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STEINHAUSEN: Eine Nehmende wird zur Gebenden

Susanne König erlebte eine Zeit, in der sie auf Hilfe angewiesen war. Dies entsprach nicht ihrem Naturell – umso glücklicher ist sie, seit sie sich wieder für andere engagieren kann.
Andrea Muff
Susanne König erzählt offen von ihrer Krankheit und ihrer Hilfsbereitschaft. (Bild: Maria Schmid (Zug, 18. September 2017))

Susanne König erzählt offen von ihrer Krankheit und ihrer Hilfsbereitschaft. (Bild: Maria Schmid (Zug, 18. September 2017))

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Susanne König ist engagiert: sei es in Vereinen, Institutionen, Familie oder Kirche. Sie hilft, wo sie kann – organisiert, kocht, fährt von A nach B. Doch nachdem sie im Frühling 2015 die Diagnose Krebs erhält, ist es sie, die Hilfe annehmen muss. Die Steinhauserin hört durch ihre Freundin ­von einer Genossenschaft, die in Cham gerade erst gegründet wurde. Ihre Freundin ist Karin Pasamontes, die Geschäftsleiterin der Kiss-Genossenschaft der Nachbargemeinde. Bei dieser Genossenschaft wird nun die Pilotphase abgeschlossen. Kürzlich ist zudem ein Buch über die Körperschaft erschienen, und das Stadtzuger Pendant feiert das einjährige Bestehen (siehe Hinweis unten).

Das Konzept von Kiss («Keep it small and simple»): eine Nachbarschaftshilfe, die auf der Währung Zeit basiert. Wer sich freiwillig engagiert, kann sich die Arbeitszeit gutschreiben lassen und später beziehen, wenn er oder sie selber auf Hilfe angewiesen ist (siehe Box). So war es bei Susanne König: Fünf Wochen lang musste sie zur Bestrahlung nach Aarau ins Spital. «Ich habe mir jeweils den ganzen Tag dafür Zeit genommen. Oft war ich am Abend müde, und ich wollte auch meine Familie nicht zusätzlich belasten», erklärt die 64-Jährige. Insgesamt für drei Monate halfen ihr Frauen im Haushalt: Die eine war für das Putzen der Nasszellen und das Staubsaugen verantwortlich, die andere hat sich um das Bügeln der Wäsche gekümmert. Die Arbeiten von der Spi­tex übernehmen zu lassen, habe nicht funktioniert. «So wie ich sie zeitlich benötigt hätte, war es nicht möglich», sagt die Steinhauserin und meint weiter: «Dank Kiss haben wir unbürokratisch Hilfe bekommen.»

«Wieder alles im grünen Bereich»

Doch für Susanne König, die nach eigenen Angaben am «Helfersyndrom» leidet, war es nicht einfach, zu akzeptieren, dass der Körper Ruhe benötigt: «Es war sehr schwierig für mich, die Hilfe anderer anzunehmen.» Umso mehr freut sie sich nun, diese auch wieder zurückgeben zu können. Denn die Bestrahlung hat geholfen, und Susanne König geht es besser. «Es ist wieder alles im grünen Bereich», sagt sie und lächelt. Die 64-Jährige ist nun von einer «Nehmenden» zu einer «Gebenden» geworden. Die gelernte Köchin leitet das Kiss-Kochteam und stellt regelmässig einmal im Monat für den offenen Mittagstisch in Cham ein Menü zusammen. Die Gruppe bereitet für ungefähr 50 Personen das Essen vor – mit grosser Freude: «Wir sind ein tolles Team.» Früher habe sie auch oft in Schul- und Pfadilagern die Küche geschmissen, erzählt sie. «Dass ich mich nun wieder engagieren kann, hilft mir sehr. Nach der Diagnose habe ich mir oft die Frage gestellt, ob ich noch etwas wert sei.» Und als es ihr besser ging, sei die nächste Phase gekommen: «Ich wollte wissen, ob ich es noch kann», sagt sie und ergänzt lachend: «Ich kann es noch!»

Ausserdem übernimmt Susanne König auch Fahrdienste. Diese Aufgabe teilt sie mit ihrem Mann, der seit seiner Pensionierung vor einem Jahr ebenfalls Mitglied der Kiss-Genossenschaft ist. «Ich muss mich manchmal selber bremsen, damit ich nicht zu viele Aufgaben übernehme», meint sie. Gibt es auch Bereiche, wo sie nicht helfen kann? «Ich finde vorlesen ganz schlimm, das mag ich nicht. Auch bei Computerproblemen bin ich nicht die richtige Ansprechperson. Das Theoretische ist generell nicht so meins», gibt Susanne König zu. Ansonsten ist sie auch für sogenannte Feuerwehrübungen zu haben. Ein kurzfristiges Einspringen ist für sie kein Problem. Sie erzählt sogleich eine Anekdote dazu: Sie habe eine ihr fremde Frau ganz spontan zum Einkaufen gefahren, diese war danach sehr dankbar über die Hilfe: «Sie hat sich mit einem Lächeln verabschiedet. Das ist ein schönes Gefühl gewesen.»

Voll des Lobes für das Konzept

Für das Konzept von Kiss ist die Steinhauserin voll des Lobes: «Ohne Kiss hätten wir es nicht geschafft», ist die 64-Jährige sich sicher. Momentan benötigt Susanne König gar keine Hilfe von Kiss, dies, weil ihr Mann sie bei den Haushaltsarbeiten unterstützt: «Er ist jetzt fürs Staubsaugen zuständig», meint sie mit einem verschmitzten Lächeln.

Hinweis:Am Donnerstag, 21. September, ab 18 Uhr feiert die Kiss-Genossenschaft Zug das einjährige Bestehen und gleichzeitig das Entstehen des Buches «Zeit für dich – Zeit für mich» der Zuger Kiss-Initiantin Susanna Fassbind. Am Dienstag, 26. September, lädt die Kiss-Genossenschaft Cham zur Buchvernissage: ab 18 Uhr im Quartierbüro an der Hünenbergerstrasse.

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