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STEINHAUSEN: Die Narren verschönern den Karren

Steinhausens Wagenbauer lassen die heissen Siebziger aufleben - dafür nehmen sie selbst kalte Finger in Kauf.

Heino hängt zwischen Heintje und Tony Marshall. Eine gewichtige Schlagerparade ist hier versammelt – an der Aussenwand des Oberhauptwagens der Fasnachtsgesellschaft Steinhausen. Von hier oben werden der Steivater Roger I. und sein Hofstaat den Zuschauern des Steinhauser Fasnachtsumzugs, der am 12. Februar durchs Dorf zieht, zuwinken und den Fasnächtlern kleine Präsente zuwerfen.

«Das waren noch Zeiten – die Siebzigerjahre»: Traditionellerweise bestimmt jeweils der aktuelle Steivater das Motto der Fasnacht – Roger I. gilt als grosser Schlagerfan. «Wie viele andere in meinem Alter liebe ich alte Hits. Ich habe das Gefühl, dass auch die jüngere Generation immer mehr daran Gefallen findet», schreibt der Steivater im gestern eben erschienenen Fasnachtsprogrammheft. In der hektischen Gegenwart solle das Rad der Zeit einmal zurückgedreht werden, um abzuschalten und zu geniessen, lässt Roger I. weiter verlauten.

Discokugeln aufgehängt
Dass die Musik auch mit der richtigen Lautstärke ankommt und der Wagen des Oberhauptes fahrtauglich ist – dafür sorgen derzeit bis zu fünf Mitglieder der Fasnachtsgesellschaft Steinhausen. Darunter auch Marcel Staub (48), der vor allem Anlässe organisiert.

Neben dem Oberhauptwagen baut die Fasnachtsgesellschaft auch den Steigrind, der zum Fasnachtsende verbrannt wird, und das Gefährt für die Ehrengarde. «Wir sind jetzt rund jeden dritten Abend in der Woche hier vor Ort und werkeln am Wagen», erklärt Staub, der als Abwart an der Kantonsschule Zug arbeitet. Das Gefährt steht in einem Stall in der Nähe von Hagendorn: Im Innern herrschen eisige Temperaturen. «Vergangene Woche war es schon sehr kalt. Ich konnte mit den Fingern fast keine Schraube halten», verrät Staub und tackert eine weitere Schallplattenhülle an die Aussenwand. Am eisernen Dachgestänge hängen bereits drei glitzernde Discokugeln.

Den Wagen des Oberhauptes haben die Steinhauser Fasnächtler vor zwei Jahren im Internet gefunden, er stand rund 20 Jahre lang bei einem Bauern im Aargauischen. «Wir haben nun den Unterboden mit Eisen verstärkt. Der Wagen wird dann von einem Traktor gezogen», erzählt Staub. Bis zum 22. Lebensjahr ging er an die Fasnacht – dann hatte er keine Lust mehr. Bis seine Frau Jeannette Staub 2004 Steimuetter wurde. «Da hat es mir den Ärmel wieder reingezogen.»

Auftritt von HD Läppli
Auch Andreas Trüssel (43) legt heute Hand an: Der Wirt des Steinhauser Restaurants Szenario war selber 2007 Steivater. Dieses Jahr baut er mit seinen Kollegen, die unter dem Namen Die letscht Fläsche auftreten, zum ersten Mal zusätzlich selber einen Wagen. Zu sehen ist die Schweizer Armee im Réduit – mit HD Läppli. «Kostüme haben wir im Armeeshop und im Brocki gefunden. Auch vom Armeemuseum in Luzern haben wir Kleider ausgeliehen.» Und Trüssel weiter: «Mir gefällt an der Fasnacht auch der kulturelle Aspekt. Die Masken und die Originalität sind toll», so Trüssel.

Zudem ist Trüssel bei der Schnitzelbankgruppe Häxechochi dabei. «Alle Texte sind schon geschrieben», verrät er. Und was sind die Themen? Das Waldstockfestival und die Gemeindeversammlung vom Sommer. «Und der Gemeinderat bekommt sicher eins ans Bein», so Trüssel.

Luc Müller

HINWEIS
Schnitzelbänke: 11. Februar, ab 20 Uhr; Umzug: 12. Februar, 14.30 Uhr.

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