STADT ZUG: Taxifahrer bangen um ihre Existenz

Ab Januar gilt ein neues Regime in der Taxiszene. Die Fahrer befürchten einen massiven Anstieg der Konkurrenz. Die Behörden geben sich ihrerseits gelassen.

Zoe Gwerder
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Wartende Taxis am Bahnhof Zug. Bild: Alexandra Wey

Wartende Taxis am Bahnhof Zug. Bild: Alexandra Wey

Den Taxifahrern am Bahnhof Zug graut vor dem Jahreswechsel. Denn das neue Taxireglement tritt in Kraft. Nun fürchten sie um ihren Job, weil sich ab Januar auch Taxiunternehmen aus anderen Kantonen für einen Standplatz anmelden können. Für 780 Franken im Jahr und eine Wissensprüfung kann dieser bei der Stadt erworben werden.

Der beliebteste Ort der Standplätze ist der Bahnhof Zug. Dort gibt es derzeit 15 solche. Und schon heute herrscht dort ein harter Konkurrenzkampf zwischen den Taxifahrern. Im Hinblick auf das neue Reglement kursiert unter den Taxichauffeuren offenbar das Gerücht, dass sich 140 Taxis für eine Standplatzbewilligung angemeldet hätten, wie eine kleine Umfrage bei den wartenden Taxifahrern am Bahnhof zeigt. Diese befürchten, dass sie deshalb deutlich weniger Fahrten pro Tag machen können als bisher. Derzeit seien es zwischen zwei und fünf Fahrten, die er vom Bahnhof aus machen könne, sagt einer der Fahrer. Dies könnte nun auf eine Fahrt pro Tag schrumpfen, befürchtet ein anderer. Taxifahrer Khalid Boussalhan arbeitet seit zehn Jahren als selbstständiger Taxifahrer in Zug. Er rechnet damit, dass er durch die Auswirkungen des neuen Reglements seine Familie nicht mehr ernähren kann. Deshalb sucht er sich jetzt eine neue Arbeit: «Ich habe meine Frau und zwei Kinder zu Hause. Ich weiss noch nicht, wie ich das machen werde, wenn ich keinen anderen Job finde.»

Dass bei den Taxibetreibern die Verunsicherung gross ist, bestätigt auch der zuständige Stadtrat Urs Raschle. Dies habe sich bei der städtischen Informationsveranstaltung für die Taxiunternehmen im Herbst gezeigt. «Es war sehr emotional», sagt Raschle rückblickend. Insbesondere jene Unternehmen, die bisher mit einer A-Lizenz eine bevorzugte Stellung gehabt hätten, hätten nun Respekt vor den Auswirkungen des neuen Reglements.

Was aber nicht stimme, sei das Gerücht, wonach bereits 140 Taxis eine Standplatzbewilligung haben sollen. «Es waren Anfang Woche 58 Bewilligungen für Standplätze, die an 46 Unternehmen vergeben wurden», sagt Raschle. Im laufenden Jahr 2016 seien es 86 Standplatztaxis von 42 Unternehmen gewesen.

Die Zahlen alleine trügen jedoch. Denn bisher durften nur jene Fahrzeuge auf einem Standplatz parkieren, die eine A-Lizenz hatten. Neu werden die Standplatzbewilligungen agiler gehandhabt. So bekommt bei Unternehmen mit einer Bewilligung jedes Fahrzeug eine Karte. Auf dieser steht, wie viele Standplätze das jeweilige Unternehmen besetzen darf. Hat beispielsweise ein Unternehmen zehn ­Taxis und eine einzige Standplatzbewilligung, kann jeweils nur ein Taxi dieses Unternehmens auf einem Standplatz stehen. Sobald es abfährt, darf ein neues Taxi dieses Unternehmens einen Standplatz einnehmen. So wäre es theoretisch also möglich, dass deutlich mehr Taxifahrzeuge um einen Standplatz buhlen, sagt Raschle. «Dass es aber 140 sind, glaube ich nicht.»

Bisher nur regionale Unternehmen

Auch dass nun Taxifahrer aus anderen Kantonen oder gar dem Ausland eine Standplatzbewilligung einholen, ist zumindest im Moment kein Thema. «Alle Taxi-Unternehmen, die eine Standplatzbewilligung erworben haben, stammen aus dem Kanton Zug», sagt Stadtrat Raschle. Doch auch hier räumt er ein, dass Bewilligungen auch für ausserkantonale Unternehmen theoretisch möglich wären.

Zoe Gwerder
zoe.gwerder@zugerzeitung.ch