Steinhausen
Ein dauerhafter Massiv-Bau als erster Aufenthaltsort für Flüchtlinge in Zug

Ein einheimisches Arbeitskollektiv holt sich den Sieg im Projektwettbewerb für die neue Durchgangsstation Steinhausen. Die neuen Gebäude sollen in vier Jahren bezugsbereit sein.

Carmen Rogenmoser
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Einladend, aber schlicht: So soll die neue Durchgangsstation in Steinhausen aussehen.

Einladend, aber schlicht: So soll die neue Durchgangsstation in Steinhausen aussehen.

Visualisierung: PD

Einfach und robust – die neue Durchgangsstation in Steinhausen soll vor allem ihren Zweck erfüllen. Hier werden die dem Kanton zugeteilten Flüchtlinge als Erstes untergebracht. Sie bleiben durchschnittlich sieben bis zwölf Monate in der Einrichtung. Schon länger ist klar, dass die bestehende Anlage ersetzt werden muss. Im September 2019 sprach der Zuger Kantonsrat einen Objektkredit von 1,78 Millionen Franken für die Planung. Nun kann die Baudirektion mit dem Zuger Arbeitsgemeinschaft Kollektiv Juma Architekten GmbH/Studio W, Hünenberg, den Sieger des Projektwettbewerbs, der im offenen Verfahren durchgeführt worden ist, präsentieren. Die 32 eingereichten Vorschläge werden in einer Ausstellung präsentiert (siehe Hinweis).

Überzeugt haben die Architekten mit eben jenem «einfachen und robusten Vorschlag», wie in der Medienmitteilung zu lesen ist. «Neben der städtebaulichen, architektonischen, sozialräumlichen und freiraumplanerischen Qualitäten des Entwurfs lag das Augenmerk auf den Aspekten der Funktionalität, Flexibilität, Wirtschaftlichkeit sowie Nachhaltigkeit.» Die beiden Gebäude des Siegerprojekts «Kägi und Fret» verfügten über einen eigenständigen architektonischen Ausdruck, der gut in das umgebende Bild von Steinhausen passe. «Der Ersatzneubau für die Durchgangsstation ist als einfacher, dauerhafter Massivbau ausgelegt, der möglichst kostengünstig in Erstellung und Betrieb ist», sagt Baudirektor Florian Weber auf Nachfrage.

Eine räumliche Trennung zwischen «Wohnen» und «Tagesstruktur»

Das Wohnhaus ist als viergeschossiges, länglich rechteckiges Volumen mit vorgelagertem Laubengang organisiert. Das Erdgeschoss dient dabei einerseits der Nutzung durch das Personal und der Polizei sowie andererseits als Aufenthaltsbereich mit Gemeinschaftsküche für die Bewohnerinnen und Bewohner. In den drei darüberliegenden Geschossen sind die Wohnungen angeordnet.

Der zweigeschossige, vorgelagerte Pavillon komplementiert mit den Nutzungen der Tagesstruktur die Durchgangsstation. «Durch die klare räumliche Trennung zwischen ‹Wohnen› und ‹Tagesstruktur› wird das Areal belebt und den Bewohnerinnen und Bewohnern werden verschiedene räumliche Aufenthaltsorte zur Verfügung gestellt», erklärt Weber weiter.

Für die künftigen Bewohner bedeutet das eine wesentliche Verbesserung der Wohnverhältnisse. Die 1991 für rund 88 Asylanten als Provisorium erstellte Durchgangsstation ist in die Jahre gekommen und weist in baulicher, betrieblicher und hygienischer Hinsicht erhebliche Mängel auf. «Insbesondere genügen die Räumlichkeiten weder den sanitarisch-epidemiologischen Anforderungen noch entsprechen sie den Standards, die heutzutage für den Betrieb einer Durchgangsstation gelten», so der Regierungsrat.

Die bestehende Durchgangsstation wurde 1991 als Provisorium erstellt.

Die bestehende Durchgangsstation wurde 1991 als Provisorium erstellt.

Bild: Maria Schmid (Steinhausen, 29. Januar 2021)

Für 150 statt bisher 80 Personen

Der Ersatzbau ist auf 150 Bewohner ausgelegt, plus 100 temporäre Zusatzbetten. «Die neue Anlage ist mit einer Schwankungsreserve von zusätzlichen temporären 100 Plätzen konzipiert, die nur im Notfall eingesetzt werden. Dies vor dem Hintergrund, dass es erfahrungsgemäss im Asyl- und Flüchtlingsbereich zu Situationen kommen kann, bei denen schnell zusätzliche Plätze erforderlich sind», sagt Weber. Sollte dieser Fall auftreten, werde der notwendige Platz vorübergehend mittels Hochbetten bereitgestellt, wobei das Volumen des Gebäudes dadurch nicht grösser geplant werden muss.

Die Baubewilligung soll im ersten Quartal 2022 erteilt werden, im selben Jahr soll auch der Objektkredit von 15,3 Millionen gesprochen werden. Der Bau, der rund 24 Monate dauern dürfte, kann unter diesen Voraussetzungen im zweiten Halbjahr 2023 in Angriff genommen werden. Der Bezug ist für Anfang 2025 vorgesehen.

Während der Bauphase wird die Durchgangsstation im alten Kantonsspital in Zug in den bereits vom Sozialamt genutzten Flächen weiter betrieben, informiert Jris Bischof, Leiterin des Kantonalen Sozialamts.

Vernissage und Ausstellung des Wettbewerbs: Die Vernissage findet am Montag,
1. März, um 17 Uhr im Gemeindesaal Dreiklang in Steinhausen statt. Alle 32 eingereichten Projekte werden präsentiert. Die Ausstellung ist vom 2. bis 5. März jeweils von 9 bis 18 Uhr für das Publikum geöffnet. Dies unter Einhaltung der entsprechenden Einschränkungen und Regeln aufgrund der Coronapandemie.