STÄDTEPARTNERSCHAFT: Gipfeltreffen von Wirtschaft und Gefühl

Dolfi Müller und Werner Gutz­war plaudern am Zugersee. Jeder lobt die Vorzüge des anderen – und sie planen das 70-Jahr-Jubiläum.

Susanne Holz
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Pflegen Gemeinsamkeiten: Werner Gutzwar, Bürgermeister von Fürstenfeld (links), und Zugs Stadtpräsident Dolfi Müller. (Bild Christof Borner-Keller)

Pflegen Gemeinsamkeiten: Werner Gutzwar, Bürgermeister von Fürstenfeld (links), und Zugs Stadtpräsident Dolfi Müller. (Bild Christof Borner-Keller)

«I will ham nach Fürstenfeld.» Dieser Song der Austropop-Band S.T.S. ist seit 1984 ein Dauerhit und laut Fürstenfelds derzeitigem Bürgermeister Werner Gut­war auch der «grösste Werbebringer» für die Stadt in der Steiermark, die ab Januar 2015 rund 9000 Einwohner zählen wird. Werner Gutzwar sitzt am Samstagvormittag zusammen mit Zugs Stadtpräsidenten Dolfi Müller vor dem Hotel Löwen, den sonnenbeschienenen Zugersee vor Augen. Es ist das erste Treffen der beiden seit 2008, doch der Kontakt soll nun wieder aktiviert werden, auch im Hinblick auf das Jubiläumsjahr 2016. Dann nämlich hat man 70 Jahre Freundschaft und 30 Jahre offizielle Verschwisterung zu feiern (siehe Box).

Sie fahren am liebsten mit dem Velo

«I will wieder ham, fühl mi do so allan, ich brauch ka grosse Welt, i will ham nach Fürstenfeld.» Zum Glück trifft das auf Werner Gutzwar am Samstagvormittag nicht zu, Fürstenfelds Bürgermeister freut sich auf die Tage in Zug und den Gedankenaustausch mit Dolfi Müller. Schnell kommt man auf die Gemeinsamkeiten zu sprechen: Beide Stadtoberhäupter sind am liebsten – auch beruflich – mit dem Velo unterwegs. Und Dolfi Müller meint: «Die Aufgaben eines Stadtpräsidenten und eines Bürgermeisters unterscheiden sich nicht gross.» Werner Gutzwar hat viel Anerkennung für den Wirtschaftsstandort Zug übrig: «Zug hat die Stadtentwicklung gut vorgezeigt.» Und ist froh, dass es auch Fürstenfeld wirtschaftlich gut geht: Man beherberge mit Secop einen der grössten Kühlkompressoren-Hersteller Europas und lebe zu einem grossen Teil vom Thermen-Tourismus. «Das Flaggschiff der Region ist die Therme Loipersdorf, bei der wir als Stadt Miteigentümer sind.»

Was Fürstenfeld Zug voraus hat

Auch das Freibad Fürstenfeld bietet einiges, und zwar das grösste Beckenbad Österreichs. Werner Gutzwar zählt ausserdem auf: den Buschenschank mit Weissburgunder oder Muskateller, mit Schinken und Geselchtem, das berühmte Kernöl aus den Kürbiskernen der Region, den historischen Stadtkern Fürstenfelds mit teilweise unterirdischem Festungsweg. Doch fragt man ihn, was seine Stadt habe, was Zug nicht hat, dann antwortet der Fürstenfelder Bürgermeister, ganz gefühlvoller Österreicher, ehrlich und spontan: «Die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen, niemand ist ein Fremder bei uns, wir sind eine Top-Tourismus-Region ohne verbrauchte Freundlichkeit.» Bestätigt habe diesen Eindruck auch Zugs ehemaliger Stadtpräsident Othmar Kamer.

Dolfi Müller stimmt dem gleichfalls zu. Mit dem SP-Stadtpräsidenten und Ex-Stadtarchivar Christian Raschle haben die Gäste aus Fürstenfeld zum Glück echte Flaggschiffe Zuger Herzlichkeit an ihrer Seite. «Von der Nothilfe zur Europafrage zur Freundschaft», so formuliert Müller den geschichtlichen Ablauf der Verbindung. Müller wie Gutzwar freuen sich auf 2016 und darüber, dass es beispielsweise mit den Feuerwehren der beiden Städte besonders enge Kontakte gibt, sehen sich diese doch sogar zweimal im Jahr.