STADT ZUG: Es ist die Ruhe vor dem Sturm

Vier Hochhäuser sind in den letzten vier Jahren gebaut worden. Weitere sind derzeit nicht bewilligungsreif. Das schnelle Ende eines Booms?

Charly Keiser
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Der Parktower, das vorerst höchste Gebäude der Stadt Zug. (Bild Stefan Kaiser)

Der Parktower, das vorerst höchste Gebäude der Stadt Zug. (Bild Stefan Kaiser)

Uptown, Parktower, Hochhaus Schweizer Obstverband, B125. Vier Namen, vier Hochhäuser. 63, 81, 51 beziehungsweise 56 Meter hoch sind die vier Türme, die schon von weit her zu sehen sind, wenn man sich der Stadt Zug nähert. Im Uptown oder Scheibenhaus, wie es während des Baus auch genannt wurde, ist 2011 Leben eingekehrt. Das damals höchste Gebäude des Kantons ist vom Roche-Tower in Rotkreuz überflügelt worden. Denn dieser misst 68 Meter und ist vor allem in der Nacht und aufgrund seiner farbenfrohen Beleuchtung ebenfalls schon von weit weg zu erkennen. Doch aktuell ist der Parktower der höchste Turm des Kantons – dort ziehen momentan die Bewohner gestaffelt ein. Im quasi vollständig vermieteten Haus des Obstverbands wird dies auch bald der Fall sein, während im B125 in der Untermüli bis Ende Jahr wohl ebenfalls fast alle Flächen belegt sein dürften.

Marschhalt bis 2017

Da stellen sich natürlich Fragen: Wie lange ist der Parktower noch das höchste Gebäude? Wann wachsen in der Kantonshauptstadt die nächsten Hochhäuser in den Himmel? Die Antwort ist für Hochhausfans ernüchternd: «Vor 2017 wird wohl mit keinem weitern Hochhausbau begonnen werden», sagt nämlich Stadtplaner Harald Klein. Er zeigt auf das Blatt mit der diesbezüglichen aktuellen Planung, die das Baudepartement im Moment beschäftigt. «Es ist eine Art Marschhalt – oder besser, die Ruhe vor dem Sturm», wiegelt Bauchef André Wicki ab.

Denn gemäss Plan könnte wohl auf dem Areal der V-Zug ab 2017 ein weiteres Hochhaus entstehen. So auch im Hertizentrum, wo in etwa zur gleichen Zeit die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen sind. Und auch der neue Hauptsitz der Zuger Kantonalbank an der Baarerstrasse könnte dannzumal in Angriff genommen werden (wir berichteten).

«Ein Riesenprogramm»

Auf dem Unterfeld könnten ab 2017 ebenfalls mehrere Hochhäuser auf Baarer und Zuger Boden entstehen. Genau so wie die geplanten und zum Teil hohen Bauten in der äusseren Lorzen­allmend, wo ein weiterer Bebauungsplan in Arbeit ist. Rund zwei Jahre später – also ab 2019 – ist dann wohl alles für den Start auf dem Siemens-Areal und auf dem Areal SBB-Ost in trockenen Tüchern. «Ein stattliches, nein, ein Riesenprogramm», sagt Wicki und verneint die Nachfrage, ob in Zug die Zeit der Hochhäuser vorbei sei.

Ein Blick in die Statistik betätigt die Aussagen des Bauchefs. Die Bautätigkeit, gemessen an den Kosten, steigt unaufhörlich. Auch ist der Leerwohnungsbestand sehr tief, und es können einige Bauprojekte in Bälde in Angriff genommen werden, wie Stadtarchitekt Beat Aeberhard ergänzt. Als kleine Bremse könnte der geplante Stadttunnel wirken, wie Aeberhard anfügt. Denn sowohl dort, wo der unterirdische Kreisel (im Tagbau) realisiert werden soll, wie auch bei den Tunnel­ausfahrten könnte schnell gebaut werden, falls der Tunnel vom Volk an der Urne verworfen würde. So wird zum Beispiel gemunkelt, dass die Zug Estates AG grosses Interesse zeigt, das Metalli wie auch den Perimeter um das Parkhotel in die Höhe entwickeln zu wollen. «Das ist gut möglich und auch realistisch», sagt Klein, denn die beiden Areale befänden sich im definierten Hochhausgebiet. Klein ergänzt: «Die landläufige Meinung, Hochhäuser seien die optimale Verdichtung, ist übrigens völlig falsch. Denn Hochhäuser weisen meist keine bessere Ausnützung aus als weniger hohe und kompaktere Bauten und sind zudem teurer.» Vielmehr seien Hochhäuser stadtplanerische Elemente – «Landmarks,» die dank der Höhe auf einem Perimeter deutlich mehr Freiflächen zuliessen.

«Die jeweils errechneten Szenarien sind bislang immer deutlich übertroffen worden», mahnt André Wicki. So hätten sich in Zug sowohl die Einwohnerzahl als auch die Zahl der Arbeitsplätze in den letzten Jahren markant und schneller erhöht, als zuvor selbst optimistisch prognostiziert worden sei. «Es stimmt, im Moment wird nicht gross in die Höhe gebaut», sagt Wicki. Doch das wird sich schon sehr bald wieder ändern. Und klar ist: Das Wachstum ist in Zug in vollem Gang. «Dies ist eine Riesenchance für Zug. Diese gilt es nun städtebaulich intelligent anzupacken. Denn Städte müssen so geplant werden, dass man dann gerne darin wohnt. Ich bin zuversichtlich, dass uns dies gelingt.»