STADT ZUG: Der Wahlkampf um die Stadtratssitze ist lanciert

2018 muss ein neuer Stadtrat und gleichzeitig ein neuer Stadtpräsident gewählt werden. Fast alle Parteien schielen zwar auf die Ämter. Klare Ansagen machen aber erst wenige.

Samantha Taylor
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… und auch der Zuger Stadtpräsident Dolfi Müller ist optimistisch gestimmt. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

… und auch der Zuger Stadtpräsident Dolfi Müller ist optimistisch gestimmt. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Urs Raschle will, Vroni Straub auch, André Wicki ebenso und genauso Karl Kobelt: Die vier bisherigen Stadträte stellen sich im Oktober 2018 erneut zur Wahl. Nicht mehr zur Verfügung steht Stadtpräsident Dolfi Müller (SP). Sein Entschluss steht seit einer Weile fest. Mit diesem Entscheid wird also ein Sitz in der städtischen Exekutive und das Amt des Stadtpräsidenten frei. Beides ist heiss begehrt.

Ihren Entschluss bereits getroffen hat in dieser Frage die FDP. Der Vorstand lancierte vergangene Woche den Wahlkampf und gab bekannt, dass sich der bisherige FDP-Stadtrat und Finanzchef Karl Kobelt für das Stadtpräsidium zur Verfügung stellt. Der Einsatz für die Öffentlichkeit sei für ihn eine Herzensangelegenheit, so Kobelt. «Nach sechs Jahren Leitung des Finanzdepartements bin ich bereit für das Stadtpräsidium.» Als Kandidaten für einen zweiten Sitz im Stadtrat stellen sich die Gemeinderäte Stefan Moos und Eliane Birchmeier zur Verfügung (Ausgabe vom 30. August). Wer ins Rennen um den frei werdenden Sitz steigt, wird die Parteibasis an der Nominationsversammlung vom 28. September entscheiden. Stefan Moos dürfte dabei gute Chancen haben. Er kandidierte bereits 2014 und verfehlte damals den Einzug in den Stadtrat nur um 45 Stimmen. Statt seiner wurde Urs Raschle gewählt.

Ambitionen auf das Stadtpräsidium hat auch die CSP-Stadträtin Vroni Straub-Müller. Zwar fühlt sich die Bildungschefin ihrem Departement sehr verbunden. «Ich bin aber politisch so gut getragen und breit abgestützt, dass ich es als Stadtpräsidentin sehr gerne probieren möchte.» Als «Brückenbauerin», wie sich Straub selbst bezeichnet, rechnet sie sich gute Chancen aus. Laut Straub ist es eine Premiere, dass in Zug eine Frau für das Stadtpräsidium kandidiert.

CVP und SVP lassen sich noch alles offen

Noch nicht entschieden haben sich die Stadträte André Wicki (SVP) und Urs Raschle (CVP) bezüglich des Stadtpräsidentenamtes. Man habe bewusst den Entscheid der FDP in dieser Frage abgewartet, sagt SVP-Wahlkampfleiter Gregor R. Bruhin. «Wir haben eine spannende Ausgangslage, und wir werden innerhalb des Vorstandes alle Möglichkeiten abwägen und zu gegebener Zeit informieren», ergänzt André Wicki. Ob der Bauchef aber noch mal auf das Amt des Präsidenten schielt, ist jedoch fraglich. Bereits 2014 hat er Dolfi Müller herausgefordert und sich als Stadtpräsident zur Wahl gestellt. Der SVP-Mann erhielt jedoch über 1000 Stimmen weniger als Müller. Als Stadtrat landete Wicki zudem auf dem vierten Platz. Die SVP wird Anfang November nominieren. Dann soll auch entschieden werden, ob sie noch einen zweiten Kandidaten zur Wahl aufstellen wird.

Urs Raschle hält sich zur Frage nach den Präsidiumsambitionen bedeckt. Bei den letzten Wahlen hatte die CVP zwar schon angemeldet, dass man 2018 daran interessiert sei. Unter anderem aus diesem Grund hatte sie sich in Sachen Unterstützung von André Wicki auch zurückgehalten – um sich selbst für 2018 keine Steine in den Weg zu legen. Ob die Partei ihren Plan tatsächlich durchziehen will, ist laut Parteipräsident Benny Elsener noch offen. Dies wohl nicht zuletzt, weil sich Karl Kobelt für eine Kandidatur entschieden hat, der für die CVP kein leichter Gegner sein dürfte. Kobelt überflügelte bei den letzten Wahlen mit seinem Ergebnis alle anderen. Urs Raschle selbst sagt dazu: «Ich würde mir das Amt des Stadtpräsidenten sicher zutrauen, und es würde mich auch sehr reizen. Diskutiert werden muss, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Kandidatur ist.» Ihre Entscheidung bezüglich Stadtpräsidium, aber auch bezüglich eines allfälligen zweiten Kandidaten neben Raschle will die CVP bis im Frühling treffen.

Bündelung der Kräfte erst bei zweitem Wahlgang

Und wie steht es bei der SP und der Alternative-CSP? «Wir treten an, das ist gesetzt», sagt SP-Präsidentin Karin Hägi. Derzeit führe der Vorstand mit Kandidatinnen und Kandidaten Gespräche. Es sei auch eine Kandidatur ums Stadtpräsidium denkbar. Nominieren wird die SP im Frühling. Es ist anzunehmen, dass sie mit einer Frau antreten wird. In diversen Kreisen wird auch Hägi selbst als Kandidatin gehandelt. «Mit einer Frau hat die SP grosse Chancen. Eine zweite Frau im Stadtrat ist ein Muss», sagt Dolfi Müller.

Die Alternative-die Grünen wollen eng mit der CSP zusammenarbeiten. Die beiden bilden im Stadtparlament eine Fraktion. Die Alternativen unterstützen Vroni Straub, wollen aber auch selber jemanden aufstellen, wie Medienverantwortliche Tabea Zimmermann sagt. Es dürfte auch eine Frau sein, wie aus den Aussagen Zimmermanns gedeutet werden kann. Die Nominierung findet im November statt.

Eine Zusammenarbeit zwischen SP und der Alternative-CSP im Sinne, dass sich die Parteien neben Vroni Straub auf nur eine Kandidatin einigen, scheint derzeit nicht in Frage zu kommen. «Wir führen diesbezüglich noch keine Gespräche», sagt Hägi. Zimmermann findet, dass es keinen Grund gebe, sich nur auf zwei linke Kandidaturen zu beschränken. Man strebe vielmehr eine möglichst grosse Mobilisierung der linken Wählerschaft an. Dolfi Müller ist der Meinung, dass eine Konzentration der Kräfte erst in einem zweiten Wahlgang nötig ist. Müller: «Ich gehe davon aus, dass es zu einem solchen kommt.»