In der Stadt Zug herrscht Platzmangel bei der schulergänzenden Betreuung

Aus den Antworten auf zwei Vorstösse geht hervor, dass nicht alle Kinder Platz in der schulergänzenden Betreuung erhalten.

Vanessa Varisco
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Die Mittagstische sind beliebte Betreuungsangebote.

Die Mittagstische sind beliebte Betreuungsangebote.

Bild: Maria Schmid (7. September 2017)

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird immer mehr zum Thema. Auch in der Stadt Zug – nicht zuletzt im Zusammenhang mit schulergänzender Betreuung, die in der Stadt sehr gefragt ist. Laut dem Bericht des Stadtrats, der in Bezug auf das Postulat «Genügend Betreuungsplätze und Verbesserung der Planbarkeit» der FDP-Fraktion erstellt wurde, haben sich die Plätze für schulergänzende Betreuung in den letzten elf Jahren mehr als verdoppelt: 2008 gab es deren 315, 2019 waren es 791. Grund für die Schaffung neuer Plätze war eine steigende Nachfrage. Der Stadtrat schreibt: «Um akuten Engpässen zu begegnen, wurden in den letzten Jahren an verschiedenen Standorten provisorische Mittagstischplätze geschaffen.» Neben dem Ausbau an verschiedenen Standorten der Stadt Zug, der schon vollzogen wurde, prüfe man laufend weitere Provisorien.

Weiter wird das ehemalige Kleinschulhaus Riedmatt für die Nutzung durch eine erweiterte Gruppe (zusätzlich 63 Mittagstischplätze / 36 Nachmittagsbetreuungsplätze) umgebaut und im Schulkreis Herti wird ein temporärer Betreuungspavillon (zusätzlich 45 Mittagstischplätze / 36 Nachmittagsbetreuungsplätze) erstellt. Für die Schaffung oder die Anmietung von zusätzlichen Räumen im Schulkreis Guthirt laufen Abklärungen. Auch die Weiterentwicklung der modularen Tagesschule soll entlasten. Diese wird gemäss Stadtrat bis 2022 erfolgen.

Stundenpläne früher verschicken

Doch der Rat ist sich bewusst: In einigen Quartieren herrscht eine deutlich höhere Nachfrage, als die Stadt Plätze bieten kann. Die Antworten auf eine andere Interpellation, ebenfalls aus der FDP-Fraktion, liefern Zahlen: In der ganzen Gemeinde stehen 274 Kinder auf der Warteliste. Erklärend zur Warteliste heisst es in der Interpellationsantwort, es sei darauf geachtet worden, dass möglichst viele Kinder die Freizeitbetreuung besuchen können. «Diese Praxis hatte jedoch zur Folge, dass nicht allen Kindern die gewünschten Module zugeteilt werden konnten, was sich wiederum auf die Länge der Warteliste auswirkte.»

Nicht allen Eltern kann deshalb ein Platz zugesichert werden. Was auch daran liegt, dass jene, die den dringendsten Bedarf aufweisen, Vorrang haben. Start der Betreuung ist mit dem Schulanfang im August, Ende Juni werden Eltern benachrichtigt, ob ihr Kind einen Platz hat. Die FDP-Fraktion wollte denn auch wissen, wie Eltern frühzeitig informiert werden können. Darauf antwortet der Stadtrat: «Eine frühere Platzvergabe auf der Grundlage von Rahmenstundenplänen, ohne definitive Angaben zum Musik-, Sport- und Religionsunterricht und zum zusätzlichen Förderunterricht für einzelne Schülerinnen und Schüler, wurde diskutiert, aber wieder verworfen.» Dies deshalb, weil die Erfahrung gezeigt habe, dass die Eltern ihre Pläne stark nach den Stundenplänen richten – und jene werden Mitte Juni verschickt.

Dass Eltern ihre Arbeitstage von Stundenplänen und Betreuungsplätzen abhängig machen, ist den Behörden bewusst. Deshalb will man mit einer möglichst frühen Abgabe der Stundenpläne diesem Bedürfnis entgegenkommen. Konkret umgesetzt wird das in diesem Fall, indem sowohl Stundenpläne als auch die Information darüber, ob das Kind einen Platz in der ergänzenden Betreuung auf sicher hat, zwei Wochen früher zugestellt werden.