giftbecher kapitulieren, ich trat also in würdige Fussstapfen. Mit zitternden Fingern führte ich das Gebräu an meine trockenen Lippen. Und es schmeckte! Sehr gut sogar. Ein wahrer Künstler, dieser Herr. Nur eben der Knoblauch, der stösst ein wenig auf.

Lionel Hausheer