STEINHAUSEN: «Es tut schon etwas weh zu gehen»

Nach drei Jahren Seelsorge hört die beliebte Pfarrerin Anja Niederhauser in Steinhausen auf. Sie folgt der Liebe.

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Die reformierte Pfarrerin Anja Niederhauser (28). (Bild Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Die reformierte Pfarrerin Anja Niederhauser (28). (Bild Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Mein Gott: Anja Niederhauser – wie sieht der für Sie aus?

Anja Niederhauser: Aussehen tut er gar nicht. Ich kann mir nichts Personelles unter Gott vorstellen. Ich kann nur sagen, dass er immer da ist – als letzter Grund, der einen trägt.

Sie sind Pfarrerin. Trotzdem: Was macht Sie so sicher, dass es Gott gibt?

Niederhauser: Ich weiss nicht, woher der Glaube an Gott kommt. Manchmal habe ich auch so meine Zweifel. Denn das Leben kann ab und zu wirklich gemein sein. Vielleicht ist der Glaube einfach ein Geschenk. Der Glaube an Gott und Jesus Christus sollte uns Menschen jedenfalls ein Urvertrauen vermitteln. Ein Vertrauen und eine Freiheit für uns selbst, dass wir dafür einstehen können, wie wir denken. Dass man sich nicht einfach um 180 Grad drehen muss – nur weil es vielleicht der Markt erfordert. Oder weil es cool ist. Der Glaube ermöglicht es uns, in Konsequenz zu leben.

Wenn man Ihnen zuhört, kann man verstehen, dass die Menschen in Steinhausen gerne zu Ihnen in den Gottesdienst gekommen sind. Werden Sie Steinhausen nicht vermissen?

Niederhauser: Doch, natürlich. Mir tut es schon etwas weh zu gehen. Schliesslich ist meine Arbeit als Pfarrerin nicht nur irgendein Job. Ich bin gerne drei Jahre hier gewesen.

Viele verstehen eigentlich immer noch nicht, warum Sie überhaupt gehen.

Niederhauser: Das hat verschiedene Gründe. Erstens will ich mich beruflich verändern. Zweitens möchte ich endlich mit meinem Partner in Zürich zusammenwohnen. Wobei ich nicht – wie das Gerücht geht – schwanger bin. Eine Familie möchte ich derzeit nämlich noch keine gründen.

Haben Sie denn schon eine neue Stelle?

Niederhauser: Wenn ich ab 1. Juni nicht mehr Pfarrerin von Steinhausen bin, wird meine Homepage www.inewigkeitamen.ch aufgeschaltet. Ich möchte zunächst als freie Theologin weiterarbeiten. Ausserdem trete ich ab Montag in Weinfelden eine dreimonatige Stellvertretung im Thurgau an – wo ja meine Heimat ist.

In der Tat eine neue Herausforderung. Ist es für Sie eigentlich ein Ziel, ein möglichst volles Gotteshaus zu haben?

Niederhauser: Nein, denn eine volle Kirche ist schliesslich kein Gradmesser dafür, wie gläubig Menschen sind. In Steinhausen waren es im Schnitt meist zwischen 20 und 40 Personen, die die Gottesdienste besucht haben. Damit bin ich sehr zufrieden. Ich glaube, das war ein guter Besuch.

Interview von Wolfgang Holz

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Samstag in der Neuen Zuger Zeitung.