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SOZIALES ENGAGEMENT: Für ihn ist Hilfe keine Pflicht

Viele Zugerinnen und Zuger brauchen einen Beistand, zum Beispiel, weil sie alt oder krank sind. Oftmals übernehmen nicht Profis, sondern private Mandatsträger diese Aufgabe – wie der Oberägerer Heinrich Stampfli.
Christian Peter Meier
«Die Probleme wurden unterschätzt»: Heinrich Stampfli hat den Systemwechsel beim Kindes- und Erwachsenenschutz als Mandatsträger erlebt. (Bild Stefan Kaiser)

«Die Probleme wurden unterschätzt»: Heinrich Stampfli hat den Systemwechsel beim Kindes- und Erwachsenenschutz als Mandatsträger erlebt. (Bild Stefan Kaiser)

Die neue Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) erntete bekanntlich viel Kritik, weil der Übergang von den früheren gemeindlichen Vormundschaftsstellen zur kantonalen Lösung nicht reibungslos verlief. In der Zwischenzeit hat die Regierung zusammen mit den betroffenen Instanzen ein ganzes Massnahmenpaket definiert: Mit nicht weniger als 23 Massnahmen sollen die Probleme gelöst werden. Die KESB und die Regierung sind zuversichtlich, dass dies schnell gelingt.

Auch Heinrich Stampfli (74) ist optimistisch. Der Oberägerer kennt die Problematik aus der anderen Perspektive. Er ist privater Mandatsträger und wurde als solcher mit zwei Beistandschaften betraut. Sprich: Heinrich Stampfli kümmert sich um zwei Menschen – einen 56-jährigen Mann und eine 86-jährige Frau –, die nicht oder nicht mehr in der Lage sind, für sich selbst zu sorgen.

«Es ging zu lang»

Eine der beiden Beistandschaften hatte er bereits unter dem alten System wahrgenommen, als der Oberägerer Bürgerrat noch die dafür verantwortliche Behörde war. «Für mich als Mandatsträger kommt es eigentlich kaum darauf an, ob meine Ansprechpersonen bei einer gemeindlichen oder kantonalen Behörde sitzt», sagt Stampfli. «Wichtig ist einfach, dass er mich nicht in meiner Arbeit behindert, sondern zeitgerecht unterstützt.» Auch in der Wahrnehmung des tatkräftigen Oberägerers hat es bei der KESB anfänglich geharzt: «Es gab Kapazitätsprobleme, personelle Ressourcen fehlten. Manches war überdies formalitätenlastig, zu juristisch statt alltagskonform und pragmatisch. Und es ging schlicht zu lang!» Denn in jenen Fällen, in denen man als privater Mandatsträger anstehe, brauche man in der Regel schnell einen Entscheid oder Hilfe.

Heinrich Stampfli sass bis vor vier Jahren als Finanzchef im Oberägerer Gemeinderat. Er weiss also, wie der Karren läuft bei den Behörden. Und dass dieser bei der KESB am Anfang quasi im Morast der vielen Anforderungen und Erwartungen stecken blieb, erstaunt ihn wenig: «Die Organisation konnte nicht organisch wachsen, sondern wurde zusammengewürfelt. Die sich fast zwangsläufig daraus ergebenden Probleme hat man unterschätzt.» Doch, wie gesagt, Stampfli ist optimistisch: Vor allem die Tatsache, dass in der KESB ab dem neuen Jahr zwei Leute explizit für die Anliegen privater Mandatsträger zur Verfügung stehen, stimmt ihn zuversichtlich.

Etwas zurückgeben

Warum aber engagiert sich ein Mann wie Heinrich Stampfli – selber ja auch nicht mehr 20 – überhaupt in diesem Bereich? Klar ist: Die in seinem Fall «eher symbolische Entlöhnung» kann als Motivation ausgeschlossen werden. Der ehemalige Banker führt zum einen gesellschaftspolitische Gründe an: «Als Student habe ich in meiner Jugend von unserer Gesellschaft sehr viel bekommen. Nun habe ich Gelegenheit, davon etwas zurückzugeben, mich für eine gute Sache zu engagieren.» Sagts, um gleich lachend anzufügen, das töne wohl etwas gar pathetisch. «Aber es ist nun einmal so: Unsere Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn in verschiedenen Bereichen ein Teil der Arbeit von Privaten übernommen wird; wir können nicht alles dem Staat überlassen», ergänzt das FDP-Mitglied.

«Es kommt viel Dank zurück»

Trotzdem empfindet Stampfli sein Engagement überhaupt nicht als Pflicht: «Nein, die Arbeit als Beistand ist für mich immer wieder auch sehr befriedigend.» Man spürt: Heinrich Stampfli ist einer, der Herausforderungen liebt. Eine solche stellte sich ihm etwa, als die von ihm betreute Dame mit Altersdemenz vorerst nicht davon zu überzeugen war, ins Altersheim zu ziehen. «Zusammen mit dem Arzt ist mir das dann aber doch gelungen.» Heute sei die Frau in ihrem neuen Umfeld zufrieden, sagt er und ergänzt: «Von meinen Schützlingen kommt sehr viel Dank zurück.»

Die Zuger KESB ist auf der Suche nach weiteren privaten Mandatsträgern (siehe Box). Was sind denn in der Einschätzung von Heinrich Stampfli die Anforderungen an einen Beistand? «Nun, es braucht zum einen Geduld, Verständnis, Toleranz, und Einfühlungsvermögen. Lebenserfahrung kann auch nicht schaden. Aber gefragt ist auch Durchsetzungskraft, um die Interessen des Schützlings nötigenfalls auch gegen Institutionen, Ämter oder Behörden durchsetzen zu können.» Praktisch sei es überdies, wenn man wie er etwas von Finanzen verstehe. «Doch keine Angst: Die Behörden sind bestrebt, die Fähigkeiten eines Mandatsträgers mit seinen Aufgaben abzustimmen. Ein Beistand muss nicht alles können.»

ChristIan Peter Meier

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