Stadt  Zug
Patti Basler hat eine Gastpredigt gehalten und festgestellt: «Das Göttliche ist deine Mutter»

Zum 50-Jahr-Jubiläum des Frauenstimmrechts auf Bundesebene und im Kanton Zug ist die Slam-Poetin Patti Basler in der City-Kirche in Zug aufgetreten. Sie regte mit ihren Wortspielen zum Nachdenken an.

Sabina South
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Nonchalant steht sie hinter einer Glasscheibe am Redepult und hält ihren Spickzettel in der Hand. «Erhebt eure Herzen, erhebt eure Stimme», ruft sie die Kirchenbesucher in Mundart auf. «Erhebt die Stimme für die Sprachlosen, das wär doch ein Traum.»

Patti Basler in der Zuger City-Kirche.

Patti Basler in der Zuger City-Kirche.

Bild: Friedemann Leblois (Zug, 7. Februar 2021)

Patti Basler predigte am Sonntagmorgen in der ökumenischen City-Kirche Zug auf den Tag genau 50 Jahre nach der Einführung des Schweizer Frauenstimmrechts auf Bundesebene und im Kanton Zug. In unvergleichlichem Tempo schleuderte Basler anekdotenhafte Reime zum Thema Gleichberechtigung in den Kirchenraum und regte die Anwesenden zum Nachdenken an. «Seit 1971, seit 50 Jahren, hat Helvetia eine Stimme», deklariert sie. Es habe lange gedauert, von der geschundenen Frau am Herd im Haus bis zur Frau Amhärd im Bundeshaus.

«Es braucht eben Herzblutvergiessen und Eier und ab und zu mal eine Josi Meier.»

Die Luzernerin Josephine «Josi» Meier war 1971 eine der ersten Frauen im Nationalrat. Zwölf Jahre später wurde sie in den Ständerat gewählt und war 1991/92 dessen erste Präsidentin.

Es wurde gelacht und manchmal geschwiegen

Patti Basler thematisierte in ihrer Predigt nicht nur das Frauenstimmrecht, sondern legte den Fokus wiederholt auch auf die allgemeine Gerechtigkeit und auf die göttliche Güte. Damit sendete sie eine Vielzahl an kraftvollen Botschaften aus, die von den Kirchenbesuchern in Zug mal mit betroffenem Schweigen, mal mit lautem Lachen quittiert wurden.

«Wär ich nicht als katholisches Meitli geboren worden, wäre ich Pfarrer oder Pfarrerin geworden», sagte sie und versetzte der Kirche mit dem anschliessenden Satz gleich einen Seitenhieb:

«Jetzt mache ich quasi das Gleiche – im Gegensatz zu Pfarrleuten einfach mit mehr Publikum.»

Wegen der Covid-19-Verordnung waren nur 50 Personen zum Gottesdienst am Sonntag zugelassen. Neben Baslers Gastpredigt gab es in der City-Kirche auch eine Menge Traditionelles, zum Beispiel Orgelmusik. Wer den Livestream des Gottesdiensts auf dem Bildschirm verfolgte, sah währenddessen die Pedalen-Akrobatik des Orgelspielers, allerdings war die Tonqualität im Gegensatz zum Kirchenbesuch vermindert. Laut der Streamingplattform schalteten sich bis zu 60 Personen in die Veranstaltung ein.

Der Gottesdienst mit dem Auftritt von Patti Basler wurde per Livestream übertragen.

Der Gottesdienst mit dem Auftritt von Patti Basler wurde per Livestream übertragen.

Bild: Friedemann Leblois (Zug, 7. Februar 2021)

Der Organisator und Pfarreiseelsorger Roman Ambühl verriet nach der Veranstaltung:

«Mit dem Engagement von Patti Basler konnten wir uns einen kleinen Traum erfüllen.»

Normalerweise texte, dichte und slamme die 44-jährige Prix-Walo-Gewinnerin ihre «gereimten Ungereimtheiten» für die Schweizer Bühnen. «Wir freuten uns sehr, dass Patti Basler zusagte.» Gastprediger aus der Schweizer Kulturszene sind indes keine Seltenheit.

Das Schlusswort richtete die normalerweise auf Schweizerdeutsch vortragende Patti Basler in der City-Kirche teilweise auf Englisch an die Zuhörer: «What do you do when the voice breaks down? Think about it. Gib der Stimme gedankliches Futter und vergiss nicht: Das Göttliche ist deine Mutter.» Amen.

In einer früheren Version war von der reformierten City-Kirche die Rede, sie ist jedoch ökumenisch organisiert.