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SPARPROGRAMM: Soll der Kanton vier Schulen schliessen?

Eine Kommission stellt eine brisante Forderung – und damit eine ganze Reihe von Bildungs­institutionen in Frage. Das kommt nicht überall gut an.
Das landwirtschaftliche Berufsbildungszentrum Schluechthof in Cham. (Bild Stefan Kaiser)

Das landwirtschaftliche Berufsbildungszentrum Schluechthof in Cham. (Bild Stefan Kaiser)

Christian Peter Meier

Soll der Kanton Zug traditionelle Einrichtungen wie das Landwirtschaftliche Bildungs- und Beratungszentrum im Schluechthof, die Fachmittelschule, die Wirtschaftsmittelschule oder gar die Pädagogische Hochschule aus finanziellen Gründen schliessen? Über diese Frage hat sich nun die Regierung Gedanken zu machen; sie soll «kritisch prüfen, ob sich der Kanton die verschiedenen Bildungseinrichtungen auch in Zukunft noch leisten will und kann». Dies fordert die erweiterte Staatswirtschaftskommission (Stawiko) in ihrem Bericht zum Budget und zum Finanzplan.

Wie die Kommission ausführt, bestehe etwa bei der Fachmittelschule «ein rechnerisches Einsparungspotenzial von 2,4 Millionen Franken pro Jahr». Dies vor dem Hintergrund, dass diese Schule den Kanton derzeit jährlich 5,5 Millionen Franken kostet. Würden die rund 190 Zuger Schülerinnen und Schüler aber für die gleiche Ausbildung in einen anderen Kanton geschickt, käme dies unseren Kanton nur auf 3,1 Millionen Franken zu stehen. Für den Chamer Schluechthof stellt die Stawiko ähnliche Berechnungen an: Mit einer Aufhebung der Institution kann der Kanton laut der Kommission rund eine Million Franken sparen.

Keine Denkverbote

«Ein temporärer Einbruch bei den Schülerzahlen der Fachmittelschule Zug war für uns Anlass, uns mit diesem Angebot vertieft auseinanderzusetzen», sagt Stawiko-Präsidentin Gabriela Ingold (FDP, Unterägeri). Dabei habe sich gezeigt, dass die Schule mit rund 200 Schülern eigentlich zu klein sei. «Optimalerweise hätte sie 400 Schülerinnen und Schüler.» Auch bei den anderen erwähnten Bildungsstätten stelle sich die Frage, ob sie nicht zu klein und damit im Verhältnis zu teuer seien. Ingold: «Wir sind der Meinung, dass man bei der derzeitig dramatischen Finanzlage des Kantons auch die grossen Posten unter die Lupe nehmen muss – ohne Denkverbote, aber natürlich mit offenem Resultat.»

«Materiell offen»

Genau dies betont auch Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel: «Es handelt sich hier um einen materiell offenen Prüfungsantrag, den die Regierung – wie übrigens auch die Stawiko – in einen Gesamtzusammenhang stellt.» Die Exe­kutive habe sich ja selber schon einen ähnlichen Auftrag gegeben: «Im Rahmen des Projektes ‹Finanzen 2019› werden wir alle Ausgaben auf den Prüfstand stellen – ohne Tabus. Das hat die Regierung bereits kommuniziert, und darunter fallen auch die erwähnten Institutionen.» Welche der genannten Schulen könnte denn am ehesten zur Disposition stehen? Auf solch konkrete Fragen kann und will Michel derzeit noch nicht eingehen. Auch die Frage, ob es den Zuger Studierenden und Schülern zuzumuten sei, für ihre Ausbildung in andere Kantone zu reisen und ob dort überhaupt die Bereitschaft bestehe, Zugerinnen und Zuger auszubilden, bleibt vorerst im Raum stehen. «Entsprechende Antworten ergeben sich erst aus dem Prüfprozess», versichert Michel.

Generell stehe die Regierung entsprechend ihrer Strategie für ein breites Bildungsangebot im Kanton ein. «Doch dieses muss gleichzeitig auch dem Bedarf entsprechen.» Darum werde das Angebot auch laufend angepasst, betont Michel. «Im Gewerblich-industriellen Bildungszentrum zum Beispiel werden gewisse Lehrgänge nicht durchgeführt, wenn zu wenig Schüler vorhanden sind. Dann schaut man, dass die Lernenden anderswo unterkommen.»

«Steuerzahler würden abwandern»

Kritisch reagiert man beim Lehrerinnen- und Lehrerverein des Kantons Zug auf die Schliessungsidee: «Wir finden es falsch, an den Bildungsangeboten zu sparen. Der Kanton kann sich diese Schulen leisten», sagt Vereinspräsidentin Barbara Kurth-Weimer und rechnet vor, dass die möglichen Einsparungen etwa für die Fachmittelschule «gerade mal 20 Franken pro Einwohner» betragen. Die Attraktivität des Kantons würde hingegen durch ein tieferes Bildungsangebot leiden – und Schüler würden zu längeren Schulwegen gezwungen. «Durch eine Schulschliessung würden zudem attraktive Arbeitsplätze und damit gute Steuerzahler vom Kanton Zug abwandern. Der Kanton würde quasi am Ast sägen, auf dem er sitzt.»

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