Stadt Zug: Das Preisschild für den Ökihof gibt zu reden

Am 27. September entscheiden die Stadtzuger über das Schicksal des Ökihofs im Gebiet Grienbach. Eine Partei macht vor dem finalen Schritt Opposition.

Marco Morosoli
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Die Visualisierung zeigt den Eingangsbereich des neuen Ökihofs.

Die Visualisierung zeigt den Eingangsbereich des neuen Ökihofs.

Visualisierung: PD

Wer in der Abstimmungsvorlage die Fassaden des geplanten Ökihofs der Stadt Zug von Süden oder von Norden anschaut, erkennt mit etwas Fantasie die Umrisse einer Pieranlage. Es gibt auf der ganzen Welt zahlreiche Beispiele dieser im 19. und 20. Jahrhundert erstellten Bauten, auf denen mit einer Meeresbrise in der Nase lustwandeln angesagt war.

Wer die zahlreichen Visualisierungen der entlang der Industriestrasse geplanten Baute, über die am 27.September abgestimmt wird, etwas genauer unter die Lupe nimmt, bekommt jedoch ein anderes Bild. Bei der Beschlussfassung für den Objektkredit im Grossen Gemeinderat der Stadt Zug nahm Ignaz Voser, der Sprecher der Alternative - die Grünen (ALG), kein Blatt vor dem Mund und sagte: «Alles in allem bekommen wir nicht den grossen Wurf, aber eine grosszügige und funktionierende Gesamtanlage allemal.»

Bei der Parolenfassung der ALG hat sich die Tonalität dann aber etwas verändert. Stefan Hodel, Co-Präsident der ALG Stadt Zug, schreibt in einer Mitteilung pragmatisch: «Was lange währt, wird nun doch bald gut.» Bei ihrer Parolenfassung stellte die ALG zudem fest, dass «die Kombination der drei im Recyclingbereich tätigen Player in der Stadt Zug Sinn macht». Damit sind neben dem Ökihof das Brockenhaus der Frauenzentrale und die Organisation GGZ@work gemeint. Das Brockenhaus könne seine Auslagen in helleren Räumen ausbreiten. Was Hodel zudem als wichtig erachtet: «Dass das neue Recycling-Zentrum nicht am Hang gebaut wird und so auch für Velofahrer gut erreichbar bleibt.»

Der knappe Zeitplan und die Kosten von über 20 Millionen Franken lösten unter den SP-Mitgliedern bei der Versammlung zur Parolenfassung Fragen aus, wie einer Mitteilung der Partei zu entnehmen ist. Der geplante Nutzungsmix und die zu erwartenden Synergien überzeugten jedoch. Die Parteimitglieder beschlossen ohne Gegenstimme die Ja-Parole zum Kredit.

Das Projekt ist mehr als nur ein Ökihof

Auch die FDP der Stadt Zug findet Gefallen an der geplanten Baute im Norden der Stadt Zug. Die Ja-Parole beschloss die Partei einstimmig. Jedoch liess sie es sich nicht nehmen, das emotionale Thema vor der Beschlussfassung noch einmal von ihrer Bauchefin Eliane Birchmeier erläutern zu lassen. Die FDP ist davon überzeugt, dass der Neubau die Stadt Zug «ökologisch und raumplanerisch weiterbringt». Die FDP blendet dann aber bei der Beschlussfassung die Kosten für andere Organisationen (Frauenzentrale und GGZ@work) aus und nennt ein Preisschild von 7,6 Millionen Franken für den Zuger Ökihof. Alles in allem, als Dreigestirn gedacht, kommen die Kosten für die Anlage auf rund 22 Millionen Franken zu stehen.

Die SVP hat dem Projekt im GGR grossmehrheitlich zugestimmt. Kritisch äusserte sich die Partei allerdings zum Preisschild. Dieses ist in der Debatte als «gigantisch» bezeichnet worden. Kritisch hinterfragt hat die Partei auch, dass der Ökihof für sich genommen 7,6 Millionen Franken koste, die anderen 13 Millionen Franken würden für die GGZ sowie die Frauenzentrale anfallen. Hierbei macht sich die SVP Gedanken zu kostendeckenden Mieten. Trotz dieser Fragestellungen segnete die SVP das Projekt ab. Auch unter der Prämisse, dass ein anderes Projekt womöglich noch teurer würde.

Der Gemeinderat Stefan W. Huber von den Grünliberalen (GLP) streicht derweil heraus, dass das jetzt vorliegende Projekt wie so oft in der Politik ein guter Kompromiss sei. Huber erwähnt zudem, dass das Projekt ein «ordentliches Wettbewerbs- und Vernehmlassungsverfahren» hinter sich habe. Es hätten alle Instanzen das Projekt mit grosser Mehrheit durchgewinkt. Der GLP-Sprecher im Grossen Gemeinderat findet es im Weiteren eine gute Lösung, dass bei allfälligem Bedarf eine Aufstockung noch möglich wäre.

CVP sieht im Projekt eine Verschwendung von wertvollem Bauland

Auf einer anderen Ebene argumentiert die CSP der Stadt Zug. Einer Mitteilung der Partei ist zu entnehmen, dass die CSP einstimmig die Ja-Parole für das Projekt Ökihof gefasst hat. Die Partei begrüsst, dass die Baute dereinst einen Minergie-P-Eco-Standard aufweise. Ebenso streicht die Partei hervor, dass im Erdgeschoss eine publikumswirksame Nutzung angedacht sei.

Alleine auf weiter Flur steht die CVP. Bei der Schlussabstimmung im Grossen Gemeinderat hat nur gerade ein Vertreter von sechs Anwesenden für das Projekt Ökihof gestimmt. In einer Mitteilung bleibt die CVP der Stadt Zug bei ihrer Oppositionsrolle. Der geplante Ökihof sei «zu teuer, zu verschwenderisch» und nicht nachhaltig genug. Der CVP-Fraktionschef Christoph Iten bemängelt auch die Ausnutzung des Baulands. Dies vor allem unter dem Gesichtspunkt der knappen Landressourcen. Die CVP reisst aber nicht nur ein, sondern umreisst, was sie sich unter einem Ökihof vorstellt: «Unsere Partei erwartet ein hervorragendes Projekt, welches den Preis und die Baufläche rechtfertigt.» Diesen Anspruch sieht sie beim vorliegenden Projekt als nicht erfüllt an.

Jetzt sind die Stimmbürger am Zug. Am 27. September, wohl gegen 14 Uhr, sollte das Resultat vorliegen.