Steinhausen: Freiwillige Nachbarschaftshilfe kommt ins Rollen

Seit einem Jahr läuft die Nachbarschaftshilfe der Gemeinde unter dem Namen «freiwillig mitenand». Nach den ersten erfolgreichen Einsätzen will man sich nun noch weiter etablieren.

Vanessa Varisco
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Gabrielle Mühlemann und Hans Rüttimann vom Koordinationsteam der Nachbarschaftshilfe «freiwillig mitenand» in Steinhausen. (Bild: PD)

Gabrielle Mühlemann und Hans Rüttimann vom Koordinationsteam der Nachbarschaftshilfe «freiwillig mitenand» in Steinhausen. (Bild: PD)

Ob Aufbau eines Schrankes, Montage einer Garderobe oder Arbeit im Garten – im letzten Jahr konnte die Nachbarschaftshilfe «freiwillig mitenand» in Steinhausen verschiedenste Aufträge vermitteln. Rund 120 Stunden Arbeit wurden geleistet – und das noch ohne den freiwilligen Einsatz des Koordinationsteams eingerechnet. 47 Personen haben Hilfe angeboten und 22 Anfragen für Arbeiten seien eingegangen, laut Gemeinderätin Esther Rüttimann. Im Projekt seien ebenso ältere Menschen wie Jugendliche engagiert. «Die Nachbarschaftshilfe ist den Erwartungen entsprechend angelaufen», freut sie sich.

Dazu habe besonders das Koordinationsteam beigetragen, welches jeden zweiten Donnerstagnachmittag zwischen 14 und 16 Uhr Aufträge entgegennähme und sie anschliessend weitervermittle. «Hans Rüttimann und Gabrielle Mühlemann sind gut vernetzt in der Gemeinde. Durch sie sind viele Steinhauser auf unsere Nachbarschaftshilfe aufmerksam geworden», berichtet die Gemeinderätin und lobt die beiden für ihren grossen Einsatz und das Engagement. Ohne sie wäre es nicht möglich gewesen, dass Projekt erfolgreich zu lancieren.

«freiwillig mitenand» wurde letztes Jahr in kurzer Zeit auf die Beine gestellt und stand ab November Interessierten zur Verfügung. «Wir sind sehr sportlich an das Projekt herangegangen», erinnert sich Rüttimann. Das sei erfreulich gewesen. Dennoch brauche es nun etwas Zeit, um die Nachbarschaftshilfe im Dorf zu verankern. «Wir möchten zukünftig auf grösseren Anklang stossen und mehr Aufträge vermitteln können.

Doch das erfordert Geduld, wie wir auch im Austausch mit Nachbarschaftshilfen aus anderen Gemeinden gehört haben», so Rüttimann. Zur erfolgreichen Etablierung gehöre einerseits, die Bevölkerung für das Angebot zu sensibilisieren und andererseits Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Alle zwei Monate erscheine ein Bericht zur Nachbarschaftshilfe in der Dorfzeitschrift «Aspekte», weiter würden Flyer verteilt und Interviews zum Projekt gegeben. «Wir müssen stets am Ball bleiben», erklärt Rüttimann. Denn der Bedarf an Unterstützung im kleinen Rahmen sei vorhanden, wie sie berichtet.

Hilfe anzunehmen ist schwierig

«Schön wäre, wenn es in Zukunft selbstverständlich ist, Hilfe anzunehmen», überlegt Catherine Wehrli, Abteilungsleiterin Soziales und Gesundes. Denn zwar habe es einige Steinhauser gegeben, die Hilfe angeboten hätten – solche, die Unterstützung bei «freiwillig mitenand» suchen, gebe es zurzeit noch weniger. «Hilfe anzunehmen ist immer schwieriger», führt Rüttimann aus und ergänzt, «Die Hemmschwelle ist grösser.» Besonders ältere Menschen hätten eine andere Mentalität und seien sich nicht gewöhnt, von Auswärtigen Hilfe anzunehmen. Auch überlegen die Hilfesuchenden oftmals zu lange, wo sie Unterstützung brauchen könnten. «Künftig möchten wir den Leuten noch mehr bewusst machen, dass «freiwillig mitenand» auch für kleinere Arbeiten, wie den Aufbau eines Schrankes, Hilfe anbietet», berichtet Wehrli.

Oftmals hätten gerade ältere Menschen keine Angehörigen in der Nähe, die das übernehmen könnten. «Dem wollen wir entgegenwirken und eine Lücke füllen mit der Nachbarschaftshilfe», erklärt Wehrli. Ausserdem entstünden durch dieses Projekt wertvolle Begegnungen und teilweise sogar Freundschaften. «Wir möchten in diesem Stil weiterfahren und den Kontakt zu den Helfenden und Hilfesuchenden aufrechterhalten», betont Rüttimann. Alle seien sehr motiviert, nur teilweise etwas enttäuscht, weil sie noch keinen Auftrag gehabt hätten. «In diesem Fall ist es mir ein Anliegen, dass die Hilfeleistenden sich dennoch wertgeschätzt fühlen», sagt die Gemeinderätin. Denn Freiwilligenarbeit sei sehr wertvoll für die Gemeinde und zu sehen, dass Hilfe ohne Gegenleistung angeboten werde, freue sie. Das Projekt käme sukzessive ins Rollen, was motiviere dranzubleiben. Um Hilfesuchende, Hilfeleistende und dem Koordinationsteam zusammenzubringen, habe es zudem bereits zweimal einen «Höck» gegeben.

Spektrum der Hilfe wird erweitert

Das Spektrum der Nachbarschaftshilfe wird ab dem 8.November durch ein Angebot erweitert. Die «Computeria» wird jeden zweiten Donnerstag zwischen 14und 16 Uhr in der der Bibliothek Steinhausen stattfinden. Angeboten wird dort Unterstützung zu allerlei technischen Geräten wie PC, Tablet, Handy oder Fernseher. «Im Zeitalter der Digitalisierung ist Hilfe solcher Art immer wichtiger», ist sich Wehrli sicher. Ein ähnliches Projekt gebe es bereits in Hünenberg, weshalb man sich von der Gemeinde auch Tipps abgeholt habe. «Wir haben das Rad nicht neu erfunden mit der Nachbarschaftshilfe oder der Computeria, aber es ist bestimmt eine Bereicherung für unsere Gemeinde», erklärt Rüttimann. Man würde mit diesen Angeboten das Gewerbe nicht konkurrieren, wie die Abteilungsleiterin Soziales und Gesundheit betont. «Bei der Computeria werden kleinere Probleme wie das Herunterladen einer App bearbeitet.

Und bei der Nachbarschaftshilfe haben wir Kontakte mit anderen bestehenden Organisationen geknüpft, um Synergien zu nutzen», führt sie aus. So betreibe man beispielsweise keinen eigenen Fahrdienst, sondern nutze jenen vom Schweizerischen Roten Kreuz. Freiwilligen Arbeit lohne sich und sei sinnstiftend, wie die Gemeinderätin und Abteilungsleiterin Soziales und Gesundheit betonen.