STEINHAUSEN: Er hat ein grosses Herz für bedrohte Tiere

Michael Eggenschwiler rettet Frösche, Katzen, Molche und Enten in Not. Dafür geht er auch unkonventionelle Wege.

Ernesto Piazza
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Der 43-jährige Michael Eggenschwiler vor einem Weiher im Wauwilermoos. (Bild Boris Bürgisser)

Der 43-jährige Michael Eggenschwiler vor einem Weiher im Wauwilermoos. (Bild Boris Bürgisser)

Das Ambiente für Michael Eggenschwiler stimmt. «An Plätzen wie an diesem Weiher im Wauwilermoos finde ich immer wieder die Ruhe nach den hektischen Stunden des Alltags.» Es ist vor allem die Liebe zu den Tieren, die ihn hinaus in die Natur treibt. Ob Katzen, Würmer, Käfer, Molche, Hasen oder Rehe – dabei ist die Liste noch längst nicht abschliessend –, Michael Eggenschwiler hat vor allem ein grosses Herz für bedrohte Tiere.

Mit blossen Händen gegraben

Dieses schlug auch heftig im vergangenen Sommer bei einem seiner Spaziergänge im Wauwilermoos. Ein Bauer war mit einer Bachreinigung beschäftigt. Dabei setzte er eine grosse Menge Schlammerde frei und deponierte sie auf freiem Feld. Michael Eggenschwiler sah den Haufen, und instinktiv bewegte er sich auf ihn zu. Erst nur mit blossen Händen, wenig später mit einer Schaufel grub er in der schweren Erde nach überlebenden Bachbewohnern. Diesen drohte ob der schweren Last der sichere Tod. Nach ersten Erfolgserlebnissen setzte er seine Suche intensiver fort. 237 Fröschen und 26 Bergmolchen habe er am ersten Tag zum Weiterleben verholfen.

Ungewöhnliche Aktionen

Am zweiten Tag kamen 30 weitere Frösche dazu, und nochmals einen Tag später fand Michael Eggenschwiler einen weiteren Frosch – nicht grösser als ein Einfrankenstück. Alle geretteten Tiere transportierte er mit einem Eimer, den er auf einem 200 Meter entfernten Bauernhof fand, zu einem nahe gelegenen Weiher.

Diese Aktion sollte längst nicht die einzige bleiben. Zu seinen Taten gehören beispielsweise auch die Rettung von 20 Kilogramm Froschlaich. Diesen fand er im Gütschgebiet. Umgehend führte er ihn seinem späteren Bestimmungsort Gütschweiher zu.

Typen wie Michael Eggenschwiler sind zweifellos selten und sehr ungewöhnlich dazu. Mit dieser Wahrnehmung – ob im beruflichen oder privaten Umfeld – müsse er leben, weiss der gebürtige Zürcher. Und er könne mittlerweile gut damit umgehen.

Tierliebe auf Bauernhof gefunden

Aufgewachsen auf dem Land im zürcherischen Dänikon – umgeben von vielen Bauernhöfen –, fand er schon früh Zugang zu den Tieren auf dem Hof. Eine besondere Affinität zu Katzen war beim 43-Jährigen bereits zu dieser Zeit erkennbar. Deshalb erstaunt es nicht, dass diese Vierbeiner mit zu seinen Lieblingen gehören.

Über 100 Katzen hat er bisher an einen guten Platz vermittelt. Der in Steinhausen wohnhafte Michael Eggenschwiler holt sie auf den Bauernhöfen ab und bringt sie zur Kontrolle zum Tierarzt. Nach einer rund zweimonatigen Aufbauphase übergibt er die jungen Katzen jeweils an die neuen Besitzer. Zu seinen potenziellen Kunden gelangt er meistens über die Schaltung eines Inserates. Reich werden kann und will er bei dieser Vermittlung allerdings nicht. Im Gegenteil: Der 43-Jährige investiert viel – nicht nur an Zeit, sondern auch monetär. Michael Eggenschwiler sagt: «Viele glauben zwar, eine Bauernhof-Katze ist gratis. Wenn ich aber meine jeweiligen Kosten zusammenzähle, bin ich schnell bei 150 Franken pro Tier.»

Nur einmal pro Woche Fleisch

Bei einem derart grossen Herz für Tiere mag die Antwort auf die Frage, ob er auch Fleisch esse, erstaunen. «Leider», gesteht Michael Eggenschwiler, fügt aber sofort an: «Nur einmal pro Woche, und es muss ein Schweizer Bio-Produkt sein.» Das Essen von Fleisch rührt bei ihm von seinen Erfahrungen als Triathlet her. Während 15 Jahren betätigte er sich als Leistungssportler. Der Konsum von Fleisch habe sich bei ihm immer wieder positiv auf seine Ergebnisse ausgewirkt.

Orientierungslose Enten gerettet

Seine Rettungsaktionen sind sehr oft nicht geplant. Dazu kommt Michael Eggenschwiler meistens ganz spontan. So etwa unlängst in Sursee: Als drei junge Enten sich auf eine Hauptverkehrsstrasse verirrt hatten, ergriff der Naturfreund sofort die Initiative. Spontan hielt er die Autos an, was ihm das letztlich erfolgreiche Einfangen der Orientierungslosen ermöglichte. Beim Zurückbringen der drei Ausreisser zu ihren Eltern fand er 20 weitere watschelnde Artgenossen vor, die sich an der Suche der drei Jungen beteiligt hatten. Diese Artgenossen entfernten sich nach geglückter Rettungsaktion genauso schnell und zufrieden wieder, wie es Michael Eggenschwiler tat.

Sein Traum ist ein Katzenheim

Bei all dem Gegenwind, der ihm bisweilen von Kritikern entgegenbläst: Michael Eggenschwiler will an seiner Freiwilligenarbeit – an seiner grossen Passion, sein Herz für Tiere schlagen zu lassen – festhalten. Genauso wie er seinen grossen Traum – einst einen Katzenfreizeitpark für Familien verbunden mit einer Katzenpension zu betreiben – nicht loslassen möchte. Doch bis dorthin wartet auf ihn noch ein langes Wegstück. Wie er es bewältigen will, weiss er noch nicht. «Man muss die Welt nicht verstehen, sondern lediglich seinen Platz darin finden», sagt der Mann mit dem grossen Herz für Tiere. Und diesem Finden würde er mit der Erfüllung seines Traumes ganz bestimmt einen grossen Schritt näher kommen.