ST. MICHAEL: Wann singt hier ein neuer Chor?

Mitglieder der Stadtzuger Katholischen Kirchgemeinde hatten an Weihnachten keine Freude. Wegen des gekündigten Organisten gab es erstmals keine traditionelle Mitternachtsorchestermesse. Nun soll die Kirchenmusik neu aufgegleist werden.

Wolfgang Holz
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Kirche St,. Michael in Zug. (Bild: Maria Schmid / ZZ)

Kirche St,. Michael in Zug. (Bild: Maria Schmid / ZZ)

Wolfgang Holz

wolfgang.holz@zugerzeitung.ch

«Sang- und klanglos im wahrsten Sinne des Wortes ist diese Weihnacht die traditionelle und von einer Vielzahl von Kirchgängern immer hoch geschätzte feierliche Mitternachtsmesse mit Chor und Orchester (...) verschwunden» – so ärgert sich ein Leserbriefschreiber über das reduzierte Gottesdienstangebot der Pfarrkirche St. Michael (siehe Forum, Seite 24). Was den Kirchgänger besonders stört, ist, dass der Ausfall der Orchestermesse nicht vorher kommuniziert worden sei.

Offensichtlich zeitigt die Entlassung des Kirchenmusikers und Organisten Marco Brandazza im letzten Jahr Spätfolgen. Denn Brandazza, dem wegen liturgischer Unstimmigkeiten mit der Ad-Interim-Gemeindeleiterin Sybille Hardegger nach 18 Dienstjahren gekündigt wurde, hinterlässt noch immer Lücken (Aus­gabe vom 18. August 2016 und weitere). Das heisst: Es gibt derzeit keinen Chor mehr, weil viele der rund 60 Mitglieder aus Enttäuschung über Brandazzas Entlassung gegangen sind.

Neuer Pfarrer «fühlt sich gut aufgenommen»

Zwar hat die katholische Kirchgemeinde seit dem letzten Advent in der Person von Reto Kaufmann einen neuen Pfarrer. Er wusste das Chordefizit an Weihnachten zu überbrücken, indem er «die Weihnachtsgottesdienste mit Orgel und an Weihnachten mit einer Sopranistin gestaltet» hat, wie er auf Anfrage mitteilt. Er habe die Situation an Weihnachten eben so genommen, wie er sie vorgefunden habe. Einen neuen Chor gibt es aber immer noch nicht. Doch es keimt Hoffnung auf.

Denn zum einen stimmt die Chemie zwischen Kirchgemeinde und Pfarrer. «Ich bin gut in St. Michael in Zug gestartet und fühle mich von den Menschen hier sehr gut aufgenommen», erklärt Kaufmann. Er fühle sich wohl und habe manchmal das Gefühl, schon lange hier zu sein. Zum anderen sei, wie der neue Pfarrer mitteilt, die Situation von den zuständigen Gremien angegangen worden. «Und es ist bereits eine Findungskommission gegründet worden, die eine neue Chorleitung suchen wird.»

Dass Reto Kaufmann als Seelsorger bei den Gläubigen gut ankommt und einen Weg der Versöhnung zwischen den Kirchgemeindemitgliedern und dem in die Kritik geratenen Kirchenrat einzuschlagen versucht, wird auch von Seiten des ehemaligen Chors bestätigt. «Der neue Pfarrer ist ein absoluter Glücksfall für die Gemeinde», sagt ein Mitglied der Choralschola, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Kaufmann verhalte sich sehr souverän, wirke beruhigend und stehe über der Sache. «Den Chor gibt es zwar noch auf dem Papier, aber der grösste Teil der Mitglieder ist ausgetreten», sagt der Sänger. Ein neuer Chor müsse deshalb wohl «bei null» anfangen. Gleichwohl trifft sich der noch bestehende Kirchenchor Ende Januar zu seiner Generalversammlung. Dort soll beschlossen werden, einen Übergangsdirigenten zu finden. Denn eine kleinere Gruppe des Chors ist bereit, weiter zu machen.

Anstellung eines neuen Hauptorganisten steht bevor

Kirchenratspräsident Patrice ­Riedo bedauert im Nachhinein den Verlust der Orchestermesse an Weihnachten. «Die Orchestermesse ist ausgefallen, da der Chor nicht mehr einsatzfähig war. Chor und Stadtorchester waren informiert, und es wurde durch die Pfarreileitung ein Alternativprogramm bestimmt.» Dies sei im Pfarreiblatt entsprechend angekündigt gewesen. Gleichzeitig habe diese Situation auch eine Chance für etwas Neues geboten. Riedo: «Das Weihnachtsprogramm in St. Michael löste auch viel positive Resonanz aus. Zudem hat die Kirchgemeinde Zug drei weitere Pfarreien, die ebenfalls ein festliches Weihnachtsprogramm angeboten haben.» Was die Zukunft der Kirchenmusik in St. Michael angeht, ist die Stelle für einen Hauptorganisten neu ausgeschrieben. «Wir haben viele gute Bewerbungen erhalten. Die Anstellung ist im Gange und steht kurz vor dem Abschluss», sagt Riedo. Was die Findungskommission für Kirchenchor und Choralschola betrifft, habe diese ihre Arbeit unter der Leitung von Christoph Balmer, dem Präsidenten des Stadtorchesters, aufgenommen und bereite die Suche nach einer neuen Chorleitung vor.