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STEINHAUSEN: Der «Engel» im Foyer

Mit der Wandmalerei in Schwarz-Weiss im Kirchenzentrum Chilematt hat Ferdinand Gehr (1896–1996) ein für ihn ungewöhnliches Werk geschaffen.
Andreas Faessler
Nimmt eine Sonderstellung im Werkverzeichnis von Ferdinand Gehr ein: sein in Schwarz-Weiss ausgeführtes Wandbild im Treppenhaus des ökumenischen Kirchenzentrums in Steinhausen.

Nimmt eine Sonderstellung im Werkverzeichnis von Ferdinand Gehr ein: sein in Schwarz-Weiss ausgeführtes Wandbild im Treppenhaus des ökumenischen Kirchenzentrums in Steinhausen.

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Blättert man durch das Werkverzeichnis Ferdinand Gehrs, so leuchten einem grundsätzlich kräftige Farben entgegen. Von Zartrosa über Mattgrün und Azurblau bis zum gleissenden Gelbton hat der Ostschweizer Künstler seine Werke ausgeführt. Ferdinand Gehr, 1896 in Niederglatt bei Oberuzwil geboren und 1996 in Altstätten im Rheintal gestorben, galt als nicht ganz unumstrittener Erneuerer der Schweizer Kirchenmalerei. Sein 19. öffentlicher Auftrag und gleichzeitig dritter in der Zentralschweiz ging bekanntlich mit einem Eklat von nationaler Ausstrahlung in die Schweizer Kunstgeschichte ein: Die Fresko-Ausmalung der Bruder-Klaus-Kirche in Oberwil ZG Ende der 1950er-Jahre brachte die Gemüter in unerwartetem Masse zum Kochen.

Jahre später hatten sich die Wogen geglättet, und Gehr führte weitere bedeutende Aufträge in Zug aus – ein Fresko im Hotel Ochsen und die Ausmalung der Kirche St. Johannes. Auch diese beiden Werke zeigen sich Gehr-typisch bezüglich ihrer farblichen Komposition. Umso bemerkenswerter war und ist Gehrs vierter und letzter Auftrag im Kanton Zug – ein Spätwerk des Künstlers, welches so ganz und gar nicht dem eingangs beschriebenen charakteristischen Erscheinungsbild entspricht und innerhalb seines Gesamtwerkes eine Sonderstellung einnimmt. Ferdinand Gehr erhielt 1981 den Auftrag, die Treppenwand aus Sichtbeton im Foyer des von Ernst Gisel neu erbauten ökumenischen Kirchenzentrums Chilematt in Steinhausen zu gestalten. Diese zieht sich vom Untergeschoss über sämtliche Etagen hinweg – viel Fläche, die es zu füllen galt. Dennoch entschied sich Ferdinand Gehr diesmal für eine vergleichsweise sehr schlichte, für ihn ungewöhnliche Schwarz-Weiss-Malerei. Die gesamte Aussenseite der Treppenwand grundierte der Künstler schwarz. Darauf verteilte er weisse geometrische Elemente wie ungleichmässige Rechtecke, Striche, Punkte oder unvollendete Kreise. Auf der Innenseite der Wand verhält es sich genau andersrum: Hier ist der Beton weiss grundiert, und die Figuren sind in Schwarz ausgeführt.

Das Figurenkonzept in der Gehr-Wandmalerei im Zentrum Chilematt lässt sich dem Repertoire des Künstlers nicht klar zuordnen, weshalb das Werk allein deshalb eine besondere Stellung einnimmt. Naheliegend aber ist, dass die Aussage dieses Kunst-am-Bau-Projekts von sakraler Natur ist. Tatsächlich sollte die Wandmalerei gemäss Ferdinand Gehr in abstrakter Weise ein ­Engelswesen symbolisieren. Es mag für den Betrachter schwer nachvollziehbar sein, zumal das Werk in seiner Gesamtheit nicht mit einem Blick erfassbar ist, zu begrenzt ist die Sicht durch die Architektur. Das Werk steht aber in einem starken, wohltuenden Kontrast zum dominierenden Grau des lichtdurchfluteten Betonbaus. Nach der Wandmalerei in Steinhausen führte Gehr bis zu seinem Lebensende noch drei weitere öffentliche Aufträge aus. Diese wieder in gewohnter Manier – figürlich und farbintensiv.

Hinweis

Mit «Hingeschaut» gehen wir Details mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach. Frühere Beiträge finden Sie hier.

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