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Spätklassik mit historischen Instrumenten im Gotischen Saal in Zug

Im Gotischen Saal im Rathaus interpretierten die Kammer Solisten Zug drei Werke der Spätklassik. Sie fanden das richtige Gleichgewicht zwischen musikalischer Präzision und historischer Werktreue.
Jürg Röthlisberger
Die Kammer Solisten Zug beim Konzert im Gotischen Saal im Rathaus. (Bild: Patrick Hürlimann (Zug, 26. Januar 2019))

Die Kammer Solisten Zug beim Konzert im Gotischen Saal im Rathaus. (Bild: Patrick Hürlimann (Zug, 26. Januar 2019))

Für einmal überwogen bei den Kammer Solisten Zug wenigstens zahlenmässig die Saiteninstrumente: Die beiden Bläser Etele Dósa, Klarinette, und Stefan Buri, Fagott, wurden in wechselnder Besetzung von Streichern begleitet: Mátyás Bartha, Valentina Jacomella und Ulrike Kaufmann, Violinen und Viola, sowie Cellistin Philine Lembeck. Mit den drei Werken von Franz Vinzenz Krommer (1759–1831), Carl Maria von Weber (1786–1826) und Franz Danzi (1763–1826) bewegte man sich nach den Lebensdaten im Bereich der Spätklassik.

Schon im traditionellen «Auftakt» eine Stunde vor Konzert­beginn erläuterten Stefan Buri und seine Leute vor zahlreichem Publikum die Eigenheiten der verwendeten, historisch nachgebauten Instrumente: Man spielt die Violine ohne Kinnhalter und Schulterstütze, das Cello ohne Bodenstachel. Alle Streichinstrumente verzichten auf Feinstimmer, und sie benützen Darmsaiten statt solche aus Metall und Kunststoff. Der Bogen wird deutlich entfernt vom unteren Ende gehalten. Der so erzeugte Ton ist weniger bestimmt, aber er erscheint vielen Leuten «natürlicher». Die Intonation wird aber schwieriger, nicht nur weil sich solche Instrumente rascher verstimmen (was man auch im Gotischen Saal erlebte), sondern auch weil vor allem die tiefen dicken Darmsaiten mit der linken Hand mühsamer präzis zu greifen sind.

Fagottist Stefan Buri zeigt sein Können

Geringer erschienen wenigstens im Konzert der Kammersolisten die Klangunterschiede bei den Bläsern. Die seit dem 19. Jahrhundert neu dazugekommenen Klappen erleichtern vor allem die Spielbarkeit rascher Tonfolgen und den Wechsel in abgelegene Tonarten. Zurück zum historischen Instrument: Es war kein Zufall, dass alle drei gespielten Werke in B-Dur standen und Ausflüge in andere Tonarten (meist g-Moll) möglichst wenige zusätzliche Vorzeichen enthielten. Wie rasch der technische Wandel schon zu jener Zeit erfolgte, betonte Etele Dósa mit dem saloppen Spruch: «Für Mozart hat meine (historische, Anm. d. Red.) Klarinette zwei Klappen zu viel, für Weber hingegen zwei zu wenig!» Carl Maria von Weber ist fast 200 Jahre nach seinem Tod weltbekannt geblieben – vor allem dank dem «Freischütz», welcher die romantische deutsche Oper begründete. Als Verehrer des mit einem natürlichen ­Vibrato versehenen Klarinet­tenklanges gab er seinem Lieblingsinstrument im Opus 34 fast immer die musikalische Führung. Er hätte sich an der Zuger Interpretation sicher gefreut: Auch die mit den damaligen Instrumenten schwierigen Harmoniewechsel gelangen Etele Dósa tadellos, und bis in die extremen Spitzentöne blieb der Klang stets intonationssicher und glasklar. Daneben mussten sich die Streicher auf das harmonische Grundgerüst und wenige Zwischenritornelle beschränken.

Stefan Buri ist dem Zuger Publikum längst als ausgezeichneter Fagottist bekannt. Auch er erhielt durch das Quartett von Krommer einen dankbaren Solopart, dem er nichts schuldig blieb. Wenig kompositorische Fantasie zeigte die Begleitung durch zwei Violen und Cello, welche fast immer in der ersten Lage verharrten. Da auch viele andere Werke Krommers eine ähnliche Struktur aufweisen, ist es verständlich, dass man diesem Komponisten heute nicht mehr so oft begegnet.

Den Abschluss bildete das Concertino Opus 47 für Klarinette, Fagott und Streichquartett von Danzi. Nochmals überzeugte die Virtuosität aller sechs Mitwirkenden für ein gefälliges und in sich stimmiges Werk, das von einem ausgedehnten Variationensatz abgeschlossen wurde. Durch das ganze Programm hielt man sich konsequent an die mit den historischen Instrumenten verknüpften Stilprinzipien.

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