Zuger Spitäler melden wegen der Coronakrise Kurzarbeit an

Das Kantonsspital in Baar und die Chamer Andreas-Klinik spüren die Auswirkungen der vom Bund verordneten Massnahmen, um in der Coronakrise genügend Kapazität in den Spitälern zu haben.

Vanessa Varisco
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Wie viel Verlust genau das Kantonsspital wegen der Krise verzeichnen wird, ist noch nicht klar.

Wie viel Verlust genau das Kantonsspital wegen der Krise verzeichnen wird, ist noch nicht klar.

Bild: Stefan Kaiser (Baar, 16.März 2020)

«Die Auslastung der Andreas-Klinik ist im Vergleich zum Vorjahr tiefer», gibt Marietta Werder, Leiterin Marketing und Kommunikation der Klinik, auf Anfrage Auskunft. Auch Sonja Metzger vom Zuger Kantonsspital bestätigt, dass die Belegung der Betten aktuell tief sei.

Das scheint zunächst überraschend, wo doch wegen des Coronavirus befürchtet wird, das Gesundheitssystem könnte durch die vom Virus Betroffenen überlastet werden. Die tiefe Auslastung lässt sich aber mit dem Entscheid des Bundesrats Mitte März erklären: Auf nicht «dringend angezeigte medizinische Eingriffe» und Therapien muss nämlich verzichtet werden. Insbesondere Operationen wurden deswegen abgesagt. «Als Klinik im Belegarztsystem sind wir mehrheitlich auf elektive Eingriffe ausgerichtet», begründet Werder den Rückgang. Elektive Eingriffe nennt man Operationen, die vor allem in Fachkliniken, wie die Andreas-Klinik eine ist, durchgeführt werden. Man habe die Auswirkungen auch bereits wenige Tage nach dem Beschluss gespürt, da alle geplanten Operationen auf die «Vorgaben der Dringlichkeit» geprüft und gegebenenfalls auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wurden.

Seit Anfang April arbeitet ein Teil in Kurzarbeit

Ähnlich klingt es auch beim Zuger Kantonsspital. Wie Sonja Metzger angibt, sei das Spital bis Mitte März noch normal ausgelastet gewesen, danach wurden die Folgen der Coronakrise aber spürbar. «Seit rund drei Wochen zeigen sich die Auswirkungen deutlich», so Metzger und ergänzt: «Die Auslastung liegt aktuell bei rund der Hälfte dessen, was sonst in dieser Jahreszeit üblich ist.» Gleich wie im Fall der Andreas-Klinik ist das auf abgesagte Operationen zurückzuführen.

Diese tiefe Auslastung hat für verschiedene Bereiche des Spitals Folgen: Die Arbeit nimmt ab und es kommt zu einem entsprechenden Ertragsausfall. «Das Zuger Kantonsspital hat deshalb Kurzarbeit beantragt», sagt Metzger. Auch die Privatklinikgruppe Hirslanden hat für diverse Standorte Kurzarbeit beantragt. «Dazu gehört auch die Andreas-Klinik Cham», erklärt Marietta Werder. Seit dem 1.April ist ein Teil der Klinikbelegschaft am Chamer Standort in Kurzarbeit, teilt Werder mit. Wie «Der Bund» kürzlich berichtete werden Mitarbeiter der Standorte der Hirslandengruppe, die von der Kurzarbeit betroffen sind, keine Lohneinbussen haben. Das bestätigte Hirslanden-CEO Daniel Liedtke der Zeitung gegenüber. Man wolle die Leute nicht entlassen und zähle auf sie während und nach der Krise, wurde er zitiert.

Vermutlich sechsstelliger Verlustbetrag pro Tag

Die Coronakrise wird entsprechend in den Zuger Spitälern Einfluss auf die Finanzen haben. Im Kantonsspital wird betont, dass man noch nicht genau sagen könne, wie hoch die Verluste auf Grund der Pandemie effektiv sein werden. «Wir rechnen jedoch mit einem deutlich sechsstelligen Betrag pro Tag», beziffert Sonja Metzger den grob geschätzten Verlust.

Die Anzahl der Notfallpatienten ist deutlich gesunken

(vv) Nicht nur die Auslastung in den Spitälern hat abgenommen. Beide Zuger Spitäler bestätigen auf Nachfrage ausserdem, dass die Notfallabteilung weniger häufig konsultiert werde. «Vor allem Personen mit Beschwerden, die nicht vordergründig lebensbedrohlich sind und auch vom Hausarzt behandelt werden können, kommen weniger häufig in unseren Notfall», weiss Marietta Werder von der Andreas-Klinik in Cham. Das Zuger Kantonsspital verzeichnet ebenfalls einen «markanten» Rückgang von Notfallpatienten. Der Hauptgrund dafür liege wohl darin, dass ein Grossteil der Bevölkerung den Empfehlungen des Bundes Folge leiste und wenn immer möglich zu Hause bliebe, sagt Sonja Metzger. «Wir können nicht ausschliessen, dass Patienten aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus das Aufsuchen unseres Notfallzentrums hinauszögern oder sogar vermeiden», gibt Metzger zu. Im Falle eines Herzinfarkts oder eines Schlaganfalls kann das aber schwerwiegende Folgen haben. Es sei deshalb wichtig, bei Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot, Lähmungen oder allgemeiner Schwäche das Notfallzentrum aufzusuchen oder den Rettungsdienst anzurufen. Das hat auch die schweizerische Gesellschaft für Notfall- und Rettungsmedizin kürzlich so mitgeteilt. Beide Zuger Spitäler haben für Notfälle genügend Kapazität, wie die Medienverantwortlichen betonen.

Auf Klinikebene kann Marietta Werder keine Angaben zu den finanziellen Auswirkungen machen. Sie verweist dabei auf die Hirslandengruppe. Der Medienbeauftragte Claude Kaufmann erklärt, dass auch gruppenweit keine genauen Angaben über die finanziellen Auswirkungen gemacht werden kann. «Sie werden von der Dauer der Erkrankungswelle und davon abhängen, wie lange es den Spitälern untersagt bleibt, Wahleingriffe vorzunehmen.» Die Hirslandengruppe, und damit die Andreas-Klinik, sei aber in einer sehr guten finanziellen Lage in diese Krise eingetreten. Man habe ausserdem betriebswirtschaftliche Massnahmen, wie die Optimierung der Betriebskosten, ergriffen. «Wir gehen deshalb davon aus, dass unsere finanzielle Lage weiterhin stabil bleibt», schliesst er.