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STADT ZUG: «In ihrer Haut möchte ich derzeit nicht stecken»

Unbekannte türken den Abgang der Kultur­beauftragten – was für Aufruhr in der Kunstszene sorgt. Doch konkret äussern sich wenige.
Wolfgang Holz
Der Künstler der «Nase» ist bekannt. Der Autor der Einladungskarte, die fälschlicherweise den Abgang der städtischen Kulturbeauftragten inszenierte, dagegen nicht. (Archivbild Stefan Kaiser)

Der Künstler der «Nase» ist bekannt. Der Autor der Einladungskarte, die fälschlicherweise den Abgang der städtischen Kulturbeauftragten inszenierte, dagegen nicht. (Archivbild Stefan Kaiser)

Wolfgang Holz

Keine Frage. Jene «gefakte» Einladungskarte, die vorgibt, dass die städtische Kulturbeauftragte Jacqueline Falk Abschied nimmt, sorgt für Diskussionen unter Zuger Kulturschaffenden. (Wir berichteten aktuell.) Wie mehrere Künstler auf Anfrage bestätigen, habe diese anonyme Aktion viele Reaktionen ausgelöst. Sogar von Luftsprüngen und Champagnerkorkenknallen ist die Rede.

Von der Hand, die die Kunst füttert

Wenn es aber darum geht, dass Kulturschaffende mit Namen zu dieser sehr fragwürdigen, geschmacklosen, ja bösen Aktion Stellung zu nehmen, dünnt sich die Garde der Redseligen aus. «Ich bin eigentlich eine sehr mutige Person, aber hier möchte ich für einmal nicht mutig sein», sagt ein renommierter Zuger Nachwuchskünstler, der sonst immer sehr hip sein will.

Für den selbstständigen Kulturschaffenden und Journalisten Beat Holdener ist klar: «Von Seiten der Kulturschaffenden wird die kritische Diskussion nicht öffentlich geführt, weil sie die Hand nicht beissen wollen, die sie füttert oder füttern könnte.» Der Kultur-Tausendsassa, der während der Zwischennutzung des ehemaligen Elektrogeschäfts Nussbaumer die Räumlichkeiten zwei Monate lang mit täglichem Programm bespielte, outet sich auch offen als Kritiker der städtischen Kulturbeauftragten. «Ich halte es für dringend notwendig, dass die Diskussion über die Qualität der Arbeit der Kulturbeauftragten der Stadt endlich geführt wird – nicht bezüglich ihrer kuratorischen Tätigkeit bei Ausstellungen, sondern betreffend der Umsetzung der städtischen Kulturpolitik, der Ausgestaltung der Förderung und der Behandlung der Gesuche.» Seiner Meinung nach müssten eigentlich der Stadtpräsident und die Kulturkommission die Kulturabteilung kritisch begleiten – eine Aufgabe, die von diesen bisher aber nicht wirklich wahrgenommen worden sei. Man würde einfach alles absegnen. Holdener: «Viel mehr Kulturschaffende, als dies öffentlich zugeben, kritisieren die Tätigkeit von Frau Falk massiv und würden einen Wechsel sehr begrüssen.» Sagts und stellt klar: «Ich bin nicht Urheber der ‹gefakten› Einladung und distanziere mich von solchen anonymen Aktionen.»

Die Stadt Zug ist indes sehr interessiert daran zu erfahren, wer hinter der Aktion gegen die städtische Kulturbeauftragte steckt. «Positiv betrachtet ist es ein origineller Beitrag des Urhebers, die Stadtzuger Kulturpolitik auf die Agenda zu bringen», räumt Stadtpräsident Dolfi Müller ein. «Wir würden den Urheber gerne ausfindig machen, damit wir mit ihm ‹face to face› über seine kulturpolitischen Anliegen sprechen könnten.»

«Jacqueline Falk bewegt etwas»

Wobei er loyal zu seiner offensichtlich angefeindeten Kulturbeauftragten steht. «Jacqueline Falk ist eine offene Person voller Tatendrang, die etwas bewegt.» Aber wie lautet denn eigentlich deren Pflichtenheft? Was heisst bewegen? Müller sagt dazu für seine Verhältnisse erstaunlich trocken: «Im Wesentlichen handelt es sich um die Entwicklung von kulturpolitischen Konzepten und Umsetzungsmassnahmen, Kulturvermittlung und Beitragswesen.» Konkret würdigt er dabei Falks «niederschwelligen kulturellen Zwischennutzungen» im Haus Zentrum, der Ankenwaage und nun am Kolinplatz 21. Diese seien Plattformen zur Präsentation von Kunstwerken und zur Vernetzung unter den Kulturschaffenden. Was die Praxis der Kulturförderung angeht, untermauert er: «Die Kulturbeiträge in der Stadt Zug werden aufgrund eines Kriterienkatalogs von der Kulturkommission vergeben. Wer die Kriterien erfüllt, hat Anrecht auf Kulturförderung – auch im Bereich der Soziokultur.»

Ein wichtiger Player der Zuger Kultur, Adrian Hürlimann von der Literarischen Gesellschaft, zollt der Stadt in Sachen Kulturpolitik indes kein grosses Lob. «Zug hat keine besondere Kulturpolitik, ist dafür zu klein und auch kein Zentrum.» Was den Palmarès der anonym gemobbten Kulturbeauftragten betrifft, «habe ich nicht gehört, dass die Stadt Zug Grund hätte, unzufrieden zu sein». Er selbst findet die Aktion «eher witzig».

Mélanie Girardet, die seit Jahren die «Kulturpause» für junge Künstler in der Altstadthalle organisiert, hat nie «negative Erfahrungen» mit Jacqueline Falk gemacht. «Sie hat sich immer sehr interessiert gezeigt. In ihrer Haut möchte ich derzeit nicht stecken.»

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