STADT ZUG: Eine alte Dame begeistert die Zuger Kinder

Traditionell, behäbig, aber nach wie vor mit Erfolg: Greth Schell. Gestern zeigten viele Zuger mächtig Einsatz in der Altstadt.

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Wenn Greth Schell und ihre Löli durch die Gassen ziehen, kommen die Kinder in Scharen. (Bild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Wenn Greth Schell und ihre Löli durch die Gassen ziehen, kommen die Kinder in Scharen. (Bild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Dutzende von grossen und kleinen Händen strecken sich gegen den Casino-Balkon, und aus ebenso vielen Kehlen ertönt lautstark «Greth-Schellebei». Denn von oben kommt das Gute in Form von Mutschli, Würstli, Orangen und allerlei Süssigkeiten. Längst nicht allen Zuschauern gelingt es, davon etwas zu ergattern, zumal Fangkünste gefragt sind. Das ist nicht weiter schlimm, denn nach dem Auftritt auf dem Balkon kommen die Mitglieder der Zunft auf die Gasse, wo die Bescherung erst richtig losgeht.

Sie zeigen sich grosszügig, die Mitglieder der Schreinerzunft, auch wenn nur einige wenige das Greth-Schell-Kostüm tragen. Auch die Süüblootere, die einige schwingen, hat mehr symbolischen Charakter und kommt nicht wirklich zum Einsatz. Ähnlich wie die Legoren im Ägerital, die bei ihrer Usrüerete von Tambouren angeführt werden, geht den Zünftern die Zunftmusik voran. Zum Teil sind die edel gekleideten Mitglieder nicht auf Anhieb als Fasnächtler zu erkennen, dafür beharren sie nicht darauf, dass der Bettelruf zigmal wiederholt wird, bevor sie etwas abgeben. Erwachsene mit einem Kleinkind im Arm oder an der Hand stehen besonders in der Gunst der Spender.

Neuer Zeremonienmeister
Dass der alte Brauch auch bei den Jungen ankommt, beweisen die achtjährige Larissa Widmer und ihre um drei Jahre jüngere Schwester Valeria. Stolz zeigen die zwei Kostümierten, was sie in ihrer Tasche mittragen, denn sie sind nicht zum Sammeln, sondern zum Verteilen gekommen. Ihre kleine Schwester bezeichnet Larissa als «meine Unterstützung», und auf die Frage, wer den Löli verkörpere, zeigt sie spontan auf ihren Vater, seines Zeichens Mitglied der Zunft.

Für die Zunft der Schreiner, Drechsler und Küfer der Stadt Zug ist der Fasnachtsmontag nicht nur wegen der Bescherung der wichtigste Tag im Kalender, sondern wegen ihrer Generalversammlung, dem Bott. Anschliessend an die offizielle Versammlung gehts durch die Altstadt zum Casino, wo man zusammen mit den Schwesterzünften in geselliger Atmosphäre das «Schriinermöhli» geniesst. An der diesjährigen Hauptversammlung wurde der Vorstand mit Fredy Luthiger als Obmann in seinem Amt bestätigt. Der bisherige Zeremonienmeister Christian Raschle trat nach neunjähriger Mitarbeit im Führungsgremium zurück und wurde durch Rainer Hager ersetzt. Maurus Schönenberger hat als Jungmeister den Eintritt in die edle Gilde geschafft, denn Zünfter wird man nicht einfach so. Dazu müssen die Kandidaten gewisse Voraussetzungen erfüllen – Fasnachtstauglichkeit dürfte allerdings nicht dazu gehören.

Hansruedi Hürlimann