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Interview

Ständeratskandidat Stefan Thöni: «Zeigen, wie hartnäckig ich sein kann»

Der Steinhauser Ständeratskandidat Stefan Thöni kämpft für die Freiheit in allen Lebensbereichen.
Interview: Marco Morosoli
Stefan Thöni im Bilderecken der Brasserie Löwen in Zug. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 30. September 2019)

Stefan Thöni im Bilderecken der Brasserie Löwen in Zug. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 30. September 2019)

Als Treffpunkt für das Interview schlägt Stefan Thöni von Parat die Brasserie Löwen am Landsgemeindeplatz vor. Er kandidiert diesen Herbst für den Ständerat.

465 Steinhauser und Steinhauserinnen haben am 7. Oktober 2018 bei den Gemeinderatswahlen Ihnen eine Stimme gegeben. Wie viele Wähler werden am 20. Oktober 2019 bei den Ständeratswahlen Ihren Namen auf den Wahlzettel schreiben?

Stefan Thöni: Ich rechne mit mindestens 5000 Stimmen. Diese sind erreichbar, denn der Kanton Zug hat ungefähr zehnmal so viele Wahlberechtigte wie die Gemeinde Steinhausen.

Ihre Partei für Rationale Politik, allgemeine Menschenrechte und Teilhabe (Parat) hat einen etwas sperrigen Namen. Können Sie die Ziele der Partei in zwei, drei Sätzen zusammenfassen?

Unser Ziel ist es, dass dem Menschen möglichst viele Rechte garantiert werden, und dies nicht nur formell. Jeder muss sich die Demokratie leisten können. Auch unsere nächste Generation soll trotz der Klimakrise ein Recht auf so viele Freiheiten wie nur möglich haben. Das Überwachen im öffentlichen Raum ist einzuschränken. Menschen, die Sozialhilfe beziehen oder ins RAV müssen, dürfen zudem nicht bevormundet werden, wie dies heute leider geschieht.

Ihnen hängt nach all den vergeblichen Anläufen auf kantonaler Ebene das Verlierer-Image am Hals. Es gibt Stimmen, die sagen: «Er hat ja gute Ideen, aber ich gebe Stefan Thöni die Stimme nicht, denn für ihn zu stimmen, ist eine verlorene.» Was würden Sie solchen Leuten antworten?

Unser Wahlsystem bringt es mit sich, dass eigentlich bei den Nationalratswahlen jede zweite Stimme eine verlorene ist. Hier wäre es möglich, den Wählern noch zwei oder drei weitere Optionen zu gewähren, um dieses Verhältnis zu verbessern. Noch krasser ist es im Kanton Zug bei den Ständeratswahlen in diesem Herbst. Bei sieben Kandidaten und zwei zu vergebenden Plätzen, landet faktisch jede zweite Stimme im Abfallkübel.

Zur Person

Stefan Thöni (34) ist Single und lebt in Steinhausen. Die Primarschule und das Gymnasium hat Thöni im Kanton Bern besucht. Von 2004 bis 2011 absolviert er an der ETH in Zürich erfolgreich ein Informatikstudium. Lange Jahre hat er für die Crypto AG gearbeitet. Derzeit studiert er Rechtswissenschaft. Er war bei der Piratenpartei und politisiert jetzt für Parat.

Die Parat, wollte ja auch bei den Nationalratswahlen mit einer Liste vertreten sein. Dieses Vorhaben ist gescheitert, weil bei den 100 Unterschriften, die dafür notwendig sind, solche von Toten waren. Hat Ihnen dies in Bezug auf die Kandidatur für den Ständerat geschadet?

Klar ist, dass wir bei einem allfälligen nächsten Mal genauer hinschauen müssen, wem wir einen Auftrag erteilen, um die notwendigen 100 Unterschriften von Wahlberechtigten zu sammeln. Wir hatten die Idee, eine Nationalratsliste zu machen, erst kurz vor dem Eingabeschluss. Wir haben uns wirklich nicht vorstellen können, dass die Liste nicht sauber war. Ob Unterschriften gefälscht sind, ist ihnen ja nicht anzusehen. Ich habe bis jetzt nicht gehört, dass unsere Aktion für uns strafrechtliche Folgen hat.

In den kantonalen Verwaltungen wie auch den gemeindlichen weckt eine Anfrage von Ihnen Groll. Sie haben die lückenlose Herausgabe von Gemeinderatsprotokollen gefordert. Diesen Prozess haben Sie vor Bundesgericht gewonnen, aber ob die Gemeinde Steinhausen nunmehr Ihr nächstes Anliegen erfüllt, das darf angezweifelt werden. Was wollen Sie mit den vielen Anfragen bewirken?

Ich kann einfach nicht verstehen, dass die Veröffentlichung von Ratsbeschlüssen, von Urteilen und anderem so eine zeitaufwendige Sache ist. Es dauert ja oft auch sehr lange, bis das Urteil überhaupt vorliegt. Da ist es geradezu lächerlich bei einer Edition dieser Dokumente den Arbeitsaufwand heranzuziehen, wenn mein Gesuch abgelehnt wird. Das Bundesgericht anonymisiert seine Urteile ja auch und stellt sie dann für alle greifbar ins Internet. Ich mache das mit den Dokumenten auch, in die ich Einsicht verlangte. Sie können diese Rechtsschriften auf www.befreitedokumente.ch alle nachlesen.

Sie haben 2013 noch ein Rechtswissenschaftsstudium angehängt. Was war Ihre Motivation, nochmals zu studieren?

Aus Neugier. Die Juristerei gefällt mir sehr. Ich könnte mir vorstellen, einmal das Anwaltspatent zu machen. So kann ich das Recht selber anwenden, welches in meinem Tun einen grossen Platz einnimmt. Ich habe kürzlich mit Freunden eine Software-Firma gegründet. In dieser arbeite ich als Softwareentwickler, was auch mein Auskommen sichert. Nebenbei bin ich Verwaltungsratspräsident dieses Start-ups.

Sie sind ja bei den Piraten ausgestiegen und haben Parat gegründet. Erzählen Sie bitte etwas über die Gründung der neuen Partei?

Alles ist noch frisch. Wir haben Parat Anfang September gegründet. Derzeit hat die Partei sechs Mitglieder. Wir haben uns darüber verständigt, was wir wollen. Wir hoffen natürlich, dass es bei den Parteimitgliedern bald Zuwachs geben wird. Dabei beschränken wir uns nicht nur auf den Kanton Zug. Wir wollen auch in den umliegenden Kantonen Mitglieder gewinnen. Je grösser der Zuspruch, desto besser gelingt es, unsere politischen Ziele unter die Leute zu bringen.

Wie machen Sie auf sich aufmerksam? Stehen Sie um fünf Uhr morgens beim Bahnhof Zug und verteilen Flyer?

Nein, das ist nicht meine Sache. Ich bin in den sozialen Medien aktiv. Facebook lasse ich aber links liegen. Diese Plattform nervt. Hingegen bin ich auf Twitter präsent. Bewährt hat sich auch, dass ich mich an den Gemeindeversammlungen bemerkbar mache.

Was würden Sie tun, wenn Sie den Einzug in den Ständerat schaffen sollten?

Mein grösstes Ziel ist es, den Rechtsstaat zu verbessern. Es braucht auch in der Schweiz unabhängige Richter. Ferner finde ich, dass es auf Bundesstufe die Gesetzesinitiative braucht. Es kann doch nicht sein, dass wir nur vom Parlament aus regiert werden. Das Volk soll mitregieren dürfen.

Ihre Chancen, es in den Ständerat zu schaffen, sind ja sehr klein. Wollen Sie mit Ihrer Kandidatur jemandem etwas beweisen?

Wenn ich realistisch bin, dann ist es schwierig, nach Bern zu kommen. Ich will aber dem Wähler zeigen, wie hartnäckig ich sein kann. Genau in dieser Art würde ich mich für das Wohl des Volkes bei einer Wahl einsetzen.

Sie haben die Brasserie Löwen am Landsgemeindeplatz als Ihr Lieblingslokal ausgesucht. Welches Bier mundet Ihnen am besten?

Ich muss Sie enttäuschen. Ich komme nicht wegen des Bieres in dieses Lokal in der Zuger Altstadt. Es gibt hier die besten Desserts, die es nach meinem Dafürhalten gibt.

Die «Zuger Zeitung» stellt die Kandidatinnen und Kandidaten für die Ständeratswahlen vom 20. Oktober vor.

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