STADTTUNNEL: TCS stellt sich gegen das Projekt

Der Vorstand des Klubs hat sich gegen das Vorhaben ausgesprochen. Dies, obwohl man den Tunnel eigentlich begrüssen würde.

Samantha Taylor
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So soll dereinst das Nordportal des Zuger Stadttunnels aussehen. (Bild: Visualisierung PD)

So soll dereinst das Nordportal des Zuger Stadttunnels aussehen. (Bild: Visualisierung PD)

Samantha Taylor

Der Vorstand der Zuger Sektion des Touring-Clubs (TCS) stellt sich nicht hinter das Projekt Stadttunnel. Zwar gibt der Klub der Automobilisten keine Parole heraus. Dennoch sind die Meinungen im Vorstand gemacht. Dass diese in der Summe negativ ausfallen, hängt vor allem mit einem Punkt zusammen. «Wir sind ganz und gar nicht einverstanden mit der Finanzierung», sagt Präsident Thomas Ulrich.

Zur Erinnerung: Sollte das Volk am 14. Juni Ja sagen zum Stadttunnel mit Zentrum Plus, dann würden die Kosten für das 890-Millionen-Projekt aufgeteilt. 255 Millionen Franken würden über die Strassenbaurechnung finanziert, 235 Millionen Franken über die Staatsrechnung. Weitere 100 Millionen Franken müsste die Stadt Zug beisteuern. Für die restlichen rund 300 Millionen Franken würden die Autofahrer zur Kasse gebeten, und zwar über die Motorfahrzeugsteuer. Diese soll befristet auf 25 Jahre um 25 Prozent erhöht werden. Gemäss Angaben von Baudirektor Heinz Tännler macht dies einen durchschnittlichen jährlichen Betrag pro Auto von 45 bis 50 Franken aus.

Ein Projekt für verschiedene Seiten

Genau diese Tatsache kommt beim Zuger TCS alles andere als gut an. «Für uns wird die Motorfahrzeugsteuer zu stark und zu lange erhöht. Das ist nicht tragbar», erklärt Thomas Ulrich. Dass Zuger Autofahrer quasi für einen Drittel der Kosten aufkommen müssten, sei zu viel. «Die ganze Finanzierung ist uns zu einseitig. Es wird zu viel auf dem Buckel der Automobilisten ausgetragen», kritisiert Ulrich weiter. Schliesslich seien die Automobilisten auch bei weitem nicht die Einzigen, die von dem Projekt profitieren würden. «Der Stadttunnel ist längst nicht nur ein Projekt für die Autofahrer. Auch die Benutzer des öffentlichen Verkehrs, die Fussgänger sowie Velofahrer profitieren am Ende von einer verkehrsfreien Innenstadt», führt Ulrich aus. Hinzu komme, dass der Tunnel zudem auch von ausserkantonalen Pendlern genutzt werde. «Und die werden gar nicht zur Kasse gebeten. Das geht für uns nicht auf.»

Sonderheft geplant

Dass sich ausgerechnet der TCS gegen ein Strassenbauprojekt stellt, vermag zu verwundern. Thomas Ulrich unterstreicht jedoch: «Selbstverständlich sind wir grundsätzlich für Strassenbauprojekte. Und wir sind auch nicht gegen den Tunnel. Die Ausgangslage hat uns in die Zwickmühle gebracht.» Am Ende habe man aber feststellen müssen, dass in diesem Fall die Schmerzgrenze überschritten werde.

Diese Meinung will der TCS seinen rund 22 000 Mitgliedern kundtun. Einerseits wird er an seiner Generalversammlung, die am 22. April stattfindet, darüber informieren. «Andererseits planen wir eine Sonderausgabe unseres Magazins, die vor der Abstimmung erscheinen wird.» Darin wolle man das Projekt Stadttunnel vorstellen und erläutern, warum man gegen die Finanzierung sei.

Sehr verwundert

Baudirektor Heinz Tännler nimmt die Aussage des TCS-Vorstands zur Kenntnis – allerdings mit grosser Verwunderung. «Ich bin schon erstaunt, dass man bei einem Vorhaben dieser Grösse einfach als Vorstand eine Parole herausgibt und damit für zirka 22 000 Mitglieder sprechen will. Und das, ohne dass man das Thema mittels einer Umfrage erhoben oder zumindest an der Generalversammlung behandelt hätte.» Natürlich könne der Vorstand so vorgehen, wie er es für richtig halte. «Ich zweifle aber daran, dass dies die Meinung der Mitglieder repräsentiert», so Tännler. Dies umso mehr, nachdem er selbst rund zehn Testtelefonate mit zum Teil prominenten Mitgliedern geführt habe, die allesamt eine andere Meinung vertreten. Tännler: «Das entkräftet natürlich die Aussage des Vorstands.»