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Führung durch Zug: Steinerne Zeichen und eine alte Liebesgeschichte

Auf einem Rundgang durch die Altstadt lassen sich an den Mauern von Kirchen und Bürgerhäusern geheimnisvolle Zeichen entdecken. Die Stadtführung beweist: Wer sein Auge darauf geschult hat, erkennt sie bald überall.
Dorotea Bitterli
Ueli Fritsche erklärt während der Führung, warum das Genfer Wappen am Grosshaus zu finden ist. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 19. Mai 2018)

Ueli Fritsche erklärt während der Führung, warum das Genfer Wappen am Grosshaus zu finden ist. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 19. Mai 2018)

Der beliebte, von Stadtarchivar Christian Raschle initiierte Verein Zuger Stadtführungen macht seit vielen Jahren Touristen und Einheimische auf die architektonischen Zeitzeugen in der Altstadt aufmerksam. Seine samstäglichen Rundgänge widmet er gerne einem thematischen Schwerpunkt.

Am Samstag führte der pensionierte Lehrer Ueli Fritsche eine kleine zehnköpfige Gruppe von Interessierten zu den geheimnisvollen Steinmetzzeichen, die an mittelalterlichen Sakral- und Profanbauten zu beobachten sind.

Es handelt sich um runenartige Gravuren von etwa fünf Zentimetern Höhe, eingeritzt auf steinernen Fensterrahmen oder Türstürzen an privaten Altstadthäusern und am Torbogen des Zytturms. Die meisten aber sind an der St.-Oswalds-Kirche zu finden – ihre dicken Mauerquader sind stellenweise übersät davon.

Jeder Steinmetz im 15. und 16. Jahrhundert besass sein eigenes Zeichen und markierte damit die von ihm behauenen Steine. Dies diente der Buchhaltung bei der Entlöhnung der Handwerker, half aber auch beim Wiedereinfügen der aus dem Fels gehauenen Steine in den Bau.

Ueli Fritsche erzählte anschaulich, wie ein Steinmetz damals fünf bis sechs Jahre in die Lehre gehen und während eines Wanderjahrs seine kon-struktiven und ästhetischen Kenntnisse vertiefen musste, bevor er vom Lehrmeister sein persönliches Zeichen zugeschrieben bekam. Heute geben diese Zeichen der Nachwelt Aufschluss über die Entstehungsgeschichte der Bauwerke.

Symbole gegen Dämonen

Am Rathaus, etwa auf der Höhe des zweiten Stockes, sind die Hausecken mit maskenartigen Gesichtern aus grauem Stein geschmückt. Gegenüber am Aklin-Haus prangt mitten auf der Fassade ein äffchenartiges Wesen. Beides, so erzählte Stadtführer Fritsche, sollte «Dämonen bannen».

Humorvoll gelang es ihm, die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf immer neue steinerne Details zu ziehen: den «Teig-Aff» neben dem Schaufenster der ehemaligen Bäckerei Aklin; Zuger und Genfer Wappen am Grosshus, welche die Heirat des Landammanns Werner Steiner mit einer wohlhabenden Genferin dokumentierten; den «fleissigen Schulbuben» am Brunnen vor der Stadtschule, die früher ein Spital war oder den lieblichen Heiligen Josef an der St.-Oswalds-Kirche, der «das glücklichste Jesuskind trägt, das ich je gesehen habe».

Fast wäre der Flughafen in Zug entstanden

Aber auch Geschichten aus neuerer Zeit würzten allenthalben die stimmungsvolle Stadtführung: Zum Beispiel, dass das Gebiet Chollermüli nach dem Zweiten Weltkrieg fast zum Flughafen erkoren worden wäre, dass man dann aber doch Kloten wählte, «weil es fünf Nebeltage weniger hat».

Zum Abschluss führte Fritsche die Teilnehmer an der St.-Oswalds-Kirche zu einer Inschrift in etwa 4 Metern Höhe: «Mater Maria» steht dort. Diese Buchstaben inspirierten den Zuger Autor Max Huwyler 1996 zur gleichnamigen Erzählung, in welcher er der rätselhaften Gravur eine Identität gab: Ein fremdländischer Steinmetz-Geselle verlor 1475 sein Herz an die junge Zugerin Maria Schell, aber ihr Vater war gegen diese Liebe und liess ihn aus der Stadt verbannen, obwohl seine Tochter schwanger war.

Am Vorabend seiner Abreise soll der junge Mann die beiden Wörter unter Tränen der Wut und Trauer in den Quader gemeisselt haben. Eine Zuger Romeo-und-Julia-Geschichte also.

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