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SPONSORING: «Es muss mehr sein als Glaube»

Die Brauerei Baar ist ein bedeutender Geldgeber für den Zuger Sport. Über 50 Vereine und Anlässe unterstützt die Firma von Martin Uster (38). Ein Gespräch über den Nutzen von Bandenwerbung – und warum das lokale Bier nicht an EVZ-Matches ausgeschenkt wird.
Martin Uster, das Schwergewicht der Zuger Brauszene, offenbart beim Fotoshooting ungeahnte Talente. (Bild: Maria Schmid (Baar, 16. August 2017))

Martin Uster, das Schwergewicht der Zuger Brauszene, offenbart beim Fotoshooting ungeahnte Talente. (Bild: Maria Schmid (Baar, 16. August 2017))

Interview: Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Martin Uster, wie halten Sie selbst es mit Sport?

Ich spielte einige Jahre als Junior im FC Baar. Danach war ich beim Unihockeyclub White Indians Inwil-Baar Goalie – mit meiner Masse war ich natürlich geeignet dafür (schmunzelt). Heute spiele ich noch Golf, damit habe ich vor 20 Jahren angefangen. Aber das ist mehr Freizeitbeschäftigung als Sport. Und ich gehe noch zweimal wöchentlich ins Fitness, bin also ein typischer Saloon-Jogger.

Passen Golf und Bier zusammen?

Sehr! Üblicherweise wird am letzten Loch um die anschliessende Runde im Restaurant gespielt.

Müssen Sie oft zahlen?

Fifty-fifty, würde ich sagen.

Welchen Profisportlertraum verfolgten Sie als Kind?

Ich wollte Fussballer werden. Aber irgendwann wurde ich realistisch. Und auch vom Golf konnte ich nicht leben ...

Stattdessen vom Bierbrauen. Was versprechen Sie sich von der Unterstützung von Sportvereinen?

Natürlich mehr Bier zu verkaufen und im Kanton Zug präsent zu sein. Das sind potenzielle Kunden von uns.

Bringt diese Unterstützung der Marke wirklich etwas, oder ist das nicht nur ein Glaube Ihrerseits?

Es muss mehr sein als Glaube, auch wenn ich den Effekt in Zahlen nicht belegen kann. Ich bin überzeugt davon, dass unser Engagement auch in diesem Bereich zurückkommt. Darüber hinaus ist es Imagepflege.

Nach welchen Kriterien unterstützen Sie denn Sportvereine?

Er muss in unserem Einzugsgebiet liegen. Da macht es keinen Unterschied, ob es sich um einen relativ kleinen Ulti­mate-Frisbee-Verein oder den grossen Fussballklub Zug 94 handelt. Mit dem FC Wettswil-Bonstetten, dem FC Hausen am Albis, dem Squash Club Adliswil und dem Kavallerieverein Freiamt sponsern wir auch ausserkantonale, aber nah gelegene Sportvereine.

Was für Gegenleistungen fordern Sie?

Wir wollen auf der Mannschaftsbekleidung präsent sein und am Spielfeld, beispielsweise in Form von Banden. Und natürlich sollen die Vereine an den Anlässen unser Bier ausschenken, je nach Höhe unserer Unterstützung ausschliesslich. Unser Engagement variiert je nach Grösse der Abnahmemenge.

Wie viel Geld gibt die Brauerei Baar jährlich für Sportsponsoring aus?

Rund 120000 Franken.

Haben Sie Konkurrenz von anderen Bierherstellern im regionalen Sportbereich?

Bei Vereinen in Randsportarten nicht. Diese unterstützen wir auch, weil wir es lässig finden, wenn sie etwas auf die Beine stellen im Kanton Zug. Ausserdem sind sie sehr dankbar, weil sie es besonders schwer haben, Sponsoren zu finden. Bei den grossen Anlässen und Vereinen im Schwingen, im Reiten und im Fussball müssen wir uns hingegen gegen Mitbewerber behaupten. Da spielt der Preis die grössere Rolle als der Lokalbonus.

Manche Vereine beklagen sich, weil sie selten mit Foto in den Medien erscheinen und die Sponsoren deshalb nicht sichtbar seien. Wie beurteilen Sie das?

Uns fällt es sicher auf, wenn wir in der Zeitung sichtbar sind. Für den Aussenstehenden ist das vielleicht nicht so, allerdings spielt die Sichtbarkeit der Marke im Unterbewusstsein schon eine Rolle. Es gibt Glücksfälle wie zum Beispiel das kürzlich ausgetragene Cupspiel zwischen dem FC Wettswil-Bonstetten und dem FC Basel. Da sind wir auch im SRF präsent gewesen. An der Tour de Suisse in Cham war unser Ausschankwagen sogar hinter dem Studio platziert, das täglich im Fernsehen zu sehen war – das ist unbezahlbar für uns.

War diese Platzierung Zufall?

Ja, purer Zufall – Schleichwerbung sondergleichen (lacht).

Eine von 40 Banden an einem Fussballplatz hat diesen Werbeeffekt nicht.

Das stimmt, aber wie erwähnt ist es ein Sponsoringvertrags-Bestandteil. Verlieren können wir dadurch ja nichts.

An Sportanlässen sind auch viele Kinder und Jugendliche. Wie gehen Sie als Alkoholverkäufer mit dieser Verantwortung um?

Wir werben nicht mit Alkohol an Anlässen, die auf unter 16-Jährige ausgerichtet ist. An solchen bewerben wir stattdessen unseren Braui-Markt oder unser alkoholfreies Bier.

Hatten Sie schon Klagen seitens der Eltern von Junioren wegen Ihrer Werbung?

Nein. Ich denke, wir haben ein sehr positives Image in der Bevölkerung, deshalb ist das kein Problem.

Warum ist Baarer Bier nicht am EVZ-Match erhältlich?

Sich dort einzukaufen, ist teuer. Ich kenne zwar die genauen Zahlen nicht, aber das ganze Paket ist vermutlich eine Nummer zu gross für uns. Ein Produktionsproblem wäre es im Vergleich zu früher aber nicht mehr. Es hat sich viel getan seit meinem Einstieg in die Brauerei 1999, wir haben unseren Ausstoss verdoppelt.

Könnte es denn sein, dass der EVZ in 20 Jahren Baarer Bier ausschenkt?

Das ist eine Vision. Wir sehen uns als Zentralschweizer Brauerei, so wie der EVZ sich als Zentralschweizer Verein sieht. Ich bin ein grosser EVZ-Anhänger und kenne viele Leute da, mit denen ich immer im Gespräch bin.

Was schauen Sie sich neben Eis­hockey noch an?

Fussball. Ich bin Fan der Schweizer Nationalmannschaft und fliege am 10. Oktober auch zum WM-Qualifikationsspiel nach Portugal. Darüber hinaus ist Schwingen ein interessanter Sport, auch weil es dort ein sehr bierfreundliches Publikum gibt.

Der Vertrag für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2019 in Zug ist aber an Feldschlösschen gegangen.

Ja, dieser Riesenanlass ist logistisch und vom Sponsoring her undenkbar zu meistern für uns. Wir hätten nicht einmal genug Tanks, um das Bier auf dem Festgelände bereitzustellen. Aber wir sind in Gesprächen mit dem Organisations­komitee, um Nebenschauplätze abzudecken. Darüber hinaus wird unser Bier in anliegenden Lokalen ausgeschenkt, mit denen wir schon heute einen Abnahmevertrag haben.

Sind Sie vom OK überhaupt kontaktiert worden?

Ja, es herrschte und herrscht immer ein offener Austausch. Den schätzen wir sehr.

Zurück in tiefere Sphären. Welcher wiederkehrende Sportanlass im Kanton Zug ist der wichtigste für die Brauerei Baar?

Hm, das ist eine gute Frage. Grundsätzlich ist das Waldstock-Open-Air der grösste jährliche Anlass für uns, aber Sportanlass ... (überlegt). Das Zug Sports Festival, das wir letztes Jahr erstmals beliefern konnten, hat das Potenzial dafür. Aber sonst ist es das Zuger Kantonalschwingfest, das wir mindestens alle zwei Jahre abdecken. Und das Einach­serrennen in Neuheim zählt sicherlich auch zu den sehr guten.

Haben Sie schon mal das Sponsoring eines Zuger Sportvereins abgelehnt?

Da fällt mir nichts ein. Wir sponsern auch ein, zwei Kisten für einen Apéro oder so eines kleinen Klubs. Mit uns kann man über alles sprechen.

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