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STEINHAUSEN: «Die Unterkunft ist kein Gefängnis»

Wie stark werden Asylbewerber in der Durchgangsstation betreut? Das Sozialamt gibt Auskunft.
Luc Müller
In den Asylunterkünften gibt es keinen Heimservice: Die Bewohner müssen selber putzen, waschen und kochen. (Bild: Keystone)

In den Asylunterkünften gibt es keinen Heimservice: Die Bewohner müssen selber putzen, waschen und kochen. (Bild: Keystone)

Noch ist der Grosseinsatz der Zuger Polizei vom vergangenen Mittwoch in Steinhausen in frischer Erinnerung. In der Durchgangsstation für Asylbewerber verschanzten sich ein 39-jähriger Iraner und seine 35-jährige Frau – der Vater bedrohte dabei seinen 4-jährigen Sohn mit einem Messer. Nach nervenaufreibenden Verhandlungen stürmte die Polizei nach drei Stunden schliesslich die Unterkunft. Das Kind ist fremd platziert, die Eltern noch in Behandlung.

Keinen Vollservice

Der Vorfall wirft Fragen auf: Wie werden die Asylbewerber in Steinhausen überhaupt betreut? Wie sieht deren Tagesablauf aus? Für alle Belange im Asylwesen ist der Kanton, konkret die Direktion des Innern (DI), verantwortlich. Sie ist zuständig für die Unterbringung der Flüchtlinge im Kanton Zug, wobei die Asylbewerber nach einem proportionalen Verteilschlüssel auf die Gemeinden verteilt werden. «Es gibt in Steinhausen keinen Heimservice. Die Bewohner müssen selber kochen und waschen – zudem gibt es eine Putzpflicht», informiert Jris Bischof, Leiterin des kantonalen Sozialamtes, das der DI angegliedert ist. Wer dieser nicht nachkommt, erhält weniger Geld. Pro Monat bekommt ein volljähriger Asylbewerber 449 Franken (abzüglich Nebenkosten für Strom und Wasser): Diese wirtschaftliche Sozialhilfe wird vom Bund und vom Kanton bezahlt. Davon müssen die Asylbewerber alle Lebensmittel, Kleider und Hygieneartikel zahlen.

Die Asylbewerber können sich frei bewegen und die Unterkunft verlassen, wenn sie wollen. «Die Durchgangsstation ist kein Gefängnis. Sie ist 24 Stunden geöffnet», erklärt Jris Bischof, «am Abend gibt es einen Nachtdienst, der vor Ort ist.» Auch den Tagesablauf können die Flüchtlinge selber gestalten: So ist nicht vorgeschrieben, wenn man am Morgen aufstehen muss. «Wir betreiben keine Unterhaltungsmaschine. Es geht nicht darum, ständig für Action zu sorgen», sagt Jris Bischof. Es gebe aber viele Freiwillige, die sich um die Asylbewerber kümmern: Sei es, dass sie mit den Flüchtlingen Fussball spielen oder mit ihnen basteln.

Schweizer Gepflogenheiten lernen

«Der erste Anlaufpunkt für Flüchtlinge, die in den Kanton Zug kommen, ist die Durchgangsstation Steinhausen», so Bischof. Durchschnittlich bleiben die Flüchtlinge zwischen sieben und zwölf Monaten hier in Steinhausen – danach werden sie in den Gemeinden platziert. «Wer in der Durchgangsstation ist, hat als Flüchtling noch keinen Status. Die Aufnahmeverfahren sind zu diesem Zeitpunkt noch alle am Laufen», betont Bischof. Aktuell leben 82 Flüchtlinge in Steinhausen: Ein Teil von ihnen muss später das Land wieder verlassen, weil sie kein Asyl erhalten. Zudem befinden sich derzeit 31 Personen im Dublin-Verfahren: Das heisst, sie haben in einem anderen Land im Schengenraum bereits einen Asylantrag gestellt. Diese Flüchtlinge werden, wie es das Gesetz vorsieht, in das «Erstland» abgeschoben. «Auch diese Abklärung dauert.»

In der ersten Phase, wenn die Flüchtlinge in Steinhausen leben, sei es das Kernziel, die Asylbewerber mit den hiesigen Lebensgewohnheiten und der Schweizer Kultur vertraut zu machen. Die vertiefende Integration wird erst in der zweiten Phase, wenn die Flüchtlinge in die Gemeinden kommen, angepackt. Oft ist auch dann noch nicht geklärt, ob ihr Asylantrag genehmigt wird. Dann geht es auch darum, dass die Jugendlichen einen Schulabschluss machen und eine Lehre abschliessen können. Grundsätzlich dürfen Asylbewerber nach drei Monaten arbeiten.

Keine psychologische Therapiearbeit

«Die Flüchtlinge müssen während des Aufenthalts in Steinhausen verpflichtend einen Deutschkurs besuchen», so Bischof. Auch online steht ein Deutschkurs zur Verfügung, der zusätzlich genutzt werden kann. Im entsprechenden Alter müssen die Kinder in Steinhausen den Kindergarten oder die Schule besuchen.

In der Durchgangsstation, die auf maximal 100 Personen ausgelegt ist, arbeiten neben der Zentrumsleiterin eine medizinische Betreuerin, eine Deutschlehrerin, drei Betreuer sowie ein Zivildienstleistender und eine Praktikantin. Die Betreuer sind ausgebildete Fachpersonen für Migration oder Sozialarbeiter. «Die Mitarbeitenden führen mit allen Flüchtlingen regelmässig ein Betreuungsgespräch», erklärt Jris Bischof. Zweimal in der Woche können sie eine medizinische Sprechstunde besuchen. «Die Betreuer machen aber keine psychologische Therapiearbeit», sagt Bischof. «Es gibt in der Durchgangsstation auch viele, die eine harte Flucht hinter sich und viel Gewalt erlebt haben und deshalb traumatisiert sind.» Die Betreuer würden in solchen Fällen die Personen nicht zum Reden zwingen, sondern an Fachleute vermitteln.

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