STEINHAUSEN: In diesem Fasnachtsgrind warten 14'000 Knaller

Peter von Moos baut seit mehr als zehn Jahren den Steinhauser Steigrind. Dafür braucht er auch Fingerspitzengefühl.

Stephanie Hess
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Gewerkelt hat er schon immer gerne: Peter von Moos baut seit Jahren das Steinhauser Fasnachtsmaskottchen. (Bild: Stefan Kaiser)

Gewerkelt hat er schon immer gerne: Peter von Moos baut seit Jahren das Steinhauser Fasnachtsmaskottchen. (Bild: Stefan Kaiser)

Unzählige rote Päckchen liegen da. Sie sehen aus wie Sprengstoff – eine geballte Ladung Sprengstoff. Bis man sich dann versichert, dass man immer noch neben Peter von Moos in der kühlen Werkstatt in Steinhausen steht. Und nicht etwa ein Terroristenlager betrachtet, sondern das Skelett des neuesten Steigrinds, dem Maskottchen der Steinhauser Fasnachtsgesellschaft. Und dass es sich bei den roten Päckchen eben nicht um Sprengstoff handelt, der da in rauen Mengen an einen zarten Gestell aus Gipserplättli klebt, sondern um mehr als 14 000 Frauenfürze und dazu 36 Raketen.

Wahres Geknalle

«Gerne würde ich auch Luftheuler verwenden», sagt Peter von Moos, «aber das ist zu gefährlich.» Doch auch mit den heute im Steigrind verpackten Feuerwerkskörpern und dem Stroh – damit das Ganze schön brennt – muss er beim Bau viel Fingerspitzengefühl an den Tag legen: «Ich muss Acht geben, dass ich beim Nageln nicht auf den Zünder haue, sonst fliegt mir das ganze Feuerwerk um die Ohren.»

Der 65-Jährige ist seit vielen Jahren Schöpfer des Steigrinds für die Fasnachtsgesellschaft, jedes Jahr wieder neu, jedes Jahr zu einem anderen Thema. Denn am Güdelsdienstag wird der Kopf ja jedes Jahr mit viel Krach und Juhee verbrannt. Ein wahres Geknalle gibt es dann auf der Wiese beim Dorfzentrum zu hören – es ist wohl eine der feuerwerkstärksten Fasnachtsgrindverbrennungen im Kanton.

«Ich weiss nicht genau, es könnte der 13. Steigrind sein, den ich jetzt baue, behaften Sie mich nicht darauf», sagt der Mann mit den grau glänzenden Haaren, die Arme über der Brust verschränkt. Und es werden wohl noch ein paar Grinde dazukommen – Peter von Moos denkt noch nicht gleich ans Aufhören. Nichtsdestotrotz hat er bereits eine Dokumentation für seinen Nachfolger zusammengestellt.

Mit Hut und Augenklappe

In diesem Jahr soll der Steigrind ein Pirat werden, getreu dem Fasnachtsmotto «Piratin aus Leidenschaft» der am Wochenende eingesetzten Steimuetter Christina I. «Er wird noch einen Seeräuberhut kriegen, wohl auch eine Augenklappe und eine Schärpe mit Totenkopf-Emblem», erzählt Peter von Moos. Wenn dann die Lattenkonstruktion mit Tapeten zugekleistert ist, übernimmt Armin Gabathuler die Deko- und Malerarbeiten. «Das ist nicht so mein Ding», sagt der gelernte Coiffure, der in den letzten 30 Jahren im Aussendienst in der Parfümeriebranche gearbeitet hat. Seit Oktober des letzten Jahres ist er pensioniert. «Gewerkelt habe ich immer gerne», erzählt der Fasnächtler mit Haut und Haaren, der auch langjähriges Vorstandsmitglied in der Fasnachtsgesellschaft war. Ein Verein, der leider je länger je mehr um Mitglieder kämpfen müsse. «Die Jungen gehen heute eher in die Guggenmusik als in die Fasnachtsgesellschaft.» Daher müsse man denjenigen Leuten, die viel für den Verein tun, auch danken, sagt von Moos und packt die Gelegenheit beim Schopf: «Danke an Armin Hofstetter, dass wir seine Werkstatt nutzen können. Danke an Anton Karl Zürcher für die Wiese, wo die Verbrennung stattfindet.»

40 Arbeitsstunden investiert Peter von Moos in den Steigrind, bis dieser schliesslich seinen ersten öffentlichen Auftritt hat. Am Fasnachtsfreitag, also in rund zwei Wochen, wird das Maskottchen erstmals am Steinhauser Fasnachtsumzug mit der Steimuetter unterwegs sein. Bis am Dienstag folgen diverse Auftritte an Umzügen im ganzen Kanton. Peter von Moos hofft dabei auf gutes Wetter: «Die Knaller sind zwar in Plastik eingepackt, aber trotzdem werden sie manchmal feucht.» Ob alles geklappt habe, sehe man dann erst bei der Verbrennung.