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Ständeratswahl im Kanton Zug: Momentan hat Heinz Tännler die Nase vorn

Die Ständeratswahlen im Kanton Zug versprechen Spannung. Besonders gefordert ist die FDP. Ihr Kandidat liegt deutlich zurück.
Harry Ziegler

Würde jetzt gewählt, die FDP könnte den von ihr seit 1971 ununterbrochen gehaltenen Ständeratssitz nicht verteidigen. Das zeigt eine im Auftrag unserer Zeitung durchgeführte repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Sotomo. Befragt wurden rund 700 Zuger Stimmbürgerinnen und Stimmbürger.

Die Umfrageresultate zeigen: Peter Hegglin (CVP), der sich für eine weitere Legislatur zur Verfügung stellt, erreicht laut Umfrage 49 Prozent Wähleranteil, Heinz Tännler (SVP, neu) 42 und Matthias Michel (FDP, neu) 36 Prozent. Hinter Michel reihen sich die SP-Kandidatin Barbara Gysel (21 Prozent) und Tabea Zimmermann Gibson (ALG, 16 Prozent) ein:

Für die parteilose Kandidatin Andrea Sidler Weiss und Stefan Thöni (Parat) seien nur vereinzelte Wahlabsichten registriert worden, führt Bruno Wüest vom Institut Sotomo aus. Es sei deshalb nicht möglich gewesen, eine Auswertung für diese beiden Kandidaturen zu erstellen.

Ein zweiter Wahlgang ist durchaus möglich

Peter Hegglin (CVP) dürfte laut Umfrageergebnis mit einem Wähleranteil von 49 Prozent problemlos – wahrscheinlich sogar im ersten Wahlgang – wiedergewählt werden. Das Zürcher Meinungsforschungsinstitut Sotomo hat das absolute Mehr aufgrund der Umfrageergebnisse berechnet. Es liegt bei 41,8 Prozent. Heinz Tännler (SVP) kommt danach auf einen Wähleranteil von 42 Prozent – er liegt somit knapp über dem errechneten absoluten Mehr. Ein zweiter Wahlgang für einen Zuger Ständeratssitz könnte also durchaus im Bereich des Möglichen liegen.

Umfrageresultate zu den Zuger Ständeratswahlen

Kantonale Wähleranteile nach Parteipräferenz

Quelle: Sotomo, Grafik: Janina Noser

«Das absolute Mehr in Bezug auf die Stimmen ist gleich der Anzahl der Stimmabgaben, beziehungsweise Klicks der Teilnehmenden an der Befragung, dividiert durch zwei zu vergebende Ständeratssitze, dividiert durch zwei, weil die Hälfte der Stimmen ja zur Wahl genügt», erklärt Bruno Wüest den Berechnungsmechanismus der Sotomo. Im Kanton Zug wird dieses etwas anders berechnet: Die Gesamtzahl der gültigen Kandidatenstimmen wird durch die doppelte Zahl der zu wählenden Behördemitglieder geteilt; die nächsthöhere ganze Zahl ist das absolute Mehr. Diese Berechnungsdifferenz ändert jedoch nichts an den ermittelten Resultaten für die einzelnen Kandidierenden.

Das absolute Mehr, das Sotomo aus den Stimmenden ermittelt hat, wird der Lesbar- und Vergleichbarkeit halber ebenfalls in Prozent und nicht mit der Stimmenzahl aufgeführt. Weil nicht alle Teilnehmenden in der Befragung zwei Kandidierende angegeben hätten, sei das absolute Mehr tiefer als 50 Prozent, so Wüest. Es betrüge genau 50 Prozent, hätten alle Teilnehmenden zwei Kandierende ausgewählt. Zudem weise die Umfrage einen Stichprobenfehler von +/- 3,7 Prozent aus (siehe Box).

Für Matthias Michel wird es schwer werden

Gemessen am Umfrageergebnis dürfte es Matthias Michel schwer haben, den Zuger FDP-Sitz im Ständerat zu verteidigen. Klar ist, dass Peter Hegglin von seinem Status als Bisheriger profitiert. «Er war dadurch bereits vor dem Wahlkampf in breiten Bevölkerungsschichten bekannt», sagt Bruno Wüest. Hegglin habe so bereits aufzeigen können, dass er den Kanton Zug als Ständerat vertreten könne. Erstaunlich ist allerdings, dass ihm seine gänzlich misslungene Bundesratskandidatur 2018 sowie die eher verhaltene politische Bilanz in Bundesbern, wenn überhaupt, nur marginal geschadet haben. Finanzdirektor Heinz Tännler hingegen hat die Plattform, die ihm das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (Esaf) als dessen OK-Präsident geboten hat, gut genutzt. «Weil Ständeratswahlen immer Personenwahlen sind, hat Tännler als OK-Präsident des Schwingfestes bis weit in die politische Mitte seine Eignung als Vertreter des ganzen Kantons glaubwürdig aufzeigen können», so Bruno Wüest vom Institut Sotomo.

Hinzu kommt, dass Tännler die aus dem Lot geratenden Finanzen des Kantons wieder stabilisiert hat. Natürlich hat ihm dabei auch die sich gut entwickelnde Wirtschaftslage geholfen. Geholfen haben offenbar auch die Sparprogramme, die Tännler mit seinem Finanzdepartement durchgeführt hat. Ungeachtet dessen, dass solche Programme nicht nur links unpopulär sind. Nicht unwesentlich zum guten Umfrageergebnis Tännlers beigetragen hat sicher auch die Dominanz der bürgerlichen Parteien im Kanton. Er ist für CVP und FDP wählbar.

Tieferer Wert in der eigenen FDP

Während Hegglin und Tännler von hohen Wähleranteilen innerhalb ihrer Parteien profitieren, scheinen die FDP-Wähler von ihrem Kandidaten Matthias Michel nicht ganz so überzeugt wie CVP und SVP von ihren. So zeigen die Umfrageergebnisse für Peter Hegglin einen Wähleranteil nach Parteipräferenz (CVP) von 98 Prozent. Für Heinz Tännler (SVP) fällt dieser mit 99 Prozent gar noch etwas höher aus. Matthias Michel (FDP) hingegen liegt bei lediglich 79 Prozent.

Die CVP-Wähler beispielsweise hegen ganz offensichtlich aber Sympathien für Michel – eine entsprechende Plakatkampagne zeigt Hegglin und Michel gemeinsam. Bei der CVP erreicht Michel einen Wähleranteil von 49 Prozent. Im Gegenzug erreicht Hegglin bei FDP-Wählern einen Anteil von 54 Prozent.

Bei den SVP-Wählern kommt Matthias Michel laut Umfrage auf einen recht verhaltenen Wert. Er erreicht dort einen Wähleranteil von 17 Prozent, Peter Hegglin kommt bei den SVP-Wählern auf 26 Prozent. Während Heinz Tännler Werte von 23 Prozent (CVP) und 34 Prozent (FDP) erreicht.

Barbara Gysels (SP) Wähleranteil steht bei den SP-Wählern bei 87 Prozent. Sie würde auch von 51 Prozent der ALG-Anhänger gewählt. Und Stimmen gibt’s auch aus der CVP. Hier kommt Gysel auf einen Wähleranteil von 11 Prozent. Umgekehrt erhielte Hegglin 15 Prozent Wähleranteil aus der SP. Gysels Anteil in der SVP tendiert gegen null. Hingegen würden 14 Prozent der SP-Wähler Heinz Tännler wählen. Der SP-Wähleranteil, der FDP wählen würde, bewegt sich knapp im zweistelligen Prozentbereich.

Die Ständeratskandidatin der ALG Tabea Zimmermann Gibson erreicht innerhalb der ALG-Wählerschaft einen Anteil von 79 Prozent, bei den SP-Wählern einen von 39 Prozent. Von der SVP erhielte die ALG kaum eine Stimme, von der FDP im einstelligen Prozentbereich. Die CVP-Wähler tendieren ebenfalls dazu, die ALG kaum zu berücksichtigen, während die ALG den FDP-Kandidaten mit einem Anteil von 26 Prozent und jenen der CVP mit 19 Prozent unterstützt.

Die Ergebnisse der Umfrage bilden nur einen Moment im laufenden Wahlkampf ab, zeigen aber eine Tendenz auf. Für die FDP und ihren Kandidaten Matthias Michel bedeutet das Ergebnis, dass einerseits innerhalb der Partei noch mehr mobilisiert werden muss, andererseits aber auch, dass es bei einem bereits in der Umfrage ziemlich grossen Abstand zum Zweitplatzierten schwer wird, diesen ein- und zu überholen. Bei einem allfälligen zweiten Wahlgang würden die Karten neu gemischt. Ein solcher fände in Zug am 17. November statt.

So werden die Daten erhoben und gewichtet

Da sich die Teilnehmenden der Umfrage selber rekrutieren (opt-in), ist die Zusammensetzung der Stichprobe nicht repräsentativ für die Grundgesamtheit. So nehmen typischerweise mehr Männer als Frauen an politischen Umfragen teil. Den Verzerrungen in der Stichprobe wird mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt, heisst es im Sotomo-Bericht. Die Gewichtung erfolgt dabei mittels IPF-Verfahren (Iterative Proportional Fitting). Neben räumlichen (Wohnort) und soziodemografischen (Alter, Geschlecht, Bildung) Gewichtungskriterien werden dabei auch politische Gewichtungskriterien beigezogen (Stimm- und Wahlverhalten, regionale Parteienstruktur und mehr). Durch die Gewichtung wird eine hohe Repräsentativität für die aktive Stimmbevölkerung erzielt.

Der Stichprobenfehler, wie er für Zufallsstichproben berechnet wird, lässt sich nicht direkt auf politisch gewichtete opt-in-Umfragen übertragen. Die Repräsentativität dieser Befragung ist jedoch vergleichbar mit einer Zufallsstichprobe mit einem Stichprobenfehler von +/- 3,7 Prozentpunkten. Eine Aussage zu den Nationalratswahlen liess sich aufgrund der nur rund 700 Teilnehmenden nicht erstellen, weshalb wir darauf verzichten.

(haz) Im Auftrag unserer Zeitung führte das Meinungsforschungsinstitut Sotomo eine Umfrage zu den Zuger Ständeratswahlen durch. Die Datenerhebung zur Wahlbefragung fand zwischen dem 9. und 30. September statt. Die Befragung erfolgte online. Befragt wurden 697 Stimmberechtigte.

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