Spitzenjahr für hiesige Campingplätze

In der Zentralschweiz war der Zuwachs an Logiernächten 2018 hoch. Besonders auf den Campingplätzen im Kanton Zug.

Vanessa Varisco
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Auch der Camping Unterägeri verzeichnet einen starken Anstieg der Übernachtungen. (Bild: Stefan Kaiser, 16. Juli 2019)

Auch der Camping Unterägeri verzeichnet einen starken Anstieg der Übernachtungen. (Bild: Stefan Kaiser, 16. Juli 2019)

Es war ein Spitzenjahr für die Campingplätze im Kanton Zug: 2018 wurden so viele Logiernächte wie selten zuvor verbucht. Martin Mätzler, Betriebsleiter vom Camping Unterägeri, freut sich: «Die Übernachtungszahlen waren gut 40 Prozent über denen des Jahres 2017.» Ähnlich sieht es auf dem TCS Campingplatz im Brüggli aus: Über 45 Prozent mehr Logiernächte konnten hier verzeichnet werden. «In Zahlen ausgedrückt: 2018 gab es ein Plus 3507 Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahr», rechnet Lukas Reinhardt, Mediensprecher des TCS, vor. Verzeichnet wurden dort insgesamt 11204 Logiernächte. Ein grosser Anstieg, gemessen an der Tatsache, dass der Camping voraussichtlich 2022 verschwinden soll:

Die Zahlen der Zuger Campingplätze zeigen: Campen scheint im Kanton Zug wieder im Trend zu sein. Woher rührt diese Begeisterung, das Zelt draussen aufzuschlagen oder es sich mit dem Wohnmobil
gemütlich zu machen?

In der Region 30 Prozent mehr Übernachtungen

«Die lang anhaltenden Schönwetter-Perioden haben zu einer massiven Zunahme der Gäste mit Zelt geführt», erklärt Mätzler und ergänzt: «Gäste mit Zelt kommen spontan und möchten am Ende ihr Zelt wieder trocken zusammenräumen.» Vor allem auch die Vor- und Nachsaison seien wegen des schönen Wetters gut ausgelastet gewesen, räumt Reinhardt ein. Und nicht nur in Zug waren die Plätze gut ausgelastet. Schweizweit verzeichnen sie einen Zuwachs an Logiernächten wie das Reise- und Buchungsportal Camping.info in einer Mitteilung schreibt:

«Insgesamt übernachteten die Campingurlauber über 3,5 Millionen Mal auf einem der 401 Plätze in der Schweiz. Das entspricht einem Anstieg von 12,8 Prozent.»

Mit 2,4 Millionen Übernachtungen sei der Anteil der Camper aus der Schweiz besonders gross. Die grössten Zuwächse verzeichneten dabei Zürich und die Zentralschweiz, welche insgesamt 385 000 Logiernächte zählte, was einem Plus von rund 29 Prozent entspricht. Im europaweiten Vergleich sind zudem gleich zwei Campinganlagen in den Top 100 vertreten: Camping Hüttenberg in Eschenz (TG) und das Camping Sempach (LU). «Die Steigungsraten der Campingbranche sind europaweit bemerkenswert und gehen weiterhin steil nach oben», wird Maximilian Möhrle, Geschäftsführer von Camping.info, zitiert. Beliebteste Region ist übrigens der Genfersee, gefolgt vom Espace Mittelland und dem Tessin.

Aktuelle Zahlen liegen unter dem Vorjahr

Das Wetter ist nur einer von vielen Faktoren, welche für die kantonalen Rekordzahlen im letzten Jahr gesorgt haben. «Nicht zuletzt können auch ökologische Überlegungen eine Rolle spielen. Man verzichtet vermehrt auf Flugreisen und wählt nahe gelegene Reiseziele in der Natur», erwägt Reinhardt vom TCS Camping Brüggli. Das bestätigt Mätzler vom Camping Unterägeri: «Ökologie wird grossgeschrieben. Vor allem wenn es um Strom, Wasser, Einkauf und Entsorgung geht.» Ausserdem punkten die Plätze mit ihrer Lage: Beide liegen direkt am See. «Von der Ruhe profitiert der Campingplatz sicherlich», ist Mätzler überzeugt. «Der Platz am Zugersee ist verkehrstechnisch gut erreichbar. Rund herum gibt es zudem unabhängig vom Wetter viel zu erleben», heisst es beim TCS. Ausserdem sei diese Form der Ferien individuell, gesellig und unkompliziert zur gleichen Zeit, so Reinhardt, und weiter:

«Uns fällt auf, dass wieder mehr junge Familien das Campen für sich entdeckt haben. Das zeigen auch die steigenden Verkaufszahlen der Wohnmobile.»

Während es letztes Jahr um diese Zeit brütend heiss und strahlend sonnig war, so ist es dieses Jahr milder und ab und an ist mit einem Regenguss zu rechnen. Wie steht es also bisher im aktuellen Jahr um die Logiernächte im Kanton Zug? «Sie liegen unter dem Vorjahr, was sicher auch an dem eher wechselhaften Wetter im Mai lag», sagt Reinhardt. Auch in Unterägeri sind die Gäste noch eher verhalten, aber: «Die Vor-Reservationen bestätigen den Trend zurück zum Campen. Gut besucht ist der Platz ab der zweiten Julihälfte und vor allem im August.» Wobei die Stellplätze in Seenähe besonders beliebt und meist ausgebucht seien. «Die Zahlen bis Ende Juni sind sehr erfreulich und sogar leicht über dem Vorjahr», verrät Mätzler. Genau wie am Zugersee. «Es ist jedoch noch zu früh, um eine Prognose für die Logiernächte der diesjährigen Saison zu machen», gibt Reinhardt zu bedenken.

Zug: 5000 Bürger wollen den Campingplatz

Der Campingplatz beim Brüggli soll in drei Jahren geschlossen werden. Dagegen hat ein Komitee gestern die Petition «Pro Camping Zugersee» mit 5064 Unterschriften auf der Staatskanzlei eingereicht.
Cornelia Bisch