STADT ZUG: Zuger Stadtrat vor grossem Umbruch?

Historisch könnte die Zuger Stadtratswahl vom Wochenende werden: für die SVP, für die Linke – oder für beide.

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Treten wieder an: (im Uhrzeigersinn): Dolfi Müller, Andreas Bossard, Ivo Romer und Andrea Sidler Weiss. (Bilder Neue ZZ)

Treten wieder an: (im Uhrzeigersinn): Dolfi Müller, Andreas Bossard, Ivo Romer und Andrea Sidler Weiss. (Bilder Neue ZZ)

Der fünfköpfige Zuger Stadtrat steht vor einer Zäsur: Zwar treten vier von bisher fünf Mitgliedern wieder an. Einzig Finanzchef Hans Christen (FDP) stellt sich nicht zur Wiederwahl, in erster Linie aus Altersgründen – wohl aber auch wegen anhaltender Kontroversen im Exekutiv-Kollegium. Dennoch wird erwartet, dass es zu einer historischen Umwälzung kommen könnte: Erstens weil die einst dominierende CVP mit einiger Wahrscheinlichkeit erstmals nicht mehr im Stadtrat vertreten sein wird. Und zweitens weil – auch das erstmals in der Geschichte des Kantons Zug – eine linke Mehrheit in einer Exekutive möglich scheint. Reelle Chancen auf einen Sitz hat schliesslich auch die SVP, die bei den Wahlen von 1998, 2002 und 2006 dieses Ziel nie erreichen konnte.

Seit 2002 sitzen im Zuger Stadtrat zwei Vertreter der FDP und je einer der der CVP, SP und CSP.

Krach in der CVP
Nun wird sich die CVP wohl aus dem Stadtrat verabschieden müssen. Faktisch ist sie bereits heute nicht mehr in der Exekutive vertreten. Denn Bauchefin Andrea Sidler Weiss (47) hat nach der CVP-Nominationsversammlung, an der sie von einer Mehrheit der anwesenden Mitglieder auf einen hinteren Listenplatz versetzt wurde, ihren Austritt aus der Partei erklärt. Sie stellt sich als Parteilose zur Wiederwahl. Ohne Partei im Rücken wird sie allerdings kaum genügend Stimmen auf sich vereinen können. Hingegen dürfte Sidler ihrer ehemaligen Partei wertvolle Stimmen stehlen können, die schliesslich der CVP-Liste für einen Sitz fehlen werden. Diesen hatte die Partei – ebenso wie die FDP ihren Zweitsitz – vor vier Jahren nur als Restmandat erobert. Während die Bürgerlichen zu kämpfen hatten, legten damals die Linken markant zu.

Da heuer die drei linken Parteien SP, CSP und Alternative-die Grünen erneut mit einer gemeinsamen Liste antreten und zudem mit Stadtpräsident Dolfi Müller (53, SP) und Andreas Bossard (59, CSP) zwei Bisherige präsentieren, kann ein ebenso starkes Resultat erwartet werden.

FDP ist unter Druck
Erstmals greifen am Sonntag die Grünliberalen (GLP) ins Spiel ein. Zwar haben deren zwei Kandidaten kaum Chancen, in die städtische Exekutive gewählt zu werden. Doch die junge Partei kann der Linken wichtige Stimmen im Kampf um einen dritten Sitz stehlen. Erklärtes Ziel der GLP ist es indes, eher auf bürgerlicher Seite, namentlich bei der FDP, Wähler abzuwerben.

Die FDP steht nicht nur deswegen unter Druck. Zum einen verlieren die Freisinnigen mit dem Rücktritt von Finanzchef Hans Christen einen von allen Lagern wählbaren Politiker. Zum anderen tritt die Partei zwar mit Ivo Romer (46) mit einem bisherigen Stadtrat an. Doch konnte Romer im Gegensatz zu seinen Kollegen erst vor einem Jahr (nach dem Abgang von Ulrich Straub) beginnen, sich den Wählern als Exekutivmitglied zu präsentieren.

Die SVP will unter anderem damit punkten, indem sie der FDP mangelnde Bürger- und Wirtschaftsfreundlichkeit vorhält. Aus diesem Grund hat die Volkspartei dem FDP-Kandidaten fürs Stadtpräsidium, Karl Kobelt, ihre Unterstützung verweigert und tritt nun mit Philip C. Brunner selber an. Obwohl die Chancen für Kobelt wie für Brunner gering sind, Dolfi Müller aus seinem Amt stossen zu können, sollen doch beide Exponenten mit ihrer Doppelkandidatur wichtige Stimmen für ihre Partei holen: Die FDP will ihren zweiten Sitz unbedingt halten (einen macht die Partei mit Sicherheit); die SVP will endlich in den Stadtrat.

Yvonne Anliker und Christian Peter Meier