Stadt Zug
Spielereien mit Seilbahnvisionen in der Stadt Zug

Das Stadtparlament tagt am Dienstag, 23. März. Die ganz grossen Geschäfte fehlen auf der Traktandenliste. Aber Debatten-Potenzial haben einige Vorlagen schon.

Marco Morosoli
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«Die Gedanken sind frei.» So beginnt ein deutsches Volkslied aus dem 19. Jahrhundert. An der Schwelle zwischen dem 19. und dem 20. Jahrhundert gab es in der Schweiz und überall auf der Welt viele Ideen, wo noch eine Bahn installierbar wäre. So sollte ein Tunnel Davos mit Arosa verbinden. Die Kostenschätzung für dieses Projekt lag 1908 bei 3,25 Millionen Franken. Der Autor Heinz Schild hat alle diese Bahngedanken in seinem Buch «Visionäre Bahnprojekte» zusammengetragen. Ob die Zuger Ideen zum Bau einer Luftseilbahn im Zentrum, die jetzt in einer umfangreichen Auslegeordnung vorliegt, dereinst in einem Aufwisch des 21. Jahrhunderts Aufnahme finden, darf hier offenbleiben.

Der Zuger Stadtrat hat in jedem Fall den Auftrag für eine umfangreiche Prüfung einer Seilbahnanlage im Stadtzentrum sehr ernstgenommen. Auslöser dafür war ein Postulat, welches Patrick Steinle (Alternative-die Grünen) am 19. Juli 2019 einreichte. Seine Idee war allerdings eine Verlängerung der Zugerberg-Bahn nach Oberwil bei Zug. Eine Variante, welche der Stadtrat schon im vergangenen Jahr verworfen hatte. «Schienengebundene» Verkehrsmittel sind denn auch nicht in die umfangreiche Studie eingebettet. Ebenfalls aussen vor gelassen hat die Auslegeordnung Verbindungen, welche über die Stadtgrenze hinausgehen. Bei solchen Projekten müsste der Kanton im Rahmen einer übergeordneten Strategie die Planung aufnehmen.

Einen weiteren Hemmschuh verortet der Zuger Stadtrat in seiner Mini-Seilbahnstudie bei den sogenannten Überfahrrechten. Dazu schreibt er: «Bei bebauten Grundstücken sind Überfahrrechte in der Regel schwer zu erhalten, da sich die meisten Grundeigentümer gegen eine entsprechende Beeinträchtigung ihres Grundstücks wehren.» Zudem muss zum Beispiel ein Dach, über welches eine Seilbahn schwebt, feuerfest sein. Die Kosten für diese Sicherungsmassnahme gehen zu Lasten des Seilbahnbetreibers. Der Stadtrat zitiert dann nicht namentlich genannte Experten, welche schätzen, dass beim Bau einer Luftseilbahn auf Stadtgebiet der Rechteerwerb einen grossen Anteil an den gesamten Projektkosten ausmachen dürfte. Das Papier aus dem Stadthaus geht davon aus, dass eine Zuger Seilbahn zwischen zehn und zwanzig Millionen Franken kosten würde. Die Betriebskosten schätzen die Autoren der Studie auf zwei bis 2,5 Millionen Franken. In die Überlegungen fliessen auch die erwartete Nachfrage für eine solche Seilbahnverbindung ein. Bus am Boden, Seilbahn in der Höhe dürfte eher wenig Sinn ergeben.

Der Seilbahnbau ist ein komplexes Verfahren, das einen langen Atem braucht

Die Verfasser aus dem Baudepartement vergessen auch nicht zu erwähnen, dass, wer im Siedlungsgebiet eine Seilbahn bauen wolle, einen langen Atem brauche. Sie erwähnen die Zürcher Seilbahn vom Bahnhof Stettbach zum Zoo. Diese hänge wegen Rechtsstreitigkeiten seit rund zehn Jahren sprichwörtlich in der Luft. Im Stadtratspapier findet sich dann auch noch eine detaillierte Auflistung der verschiedenen Seilbahnsysteme (Pendelbahn, Gondelbahn). Das Fazit des Stadtrats: «Die Überlegungen zeigen, dass kein unmittelbarer Bedarf für eine Netzergänzung durch eine Luftseilbahn besteht.» Dies auch, weil vordergründig nicht ersichtlich sei, weshalb ein neues Luftseilbahnsystem dem bestehenden ÖV-System vorzuziehen wäre.

Wo hingegen eine städtische Seilbahn Sinn mache, so die Studienautoren, seien schnell wachsende Metropolen in Schwellenländern. Dort fehle oftmals ein öffentliches Verkehrssystem. Deshalb seien Stadtseilbahnen in Europa selten. Zudem hat sich gerade in Zug gezeigt, dass neue Verkehrsmittel einen schweren Stand haben. Es sei hier nur an das Projekt des führerlosen Elektrobusses erinnert, der sich nicht durchsetzen konnte. Bald sollen jedoch mehrere Elektrobusse auf dem Netz der Zugerland-Verkehrsbetriebe fahren. Ziel des Transportunternehmens ist es, eine ganze Linie mit solchen Bussen auszustatten.

Die Sitzung des Grossen Gemeinderats am kommenden Dienstag findet im Theater Casino in Zug statt. Sie beginnt um 17 Uhr und ist öffentlich. Allerdings müssen Besucher den aktualisierten Coronavirus-Anordnungen Folge leisten.