Spätes Glück für eine junge Mutter

Mit 16 wird Chantal Mutter. Sie erlebt Schwieriges und Schönes. Heute lebt die ausgelernte Verkäuferin mit Sohn Jonas (4) in ihrer ersten eigenen Wohnung. Die LZ-Weihnachtsaktion hilft ihr und vielen jungen Müttern.

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Chantal liest ihrem 4-jährigen Sohn Jonas aus seinem Lieblingsbilderbuch vor. (Bild: Maria Schmid/Neue LZ)

Chantal liest ihrem 4-jährigen Sohn Jonas aus seinem Lieblingsbilderbuch vor. (Bild: Maria Schmid/Neue LZ)

Schau mal, die Feuerwehr, die braucht ganz lange Rohre und viel Wasser», sprudelt es aus dem 4-jährigen Jonas heraus. Stolz zeigt er sein Lieblingsbilderbuch. Für das Zeitungsbild setzt er sich mit Mama Chantal* auf das Bett in seinem kleinen, kuscheligen Zimmer und lässt sich vorlesen, wie das ist, wenn – «tütü-tütü» – das Feuerwehrauto um die Ecke braust. Chantal streicht ihrem Sohn über den blonden Haarschopf. «Er ist mein Alles», sagt sie. Sie habe trotz vielen Schwierigkeiten nie bereut, dass sie mit 16 Mutter wurde.

Zuerst einfach verdrängt

Rückblende. Passiert ist es im letzten Schuljahr, in der dritten Sek, in einer Zuger Gemeinde. Chantal erzählt: «Ich habe es anfangs einfach verdrängt, dass ich schwanger sein könnte, habe keinen Test gemacht und bin erst spät zum Frauenarzt gegangen. Er sagte mir, ich sei in der achten Woche schwanger, ich sollte es meiner Mutter erzählen.» Doch Chantal wartet damit noch etwas zu, informiert ihre Mutter erst am Tag vor der Abreise in ein einwöchiges Schullager. «Für sie war es zuerst ein Schock», erzählt Chantal, «denn sie freute sich gerade darauf, dass wir drei Kinder bald alle flügge sein würden. Und nun wurde sie bereits Grossmutter.»

Vom Umfeld ausgegrenzt

Und Chantal selbst, freute sie sich auf ihr Kind? «Jein», sagt sie nachdenklich, denn je sichtbarer ihre Schwangerschaft wurde, desto schiefer wurden die Blicke aus ihrer Umgebung. «Viele wollten nichts mehr von mir wissen, einzig meine heutige Mitbewohnerin hier, sie hielt zu mir.» Im siebten Monat ein Schock: Chantals Freund und Vater des Kindes trennt sich von ihr. «Wir waren noch nicht lange zusammen. Er schrieb mir per Mail, er werde für das Kind da sein, mehr nicht.» Er hat Wort gehalten, zahlt die Alimente, nimmt Jonas jedes zweite Wochenende zu sich.

Freude und Angst

Die Geburt ihres Sohnes, einen Monat nach Schulabschluss, löste bei der jungen Mutter «Freude und gleichzeitig Angst» aus. Zwar habe ihre Mutter sie wunderbar unterstützt und habe zu ihr gestanden. «Aber mir wurde bewusst, ich bin jetzt nicht mehr allein, ich trage Verantwortung, nicht nur für mich, sondern auch für mein Kind. Da kam schon die Frage, wie schaffe ich das?» Chantal wohnte mit Jonas weiter bei ihrer Mutter und absolvierte zuerst ein Brückenjahr mit Schule und Haushalt kombiniert.

Keine Extrawurst

Für die junge Frau war klar: «Ich wollte einen Beruf lernen, und ich wollte in der Lehre keine Extrawurst, weil ich ein Kind habe.» Sie fand eine Lehrstelle als Detailhandelsangestellte und hat im Sommer 2011 ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. «Es war streng, alles unter einen Hut zu bringen», sagt Chantal. «Aber wenn ich Jonas fröhlich spielen oder friedlich schlafen sehe, bin ich glücklich.» Das Jahr 2011 ist für die 20-Jährige ein besonderes – sie steht nämlich jetzt auf eigenen Füssen. Der erste grosse Schritt dazu war im April der Bezug der ersten eigenen Wohnung, zusammen mit einer Kollegin. «Es ist eine gute Lösung. Eine Wohnung für Jonas und mich allein wäre zu teuer.» Der zweite Schritt ist die finanzielle Selbstständigkeit: Seit dem Lehrabschluss arbeitet Chantal 60 Prozent, ihr Sohn wird drei Tage in der Woche fremdbetreut, teilweise auch von seiner Grossmutter. Mit ihrem Gehalt und den Alimenten kann Chantal keine grossen Sprünge machen. Doch: «Würde ich mehr arbeiten, so müsste ich auch mehr für die Betreuung zahlen», erklärt sie, und fügt an: «Ich möchte gerade in diesem letzten Jahr, bevor Jonas in den Kindergarten kommt, möglichst viel Zeit mit ihm verbringen.»

Wertvolle Beratung

Die Ablösung vom Elternhaus und die Eigenständigkeit sind Chantal wichtig. Sie hatte in den letzten paar Jahren bei dieser und vielen anderen Fragen eine fachkundige Begleitung. Bei unserem Gespräch ist Mechtild Frings von der Kinder- und Jugendberatung Zug dabei. Sie sagt: «Für mich ist es bewundernswert, wie Chantal ihren eigenen Weg mit ihrem Sohn geht und ihre Verantwortung wahrnimmt. Sie ist eine Powerfrau.» Chantal sei auch sehr offen gewesen für die Angebote der Familienbegleitung. Chantal erwidert: «Ich war froh, wenn ich mich bei Erziehungsfragen oder über den ersten Zahnarztbesuch informieren konnte, und auch zur Krankenkasse und natürlich zu meinem Budget erhielt ich viele Tipps. Das war für mich sehr wertvoll.»

Ihr Blick in die Zukunft sei zuversichtlich, sagt die 20-Jährige: «Es kommt schon gut.» Und was wünscht sie sich für Weihnachten? «Einen kleinen finanziellen Zustupf für ein paar wenige Anschaffungen für Jonas. Und gerne möchte ich mit ihm ab und zu einen Ausflug machen.» Diesen Wunsch und viele Wünsche von Eltern mit kleinem Budget kann die LZ-Weihnachtsaktion erfüllen – dank den Spenden unserer Leserinnen und Leser.

Ruth Schneider

HINWEIS
* Auf Wunsch von Chantal nennen wir ihren Nachnamen und ihren Wohnort nicht. – Bitte aus logistischen Gründen keine Sachspenden.