STEINHAUSEN: Er ist ein Bienenflüsterer

Friedrich Arnet hat 34 Jahre den Posten des Präsidenten beim Zuger Kantonalen Imkerverein bekleidet und ihn nun für ein Nachfolger frei gemacht.

Andrea Muff
Drucken
Teilen
Friedrich Arnet in seiner Wohnung in Steinhausen. Bild: Stefan Kaiser (13. Dezember 2016)

Friedrich Arnet in seiner Wohnung in Steinhausen. Bild: Stefan Kaiser (13. Dezember 2016)

Die Biene gehört zu Friedrich Arnet (71) wie der Honig auf ein Stück Sonntagszopf. Der Steinhauser war 42 Jahre im Vorstand des Zuger Kantonalen Imkervereins und gar 34 Jahre dessen Präsident. An der kürzlich abgehaltenen Generalversammlung reichte er den Stab weiter an Gusti Schuler. «Mit ihm haben wir einen würdigen Nachfolger gefunden», freut sich Friedrich Arnet.

Der Imkerverein zählt 172 Mitglieder. Neben diesem Imkerverein gibt es im Kanton Zug nur noch einen anderen, den Imkerverein Ägerital. Friedrich Arnet macht klar: «Wir sind gut aufgestellt, haben ein kompetentes Bieneninspektorat und auch die Bienendichte im Kanton Zug ist einwandfrei.» Es sei schwierig, für neue Imker geeignete Plätze zu finden. «Der Verein kümmert sich um eine gute Verteilung.»

Imkerei als Familientradition

Friedrich Arnet beschäftigt sich von Kindsbeinen an mit den fleissigen Insekten. «Es ist eine Familientradition – Grossvater, Vater, Onkel und Tante waren alle Imker», erklärt Arnet. Und die Begeisterung für das Tier färbte auf seinen Sohn ab – auch dieser ist Imker und im Vorstand des Vereins tätig. Arnet gibt aber zu, für die Familie war seine Leidenschaft nicht immer ganz einfach. «Als ich noch gearbeitet habe, betreute ich nebenher über 80 Bienenvölker. Da war ich im Mai und Juli/August nicht oft zu Hause.» Im Mai besteht ein Bienenvolk aus einer Bienenkönigin, ein paar hundert Drohnen und 20000 bis 40000 Bienen. Der Imker nimmt in besagtem Monat die Zuchtarbeit auf und bildet auch sogenannte Jungvölker. In die Monate Juli und August fällt die Erntezeit des Waldhonigs. «Meine Frau hilft mir beim Schleudern und bei der Vermarktung des Honigs. An der GV wurde ihr ein schöner Blumenstrauss geschenkt, weil sie mich all die Jahre mit den Bienen teilen musste», sagt Arnet und lächelt verschmitzt.

Das Ziel: Das ganze Jahr Honig liefern

Seit sechs Jahren ist Arnet pensioniert und betreut heute hundert Standvölker und ungefähr 40 Jungvölker. «Honig aus der Region ist Mangelware, deshalb habe ich nie Mühe, ihn zu verkaufen», erklärt der Steinhauser Imker. Seinen Honig bekomme man in lokalen Läden oder «an der Tür». Er gibt zu: «Davon könnte ich nicht leben.» Das Ziel sei vielmehr, das ganze Jahr liefern zu können. «Dieses Jahr ist das aber schwierig – die Bedingungen waren nicht gut.»

Der Pensionär hatte neben dem Präsidium im Vereinsvorstand zwei Hauptaufgaben: diejenige des Beraters und des Kursleiters. Im zweijährigen Grundausbildungskurs vermittelte er eine artgerechte Haltung und wie man eine erfolgreiche Königinnenzucht beginnen kann. Als Bildungsstätte gibt es beim Schluechthof in Cham einen Lehrbienenstand. Diesen kann der Verein nutzen. «Die angehenden Imker lernen den richtigen Umgang mit den Bienen, und ich nehme ihnen die Angst vor Stichen», erklärt der Imker. Dabei ist die Bekleidung wichtig: «Kleider aus Wolle erinnern die Bienen an den Bären, ihren natürlichen Feind.» Deshalb trage ein Imker beispielsweise besser Leinen.

Der Geruch verrät, ob ein Volk angreift

Seit langem züchtet der ehemalige Vereinspräsident Königinnen. «Ich kenne meine Völker so gut, dass ich anhand des Summens erkenne, ob eine Biene angreift und mich stechen will.» Doch nicht nur die Geräusche seien anders: «Es riecht nach Ameisensäure, wenn ein Bienenvolk wütend ist.» Für den 71-Jährigen steht aber fest: «Sanftmütige Bienen kann man sich züchterisch erarbeiten. Ich will keine bösen Völker.» Generell meint Arnet zu den Stichen: «Die sind grundsätzlich lästig, aber kommen vor.» Das Imkerhandwerk beruhe auf Erfahrung und Geduld: «Eine Bienenzucht ist äusserst anspruchsvoll und man lernt ein Leben lang nicht aus.»

In der Präsidentschaftszeit hatte Arnet nach eigenen Angaben drei Höhepunkte zu verzeichnen. Vor 21 Jahren habe er die Umstellung von der Landrasse auf die Rasse der Carnica vorangetrieben. 1989 sei er an der 100-Jahr-Feier und 2014 am 125-Jahr-Jubiläum dabei gewesen. In seiner Festrede 2014 wies Arnet vor allem auf die Bedeutung der Biene hin: «Kein anderes Tier hat für die Wirtschaft und den Kreislauf der Natur eine so grosse Bedeutung.»

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch