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STÄNDERAT: «Ich bin ein Strassenkämpfer»

Politische Freunde und Feinde attestieren ihm, ein politisches Talent zu sein. Auch wegen einer guten Portion Hartnäckigkeit.
Harry Ziegler
Kantonsrat Andreas Lustenberger (Alternative-die Grünen, Baar) kandidiert für den Ständerat. (Bild Werner Schelbert)

Kantonsrat Andreas Lustenberger (Alternative-die Grünen, Baar) kandidiert für den Ständerat. (Bild Werner Schelbert)

Der Baarer Andreas Lustenberger (29) politisiert für die Alternative-die Grünen. Und er ist stolz darauf, nicht abgehoben oder weltfremd zu politisieren, sondern sich realistische, mit seinem Denken übereinstimmende Ziele zu setzen, die er mit einer gesunden Portion Ehrgeiz und der notwendigen Hartnäckigkeit umzusetzen sucht. Jetzt möchte er mit einer Doppelkandidatur den Sprung ins Bundeshaus schaffen.

Andreas Lustenberger, Sie bewerben sich sowohl für den National- als auch für den Ständerat. Warum diese Doppelkandidatur?

Andreas Lustenberger:Die Ausgangslage ist klar: Es gibt fünf Sitze, die im Kanton Zug zu besetzen sind – drei Nationalrats- und zwei Ständeratssitze. Und es gibt keinen grün-alternativen oder linken Vertreter. Somit werden unsere Anliegen gar nicht vertreten. Deshalb haben wir uns gesagt, dass wir es auf beiden Ebenen unbedingt versuchen müssen. Für uns macht es durchaus Sinn, einen Kandidaten für beide Kammern zu portieren.

Warum das denn?

Lustenberger:Zum einen verzetteln wir so unsere Kräfte nicht. Und zum anderen könnten wir es uns als kleine Partei gar nicht leisten, zwei grosse Wahlkämpfe für zwei Spitzenkandidaten zu führen.

Gesetzt den Fall, Sie würden in beide Kammern gewählt, wohin zöge es sie?

Lustenberger:Wohl in den Ständerat.

Wo sehen sie sich längerfristig in der Politik – eher national oder kantonal?

Lustenberger:Auf nationaler Ebene werden sehr spannende Entscheide getroffen, und es stehen noch solche an. Aber auch auf kantonaler Ebene macht mir die Politik viel Spass. Mir stellt sich vielmehr die Frage, ob ich mich längerfristig eher in einem Parlament oder in einer Exekutive sehe.

Sind Sie der nächste grüne Regierungsrat?

Lustenberger:Wenn ich mit Leuten spreche, höre ich immer wieder die Aussage: Die meisten Männer streben ja sowieso ein Exekutivamt an. Ich würde mir das zutrauen, und es würde mir auch Spass machen. Ich führe gerne, wie momentan auch als Co-Präsident bei den Jungen Grünen, immerhin eine Partei mit 1700 Mitgliedern und bis zu fünf Angestellten. Aber es ist eben auch im Parlament und vor allem in der Kommission äusserst spannend.

Selbst streng bürgerliche Politiker bezeichnen Sie als politisches Talent. Wie sehen Sie sich selbst?

Lustenberger:Das freut mich natürlich. Ich kann meine Inhalte sicher gut nach aussen tragen. Das ist vielleicht das Talent, das die Leute meinen. Vielleicht habe ich auch das Talent, im richtigen Augenblick das richtige zu tun.

Früher galten sie als Strassenkämpfer, heute als Angepasster an politische Gepflogenheiten. Nehmen Sie das auch so wahr?

Lustenberger: Ich bin immer noch ein Strassenkämpfer. Ich sammle viele Unterschriften. Es ist mir auch ein grosses Anliegen, auf die Leute zugehen zu können. Das ist einer der spannendsten Aspekte der politischen Arbeit – draussen sein und mit den Leuten sprechen. Es stimmt schon, als ich noch etwas jünger war, habe ich mich auch ab und zu ins Zentrum frecher politischer Aktionen gestellt. Im Kantonsrat habe ich aber relativ schnell gemerkt, dass es etwas anderes ist, eine freche politische Aktion zu veranstalten, als in einem Parlament zu politisieren.

Inwiefern?

Lustenberger: Man kennt sich im Zuger Kantonsrat recht gut. Und wenn man da den Leuten dauernd auf den Füssen rumtrampelt, dann leiden die politischen Ziele. Ich habe versucht, mich den Gepflogenheiten anzupassen, ohne mich dafür verbiegen zu müssen.

Wie schätzen Sie Ihre Wahlchancen ein – angesichts der Kandidatur des bisherigen Ständerats Joachim Eder von der FDP und eines bekannten Neulings, Finanzdirektor Peter Hegglin von der CVP? Und wie siehts für den Nationalrat aus?

Lustenberger:Bezüglich der Nationalratswahlen bin ich schon enttäuscht, dass die Grünliberale Partei mit der FDP und CVP zusammengeht. Wir haben sie auch gefragt und wurden enttäuscht. Dabei hätten wir gerade auch auf nationaler Ebene sehr viele Berührungspunkte. Das hat jetzt die Ausgangslage schon schwieriger gemacht. Wir haben aber den Vorteil, voll angreifen zu können, denn zu verlieren haben wir ja nichts. Im Ständeratswahlkampf wird es ebenso schwierig. Aber Joachim Eder und Peter Hegglin sind Politiker, die eine ziemlich ähnliche Politik machen. Hier bieten wir eine Alternative. Wozu brauchen wir zwei, die dieselbe Politik machen?

Wo machen Sie aktuell das schwerwiegendste Problem für den Kanton Zug aus?

Lustenberger:In der Finanzpolitik. Die Tiefsteuern für Holdings oder reiche Menschen führen zu einer gewissen Entzugerung.

Entzugerung?

Lustenberger: Das bedeutet, dass viele junge Leute, wenn es einmal in Richtung Familiengründung geht, aus dem Kanton wegziehen müssen, weil sie sich die Preise fürs Wohnen hier schlicht nicht mehr leisten können. Die Folge davon ist ein Identitätsverlust. Das Dorf- und Vereinsleben leidet, einfach, weil die Menschen nicht mehr hier verwurzelt sind.

Ihre Wahl vorausgesetzt: Wo setzen Sie Ihre politischen Schwerpunkte?

Lustenberger:Die Raumplanung ist mir extrem wichtig. Hier kann ich durch mein Geografiestudium auch Fachwissen einbringen. Weiter beschäftigt mich die ganze Migrations- und Flüchtlingspolitik sehr.

Warum sollen die Zuger ausgerechnet Sie wählen?

Lustenberger:Im Moment ist nicht die ganze Bevölkerung des Kantons im Stände- und Nationalrat vertreten. Die Schweizer Demokratie basiert auf einer vielfältigen Vertretung. Im Moment ist lediglich der rechtsbürgerliche Block vertreten. Ich biete hier eine glaubhafte und konstante Alternative. Die Grüne Partei gibts bereits seit 30 Jahren. Sie hat immer eine konsequente ökologische Politik verfolgt. Die Menschen wissen, was man mit uns wählt.

Interview Harry Ziegler

Zur Person

haz. Andreas Lustenberger (29) vertritt die Gemeinde Baar seit 2013 im Kantonsrat. Er politisiert in der Fraktion Alternative-die Grünen. 2014 schloss er an der Universität Zürich ein Geografiestudium ab. Zuvor hat er auf der Gemeindeverwaltung Baar eine kaufmännische Lehre absolviert. Aktuell arbeitet er bei der Caritas Schweiz in der Öffentlichkeitsarbeit Jugend.

Der Baarer ist Vorstandsmitglied des Gewerkschaftsbunds Zug, des Drogenforums sowie der VCS-Sektion Zug. Ausserdem führt er als Co-Präsident seit drei Jahren die Jungen Grünen Schweiz und spielt aktiv Streethockey.

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