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Interview

Ständeratskandidatin Tabea Zimmermann möchte für frischen Wind in Bern sorgen

Tabea Zimmermann Gibson (ALG) möchte in den Ständerat. Ihre Themen sind Nachhaltigkeit, Gleichstellung und Vielfalt.
Andrea Muff
Tabea Zimmermann Gibson vor ihrem Lieblingsrestaurant, dem «Fischmärt», in der Zuger Altstadt.Bild: Jan Pegoraro (4. September 2019)

Tabea Zimmermann Gibson vor ihrem Lieblingsrestaurant, dem «Fischmärt», in der Zuger Altstadt.Bild: Jan Pegoraro (4. September 2019)

Noch ist es ruhig in der Zuger Altstadt beim Ristorante Fischmärt. Das Mittagsgeschäft beginnt aber bald, als wir Ständeratskandidatin Tabea Zimmermann Gibson zum Interview treffen. Die 49-jährige Stadtzugerin politisiert im Grossen Gemeinderat der Stadt Zug (GGR) als Vizepräsidentin und im Kantonsrat für die Alternative – die Grünen. Nun möchte sie den Kanton Zug in der kleinen Kammer in Bern vertreten.

Warum möchten Sie Ständerätin werden?

Tabea Zimmermann Gibson: Ich kandidiere, um die Themen Gemeinwohl und Nachhaltigkeit zu stärken. Meine Politik ist nicht auf Profitmaximierung oder fürs «eigene Gärtli» ausgerichtet, sondern für die Allgemeinheit. Neben dem Gemeinwohl geht es auch um die Frage, was wir den zukünftigen Generationen mitgeben. Der Ständerat ist der richtige Ort, um für solche Ziele zu kämpfen. Genug Menschen denken, nach mir kommt die Sintflut. Ich gehöre nicht dazu.

Sie sind also eher eine Macherin?

Absolut! Ich entwickle Lösungsansätze in der Diskussion und setze sie in meinem Einflussbereich um. Man erzielt die besten Resultate, wenn man anderen zuhört und offen ist für neue Lösungen.

Für welche Themen stehen Sie ein?

Nachhaltigkeit, Gleichstellung und Vielfalt. Auch soziale Verantwortung und unser System der direkten Demokratie haben damit zu tun. Indem man auf alle hört und nicht nur auf diejenigen mit der meisten Macht, ist die ganze Bevölkerung eingebunden.

Sie sind Präsidentin der Kiss-Genossenschaft Zug – einer Nachbarschaftshilfe mit Zeitgutschriften. Wie wichtig ist die Freiwilligenarbeit?

Freiwilligenarbeit ist sehr wichtig, sie stärkt die Einzelnen und den Selbstwert, und sie stärkt die Gemeinschaft. Freiwilligenarbeit ist gut, aber sie ist nicht für alles zuständig. Das würde den Einzelnen überfordern, sein Einfluss ist ja begrenzt. Nur zusammen können wir etwas verändern. Wer aber keine Freiwilligenarbeit leisten will, soll dies sonst ausgleichen.

Was bedeutet das?

Wer lieber mit dem Flugzeug um die Welt jettet, als sich freiwillig vor Ort zu engagieren, könnte dies finanziell ausgleichen. Hier kann der Bund eingreifen und etwa die Flugtickets substanziell verteuern. Mit dem Geld könnte man erneuerbare Energien fördern, Bäume pflanzen und Schutzgebiete auch wirklich schützen. Wir können die Welt verbessern, wenn wir uns alle engagieren und die finanziellen Mittel im Sinne einer nachhaltigen Gesellschaft einsetzen.

Die Gemeinschaft ist Ihnen also wichtig.

Ja, gerade heute, wo das Wirtschaftssystem seinen Tribut fordert. Das heutige Arbeitsleben ist intensiver denn je und Pendeln gehört oft dazu. Ich selbst bin Kantonsschullehrerin in Luzern und wohne hier in der Stadt Zug. Da ist gutes Zeitmanagement gefragt, um Beruf, Kiss, Politik und die Familie unter einen Hut zu bringen.

Umso schöner, zusammen mit Freunden und Familie in Ihrem Lieblingsrestaurant Fischmärt fein essen und trinken zu gehen?

Ja, das geniesse ich sehr. Das Essen ist sehr fein und das Personal freundlich und aufmerksam. Ich musste nicht zweimal überlegen, welches mein Lieblingsrestaurant ist. Meine Familie und ich kommen gerne hierher in der Zuger Altstadt; es ist schön hier und wir fühlen uns wohl.

Zur Person

— Name: Tabea Zimmermann Gibson
— Partei: ALG
— Wohnort: Zug
— Jahrgang: 1970
— Zivilstand: verheiratet, 
2 Kinder (Zwillinge, 2000)
— Beruf: Kantonsschullehrerin
— Hobbys: Geige spielen, Indisch kochen, wandern
— Ämter: Vizepräsidentin GGR, Kantonsrätin, Präsidentin der Kiss-Genossenschaft Zug, Co-Präsidentin Alternative-die Grünen Stadt Zug

Falls Sie gewählt werden würden, käme noch eine weitere Stadt in Ihrem Leben dazu. Wie würden Sie Luzern und Zug mit Bern unter einen Hut bringen?

Ich würde mich natürlich sehr über die Wahl freuen, mir dann die Zeit nehmen für die Frage, was ich weiterhin machen kann und mich dann neu orientieren. Inzwischen sind meine beiden Söhne auch selbstständig, das macht alles leichter.

Apropos Familie, wie steht sie zu Ihrer Kandidatur als Ständerätin?

Ich fühle mich sehr unterstützt. Mein Mann findet es wichtig und gut, was ich mache. Meine Jungs sind politisch zwar nicht engagiert, aber auch ein bisschen stolz auf mich.

Was bringen Sie mit, um im eidgenössischen Parlament zu politisieren?

Ich bringe die Erfahrung einer berufstätigen Frau und Mutter mit. Als Kantilehrerin kenne ich die Themen der Jugendlichen. Durch mein Engagement bei der Kiss-Genossenschaft habe ich eine gute Verbindung mit den älteren Generationen und einen guten Einblick in die Freiwilligenarbeit. Zudem bin ich Mitglied im Grossen Gemeinderat der Stadt Zug, dem ich seit Anfang Jahr als Vizepräsidentin vorstehe, und politisiere im Kantonsrat. Ich bringe also auch Erfahrungen aus der Legislative mit.

Ein Thema der Jugend sind die neuen Technologien. Wie haben Sie es mit Blockchain und Bitcoin?

Blockchain ist nicht dasselbe wie Bitcoin. Die Blockchain-Technologie kann auch dafür eingesetzt werden, dass unsere Wirtschaft nachhaltiger wird. Umweltfreundliches Handeln wie das Bäumepflanzen besass bisher nur ideellen Wert. Dank der Blockchain-Technologie könnte man diesem einen Wert zuweisen, wodurch die Geldwirtschaft ausbalanciert würde. Es gibt viele solche neuen Denkmodelle. Wie etwa mit Kiss, wo wir die Freiwilligenarbeit quantifizieren und ihr so einen tatsächlichen Wert zuweisen können. In welchen Fällen es sich jedoch tatsächlich lohnt, die bisherige Technologie mit der Blockchain-Technologie zu ersetzten, muss man wie beim E-Voting im Einzelfall prüfen. Neu ist nicht unbedingt besser, und die Kostenfrage muss immer auch gestellt werden.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, in einem bürgerlich dominierten Kanton als Linke gewählt zu werden?

Immer besser. Immer mehr Menschen sind von den grünen Themen Gleichstellung, Gemeinwohl und Umwelt tief berührt, und grundsätzlich will der Mensch das Richtige tun. Ich gehe deshalb mit Überzeugung in diese Wahl, etwas Positives bewirken zu können. Es ist Zeit für etwas frischen Wind.

Die «Zuger Zeitung» stellt die Kandidatinnen und Kandidaten für die Ständeratswahlen vom 20. Oktober vor.

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