Stadt Zug

Für die Stiftung Eichholz naht der grosse Umzug

Vor wenigen Tagen hat die Stiftung aus Steinhausen das ehemalige Swisshotel im Choller übernommen. Ab Herbst 2021 finden hier Menschen mit psychischer Beeinträchtigung und/oder Abhängigkeitsstörung ein zeitgemässes Umfeld und Zuhause.

Andreas Faessler
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Peter Witschi von der Stiftung Eichholz befindet sich im fast leer geräumten ehemaligen Hotel.

Peter Witschi von der Stiftung Eichholz befindet sich im fast leer geräumten ehemaligen Hotel.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 13. Januar 2021)

Vor wenigen Jahrzehnten noch hat man Menschen, die wegen diverser Auffälligkeiten Probleme hatten, sich in die Gesellschaft einzufügen, entweder ins Bürgerheim, ins Armenhaus oder sonst wohin abgeschoben. Ab den 1960er-Jahren fand ein Umdenken statt, und es entstanden allmählich soziale Einrichtungen, welche auf die Bedürfnisse Betroffener abgestimmt waren. In Steinhausen war dies etwa das sogenannte Männerheim, welches 1971 im Quartier Eichholz eröffnet worden ist. Aus diesem ist schliesslich die heutige Stiftung Eichholz hervorgegangen, die als sozialpsychiatrische Institution Männern und Frauen mit psychischen Beeinträchtigungen ein Wohn- und Beschäftigungsumfeld bietet.

Blick in ein Zimmer.

Blick in ein Zimmer.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 13. Januar 2021)

Dabei hat die Stiftung ihr Konzept laufend den wissenschaftlichen wie auch den gesellschaftlichen Entwicklungen angepasst, um den Betroffenen ein zeitgemässes Betreuungsangebot zu ermöglichen. Und jetzt – just in ihrem 50. Jubiläumsjahr – steht der Stiftung die wohl grösste Veränderung ihrer Geschichte ins Haus: Am 5. Januar hat sie offiziell das Gebäude Chollerstrasse 1, das vormalige Swisshotel, übernommen. Es wird ab kommendem Herbst ihr neuer Standort. Das Gebäude wird nun baulich auf die Anforderungen der Stiftung und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner abgestimmt.

Die Stiftung Eichholz behält vom ehemaligen Hotel, was sie brauchen kann.

Die Stiftung Eichholz behält vom ehemaligen Hotel, was sie brauchen kann.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 13. Januar 2021)
Blick in einen Gang.

Blick in einen Gang.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 13. Januar 2021)

Fünf zusätzliche Plätze

Zum Jahresanfang ist die Geschäftsleitung neu aufgestellt worden. Die bisherige Institutionsleiterin Franziska Wirz und Peter Witschi, Bereichsleiter Finanzen & Verwaltung, bilden neu die Co-Institutionsleitung der Stiftung. Franziska Wirz: «Die Institution wächst und somit auch der Arbeitsaufwand. Mit dieser Neuaufstellung sind wir personell bestens gerüstet für die Zukunft und die Anforderungen am neuen Ort.» Der Umzug in den Choller sei eine logistische Herausforderung, was die Fläche angeht. «Sie ist fast doppelt so gross wie diejenige in Steinhausen, bietet somit aber alle Möglichkeiten, unser Angebot den aktuell 42 Dienstleistungsnutzerinnen und -nutzern anzupassen.» So bezeichnet man nach neusten Bestimmungen des Kantons die Menschen, welche von einer Stiftung wie dieser betreut werden. Im Choller erhalten sie grosse Zimmer mit eigenen Nasszellen. Hierfür kann die bestehende Aufteilung der ehemaligen Hotelzimmer weitgehend übernommen werden. Der Wohnbereich wird am Ende 30 Einzelzimmer umfassen, 3 Einheiten für je eine Wohngruppe und 2 Wohnstudios. Der neue Standort bietet 5 Plätze mehr als der bisherige. Die heutige Aussenwohngruppe in Steinhausen mit 3 Wohnplätzen bleibt bestehen.

Am 5. Januar erfolgte die Übergabe des ehemaligen Swisshotels im Choller an die Stiftung Eichholz (von links): Stefan Bayer, Stiftungsratsmitglied, Theres Arnet-Vanoni, Stiftungsratspräsidentin, Franziska Wirz, Co-Insitutionsleiterin, und Peter Witschi, Co-Institutionsleiter.

Am 5. Januar erfolgte die Übergabe des ehemaligen Swisshotels im Choller an die Stiftung Eichholz (von links): Stefan Bayer, Stiftungsratsmitglied, Theres Arnet-Vanoni, Stiftungsratspräsidentin, Franziska Wirz, Co-Insitutionsleiterin, und Peter Witschi, Co-Institutionsleiter.

Bild: PD

«Das Erdgeschoss des einstigen Hotelbaus erfährt die grössten Adaptionen», führt Co-Institutionsleiter Peter Witschi aus. «Wo einst ein grosser Teil aus Ausstellungsräumen bestanden hat, werden Gemeinschafts- und Beschäftigungsräume sowie die Küche eingerichtet.» Insbesondere das interne Beschäftigungsangebot werde ausgebaut und vergrössert, knüpft Franziska Wirz in diesem Kontext an. Dafür sei die räumliche Kapazität in Steinhausen zu klein gewesen. Stiftungsratspräsidentin Theres Arnet-Vanoni blickt auch schon etwas weiter in die Zukunft: «Uns schwebt vor, dass unsere Stiftung dereinst auch geschützte Arbeitsplätze anbieten kann.»

Vorfreude auf den neuen Standort

Der Umbau im Choller und die Relokation vom 4. bis 8. Oktober 2021 sind bestens durchorganisiert. «Für manche unserer Dienstleistungsnutzenden dürfte der Umzug jedoch eine emotionale Herausforderung sein», sagt Franziska Wirz. «Einige von ihnen leben seit 30 Jahren bei uns im Eichholzquartier. Sie haben ein grosses Sicherheitsbedürfnis. Die Veränderung könnte ihnen vorübergehend Stress bereiten.» Dennoch herrscht unter den Menschen in der Stiftung allgemein Vorfreude auf das neue Haus. Ganz besonders freuten sich auch die rund 40 Angestellten der Stiftung, fügt Theres Arnet-Vanoni an. «Für ihre anspruchsvolle Arbeit haben sie im Choller viel mehr Luft und Platz.»

Mulden sind derzeit ein gewohntes Bild.

Mulden sind derzeit ein gewohntes Bild.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 13. Januar 2021)

Den Aufwand von rund 4,5 Millionen Franken, welchen Umbau und Umzug mit sich bringen, stemmt die Stiftung zum einen mit einer Beteiligung durch den Kanton, zum anderen bringt sie selber einen Teil auf, ist aber zusätzlich auf Spenden angewiesen. «Eine grosse Entlastung bedeutet für uns das Wohlwollen der Hauseigentümerin, der Paul Amrein AG. Sie übernimmt wesentliche Bauarbeiten am Äusseren des Gebäudes», sagt Peter Witschi.

Dass dieser Meilenstein in der Geschichte der Stiftung just auf das 50. Jubiläumsjahr fällt, war nicht geplant. Somit aber gibt es gleich zweifachen Grund zur grossen Feier, wenn im kommenden Herbst die neuen Wohn- und Beschäftigungsräume im Choller bezogen werden und alle ein Umfeld erhalten, das zeitgemäss ist und dem heutigen Standard entspricht.