Spurwechsel im «Dorf Zug»

Die ZVB haben ein Angebot für Quereinsteiger lanciert. Normann Mahlknecht ist ein Beispiel dafür, wie der Jobwechsel gelingen kann: Seit elf Jahren steuert er Busse, statt die Kochkelle zu schwingen.

Laura Sibold
Drucken
Teilen
Busfahrer Normann Mahlknecht:«Ich habe den Arbeitsplatz mit dem schönsten Ausblick.» (Bild: Maria Schmid, Baar, 14. November 2019)

Busfahrer Normann Mahlknecht:«Ich habe den Arbeitsplatz mit dem schönsten Ausblick.» (Bild: Maria Schmid, Baar, 14. November 2019)

«Zug ist ein Dorf», sagt Normann Mahlknecht, während er den Bus der Linie 3 vom Metalli Richtung Baar steuert. Wie zur Bestätigung steigen immer wieder Fahrgäste ein, die den Chauffeur mit einem Winken begrüssen oder mit ihm ein Gespräch beginnen. Viele kennen ihn und sind regelmässig auf der Strecke unterwegs. Mit einem breiten «Servus» begrüsst Mahlknecht seine Passagiere. Seit 11 Jahren ist der gebürtige Salzburger als Busfahrer für die Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) im Einsatz. Zuvor hat er als Chef de Service, Koch und Sommelier in Zürich und Davos gearbeitet.

Normann Mahlknecht ist ein Beispiel für einen Quereinsteiger, wie sie die ZVB derzeit suchen. Bis anhin habe man nur Leute eingestellt, die bereits einen Busfahrausweis haben, sagt ZVB-Mediensprecherin Karin Fröhlich. «Mit dem neuen Angebot suchen wir bewusst Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die sich neu orientieren wollen, und bilden sie von Grund auf zum Chauffeur aus.»

Dreimonatige Ausbildung mit Fahrschule

Ein neues Angebot, um mehr Buschauffeure zu rekrutieren: Haben die ZVB ein Personalproblem, das sie nun wie die SBB mit einer ähnlichen Kampagne lösen wollen? Karin Fröhlich verneint. Es seien derzeit rund 200 Busfahrerinnen und Busfahrer im Einsatz, und laufend würden neue rekrutiert. «Wir handeln proaktiv. Die Aktion für Quereinsteiger läuft ergänzend zur regulären Rekrutierung.»

Derzeit finden Infoabende für Interessenten statt. Laut Fröhlich ist die Nachfrage gross, man habe Leute aus dem Gastro-, Verkaufs- und Handwerksbereich. Zentral sei, dass sich die Buschauffeure nicht nur als Fahrer, sondern als Dienstleister verstehen. «Busfahrer sein, ist anspruchsvoll – man hat ständig Kundenkontakt und muss freundlich und geduldig sein. Daher wollen wir gezielt Personen ansprechen, die gerne mit Menschen arbeiten», erklärt Fröhlich. Für Quereinsteiger dauert die Ausbildung drei Monate – inklusive Fahrausbildung, von der die ZVB die Hälfte der Kosten trägt.

Normann Mahlknecht hat erst «in einem biblischen Alter» in den Beruf aus Buschauffeur gewechselt, wie er selber sagt. Mit Mitte 40 einen neuen Job im Hotelier-Bereich zu finden, sei praktisch unmöglich gewesen, also habe er sich neu orientiert. Mahlknechts Vater hat bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) gearbeitet. «Der Verkehr hat mich daher immer schon fasziniert. Da ich aber keine Gegenstände herumchauffieren wollte, fiel die Wahl schnell auf Busfahrer», sagt der 58-Jährige, der heute in Mettmenstetten wohnt.

Danach gefragt, was er an seinem Beruf am meisten geniesse, deutet Normann Mahlknecht ohne zu Zögern auf die grosse Busfrontscheibe: «Ich habe den Arbeitsplatz mit dem schönsten Ausblick.» Zudem sei man als Buschauffeur zwar alleine in der Fahrerkabine, habe aber viel Kontakt mit Passagieren und an Knotenpunkten wie an den Bahnhöfen Baar und Cham auch mit den anderen Busfahrern. «Besonders ältere Leute haben oft das Bedürfnis zu reden. Da höre ich gerne zu, und es entwickeln sich spannende Gespräche», erzählt der ehemalige Chef de Service, der seine Passagiere auch gerne beobachtet. «Nicht, um zu spionieren, sondern um zu sehen, ob es ihnen gut geht», sagt er schmunzelnd.

Gute Menschenkenntnis und ein dickes Fell

Neben einem guten Umgang mit Menschen sei es auch wichtig, umsichtig im Verkehr zu sein. Die ZVB-Busfahrer arbeiten im Schichtbetrieb, weshalb auch Flexibilität und gute Absprache mit der Familie oder dem Partner wichtig seien, so Mahlknecht. Hat der Bus Verspätung, werden Busfahrer manchmal beschimpft. Da brauche es Geduld und ein dickes Fell. Die positiven Erlebnisse würden allerdings überwiegen.«Auf der Linie 3 stecken mir zwei ältere Frauen manchmal Schokolade zu. Da sage ich natürlich nicht Nein», schmunzelt der Busfahrer. Zug sei eben doch ein Dorf.

Dass man sich kennt und einen freundlichen Umgang pflegt, wird einmal mehr augenscheinlich, als an der Bushaltestelle Lättich eine Mutter mit ihrem Sohn einsteigt. Fröhlich beginnen sie, mit Normann Mahlknecht zu plaudern. «Wenn ich gross bin, werde ich auch Busfahrer», sagt der vierjährige David lächelnd.

Weitere Infos unter: www.zvb.ch/unternehmen/offene-stellen.