Kolumne

«Stadler aufstehen!»

Redaktor Christopher Gilb übers Bahnreisen im Ausland und die Wahrnehmung der Schweiz jenseits der Grenzen.

Christopher Gilb
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Es ist immer wieder interessant, was die Leute in der grossen Welt mit der Schweiz assoziieren. In meinen Osterferien beispielsweise reiste ich mit einem Nachtzug quer durch Georgien. Von der Hauptstadt Tiflis nach Sugdidi nahe der Schwarzmeerküste. Der Kondukteur unseres Wagens verstand zwar nicht einmal wirklich Englisch, die Schweiz jedoch kannte er, aber nicht etwa Luzern, Zürich oder gar Zug, sondern Schaffhausen. Wieso? Wenn ihm in einsamen Nächten langweilig ist, gibt er sich Fussballwetten hin. Wieso auch immer. Gelegentlich setzt er auf den FC Schaffhausen und ist mit den Resultaten wohl ganz zufrieden.

Doch nicht nur die Stadt am Oberrhein kennt er, auch der Zughersteller Stadler aus dem Thurgau ist ihm bekannt. Denn in Georgien sind teils Stadler Züge im Einsatz. Wie so oft im Nachtzug schliefen wir also tief, als dieser sein Ziel erreichte. Der Kondukteur riss die Türe zum Abteil auf: «Stadler aufstehen!» Ich hätte es eigentlich wissen sollen, dass er sich unsere Namen nicht merken kann. Lustigerweise trafen wir dann einen Schweizer, der wirklich Stadler heisst, stolz zeigte er uns ein Foto, wie er irgendwo in Georgien vor einem Stadler Zug posiert.

Oft strecken die Menschen aber auch einfach den Daumen nach oben, wenn sie Schweiz hören, das steht dann wohl für Schokolade, Geld, schöne Natur und natürlich hochwertige Uhren. Manchmal kennen sie die Schweiz aber auch gar nicht. In einem Pub in England erzählte mir letztens eine Frau von ihrem letzten Schweizaufenthalt. Sie sei mit der Fähre gekommen. Ich fragte: «Nicht doch eher Schweden?» Sie bestellte noch ein Bier und schwieg.

Doch nicht immer hat man so Glück, wie wenn man Schweizer ist. Ich bin gebürtiger Deutscher, als ich das mal in Mexiko am Strand einem Einheimischen erzählte, zeigte er mir stolz sein Hakenkreuz-Tattoo auf dem Bein. Ich glaube, er hatte keine Ahnung, was dieses bedeutet, sonst hätte er mich nicht so gutmütig angelächelt, als würde er auf ein Kompliment warten. Auch das einer sich mal beide Finger unter die Nase gehalten und irgendwelche erbärmlichen Parolen zum Besten gegeben hat, habe ich schon erlebt.

Einfacher haben es die Italiener. Egal wo man ist, kommt man aus Italien, ist die Antwort oft die gleiche. «Ah, Adriano Celentano.» Den kennt jeder. «Der Komödiant oder?»