Stadt Zug
Neues Verkehrsregime soll Beruhigungen erwirken

Die Stadt Zug will im Bahnhof-Quartier Schleichwege für den motorisierten Individualverkehr kappen. Dafür reichen acht ergänzende Verkehrsschilder.

Marco Morosoli
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Unterführung Gotthardstrasse-Grafenaustrasse in Zug. Hier soll bald kein Umweg in die Innenstadt mehr entlangführen.

Unterführung Gotthardstrasse-Grafenaustrasse in Zug. Hier soll bald kein Umweg in die Innenstadt mehr entlangführen.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 23. April 2021)

In den Verkehrsspitzen am Morgen wie am Abend sowie samstags am späteren Nachmittag geht auf der Gotthardstrasse in Zug schnell nichts mehr. Aus dem Westen – von der Chamerstrasse her – versuchen viele Autolenker, über die Gotthardstrasse in die Zuger Innenstadt zu kommen. Findige Fahrer haben den Dreh heraus und nehmen den Umweg über die Aabach- respektive die Grafenaustrasse, um nach der Unterquerung der Brücke sich wieder in die Gotthardstrasse hineinzuzwängen. Wie viel Zeit der Verkehrsoptimierer durch dieses Manöver spart, ist unklar.

Bald wird diese Zahl aber ohnehin unnötiger Ballast, denn die Stadt Zug will diese Umwegfahrten unterbinden. Die Stadt als Strasseneigentümerin lässt bei der Einführung des neuen Verkehrsregimes auf der Grafenaustrasse auf der Höhe des Bahndamms ein Einbahnschild aufstellen. Bereits vierzig Meter vor dieser verbotenen Fahrrichtung weist ein Schild darauf hin, dass dem Verkehrsteilnehmer auf vier Rädern der Stillstand droht. Diesen Teilbereich der geplanten Verkehrsführung haben die Verwaltungs- oder Verkehrsjuristen so formuliert: «An der Grafenaustrasse, Höhe Bahndamm/SBB-Überführung, Fahrtrichtung Gotthardstrasse; Vorschriftssignal ‹Einfahrt verboten› mit dem Zusatz ausgenommen Bus, Taxi und den ergänzenden Angaben ‹Motorfahrrad› und ‹Fahrrad›.» Diese vorerwähnte Textpassage ist dem Zuger Amtsblatt entnommen. Wenn der Leser dieser Publikation mit dem blauen Einband es geschafft hat, dieses vorgängige Geschwurbel zu verstehen, hätte er sich eine Auszeichnung verdient.

Nicht immer leicht verständliche Anordnungen von staatlichen Stellen

Was das Problem des Verständnisses dieser Verkehrsanordnung zusätzlich erschwert: Es geht in diesem Stil ohne Unterbruch und Absatz weiter. Dass es bei der Abkürzung SVG um das Strassenverkehrsgesetz handelt, darf noch in der Rubrik «sollte jeder Autolenker wissen» einzuordnen sein. Ob dies aber beim SSV – der Signalisationsverordnung – auch noch gilt, steht auf einem anderen Blatt. Erschwerend kommt in dieser Aufzählung noch hinzu, dass auch der Kanton Zug eine eigene Signalisationsverordnung kennt. Für diese kantonale Rechtssetzung gibt es wenigstens keine Abkürzung, aber hier schreckt schon die Bezeichnung selber ab: «kantonale Verordnung über den Strassenverkehr und die Strassensignalisation».

So weit, so unverständlich. Fakt ist, dass durch das geplante Verkehrssystem der Verkehr von der Gotthardstrasse in Richtung Grafenaustrasse auch weiterhin fliessen kann. Diese Durchfahrt nutzen heute vor allem Autofahrer, welche von der Innenstadt in die westlichen Quartiere fahren.

Auf der Pilatusstrasse gilt dereinst eine andere gebotene Fahrtrichtung

Ein anderes Schlupfloch schliesst die vom Stadtrat vorgesehene neue Verkehrsanordnung auf der Pilatusstrasse. Dort kann durch eine Änderung der gebotenen Fahrrichtung für Automobile erreicht werden, dass findige Lenker einen allfälligen Stau auf der Alpenstrasse umfahren können. Von der Pilatusstrasse ist es zudem fortan nicht mehr möglich, in Richtung Grafenaustrasse abzubiegen. Eine Massnahme, welche der Übersichtlichkeit des Verkehrs geschuldet ist. Hilfreich dürfte im Endeffekt auch sein, dass durch die faktische Sperre der Passage für Autos unterhalb der vorerwähnten SBB-Brücke die Einfahrt zum Bahnhof für alle Verkehrsteilnehmer optimiert und sicherer ist. Alle Verkehrsbeziehungen zur Servicestrasse entlang dem westlichen Bahndamm führen über ein Trottoir.

Wann die Stadt Zug das neue Verkehrsregime umsetzt, steht noch aus. Auf alle Fälle kommt es wie geplant, denn innerhalb der Beschwerdefrist von 30 Tagen hat bei der zuständigen Stelle niemand Widerspruch eingelegt.