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STEINHAUSEN: Ist mein Glaube tief genug?

Sie ist 53 und wird wohl 2018 ihre erste Stelle als reformierte Pfarrerin antreten. Die Kirche hat im Leben der Steinhauserin Monika Hirt aber schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Doch hatte sie Zweifel, ob sie für den nächsten Schritt bereit ist.
Christopher Gilb
In der Kirche in Affoltern am Albis hält Monika Hirt die diesjährige Neujahrspredigt. (Bild: Werner Schelbert (Affoltern, 15. Dezember 2017),)

In der Kirche in Affoltern am Albis hält Monika Hirt die diesjährige Neujahrspredigt. (Bild: Werner Schelbert (Affoltern, 15. Dezember 2017),)

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Wenn Monika Hirt von ihrem zukünftigen Beruf spricht, lässt sie keinen Zweifel daran, dass es für sie der richtige ist. Die anfänglich zurückhaltend wirkende 53-jährige Steinhauserin zählt dann leidenschaftlich auf, was der Beruf der Pfarrerin aus ihrer Sicht alles bietet. «Der soziale und seelsorgerische Aspekt, man begleitet und ermutigt Menschen, die intellektuelle Komponente – wenn man eine Predigt formuliert, ist das richtige Denkarbeit – das Organisatorische, das Administrative und dann gibt es noch die praktischen Aspekte, wenn man für die Gemeinde kocht oder ein Lager leitet.» Sie sei eine Allrounderin, darum passe der Beruf so gut zu ihr. Monika Hirt sitzt während des Interviews im Büro der reformierten Kirchgemeinde Affoltern am Albis, bei der sie ihr einjähriges Vikariat, der praktische Teil der Pfarrerinnenausbildung, absolviert.

Wer ihr Interesse für einen Kirchenberuf nachvollziehen will, muss weit zurückgehen. Schon ihre Eltern haben sich ehrenamtlich in der reformierten Kirche engagiert. «Diese war immer Teil meines Lebens», sagt sie. Hauptsächlich in Baden aufgewachsen, begann sie sich in den 80er-Jahren in der kirchlichen Jugendarbeit einzubringen. «Diese war sehr politisch, es war die Zeit der Friedensbewegung.» Diese Kombination aus Politischem und Kirchlichem sei es gewesen, die ihr gefallen habe. «Es ging um eine bessere Welt.» Zum Studium ging sie nach Freiburg und Göttingen. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Ethnologie. Theologie war noch kein Thema. Rückblickend sei auch diese Zeit und die Jahre bis zur Taufe ihrer Kinder, jene gewesen, in der sie am wenigsten kirchlich aktiv war. «Die Ortswechsel, die verschiedenen Studienfächer, da beschäftigten mich andere Dinge.» Danach war sie forschend in Projekten zu sozialwissenschaftlichen Themen, an der Schnittstelle, wie sie sagt, zwischen Universität und Wirtschaft tätig. Es ging um die Vereinbarkeit von Frauen und Beruf.

In Steinhausen wurde sie sesshaft

Während der Jahre nach dem Studium wechselte sie mehrfach den Wohnort, lebte in Basel, wo sie sich auch in der SP engagierte, und zuletzt in den USA. Zwischenzeitlich verheiratet und dreifache Mutter folgte sie 1996 ihrem Mann, der eine neue Stelle antrat, in den Kanton Zug nach Steinhausen. «Dort suchte ich eine Möglichkeit, mich zu engagieren, ich bin einfach nicht gerne untätig», erzählt sie. Über die Kinderkrippe lernte sie Frauen kennen, die sich bei der frischen Brise, wie sich die Mitglieder der Alternative-die Grünen Zug aus Steinhausen nannten, engagierten. «Ich merkte, wir haben familienpolitisch die gleichen Ziele.» Schon 1998 kandidierte Monika Hirt das erste Mal für den Zuger Kantonsrat, auch 2014 trat sie nochmals an. «Ich wurde zwar nicht gewählt, gewann aber an Bekanntheit in der Gemeinde und im Kanton.» In der gleichen Zeit, in der sie sich wieder politisch zu engagieren begann, begann sie sich auch wieder in der Kirche zu engagieren. Auslöser war die Taufe ihrer Kinder. «Es war mir wichtig, dass diese nicht nur als ein Ritual gefeiert wird, an dem man einmal in die Kirche geht und sich dann nie wieder blicken lässt.» So begann sie, wieder in den Gottesdienst zu gehen, und bei Aktivitäten mitzuhelfen. Kurz darauf trat eine Kirchenrätin aus Steinhausen zurück. «Auch die Nachfolge sollte von einer Steinhauserin übernommen werden. Sie kamen auf mich, vielleicht auch, weil die kirchliche Behördenarbeit viele politische Komponenten hat und ich da schon einige Erfahrung mitbrachte.» Und dann, so sagt sie: «Wurde das kirchliche Engagement zu meinem Beruf.» Zwei Amtszeiten waltete sie unter anderem als Kirchenratspräsidentin des Kantons Zug.

Anfänglich sei ihr kirchliches Engagement sehr sozialethisch geprägt gewesen. «Ich realisierte dann aber, dass der Glaubensaspekt immer mehr Raum bei mir einnimmt.» Zudem habe sie in der Zusammenarbeit mit Pfarrerinnen und Pfarrern gemerkt, wie toll deren Beruf doch sei. «Was mich davon abgehalten hat, schon früher Theologie zu studieren, war die Frage, ob die Art, wie ich glaube, tief genug ist, um den Glauben überzeugend an andere vermitteln zu können», so Hirt. Das Gute an der reformierten Landeskirche aber sei, dass nicht der Anspruch herrsche, zu sagen: «Das ist der richtige Glaube.» «Es geht viel mehr darum, ein Umfeld zu bieten, in dem sich jeder mit dem Glauben auseinandersetzen kann. Und als Pfarrperson, die aufgrund des Studiums über gewisse Grundlagen verfügt, kann ich dabei unterstützen.»

Vor sechs Jahren, im Alter von 47, begann sie in Zürich ein Vollzeitstudium in Theologie. «Meine Kinder fanden diesen Entscheid anfänglich richtig uncool. Im Kirchenrat zu sein, war noch in Ordnung, aber dass die Mutter als Pfarrerin dort vorne steht, fanden sie komisch.» Das sei nun aber nicht mehr so. Auch ihr Mann unterstütze sie sehr. «Da ich während des Studiums nichts verdiente, begann er wieder 100 Prozent zu arbeiten.» Der Naturwissenschafter habe einen viel kleineren Bezug zur Kirche als sie, habe sie jedoch immer unterstützt.

Erste Absolventin des Quereinsteiger-Studiengangs

Ob das noch ginge, so alt zu studieren? Diese Frage habe sie in den folgenden Jahren oft gehört. Dabei sei die Studentenschaft altersmässig sehr durchmischt gewesen. «Ich hatte sogar Vorteile. Da ich das nicht zum ersten Mal machte, hatte ich schon Übung darin, mich richtig zu organisieren.» Nur lernen nach 20 Uhr abends sei nicht mehr gegangen. Während sie schon studierte, führte die reformierte Kirche zusammen mit den Fakultäten in Basel und Zürich ein neues Angebot ein, den Studiengang zum Quereinstieg ins Pfarramt. Dieser richtet sich an Personen, die eine neue berufliche Richtung einschlagen wollen, und dauert weniger lang als ein klassisches Theologiestudium. «Mir ist es wichtig, auch noch einige Jahre den Beruf ausüben zu dürfen.» Monika Hirt ist die erste Absolventin des neuen Studiengangs. Im Anschluss begann sie dann im Sommer ihr Vikariat in Affoltern. Pfarrer Werner Schneebeli ist dort ihr Vikariatsleiter. Monika Hirt sei kein Einzelfall, sagt er. «Der Entscheid für den Pfarrerberuf wird heute selten in den Jugendjahren gefällt, sondern kommt mit der Zeit, wenn man seine Erfahrungen gemacht hat.» Glaube und Religion seien eben unglaublich spannende Bestandteile der Gesellschaft. «Und irgendwann reizt es dann, diesen beispielsweise in einem Studium auf den Grund zu gehen und sich dann auch durch die Arbeit als Pfarrerin in der Praxis damit auseinanderzusetzen.» Er finde diese Entwicklung gar nicht schlecht, komme man doch in der Seelsorge oft mit Menschen in Extremsituationen in Kontakt, wofür etwas Lebenserfahrung nicht schaden könne.

Gelernt, sich zurück- zuhalten

Monika Hirt hat diese. Durch ihren ältesten Sohn, den 23-Jährigen, der eine geistige Behinderung hat, habe sie beispielsweise gelernt: «Dass die eigenen Massstäbe nicht immer die der anderen sein müssen, das hilft mir, mich zurückzuhalten, zuzuhören und mich so besser in die andere Person hineinversetzen zu können.» Diese Erfahrung spielt bei ihrer politischen Themenwahl, aber auch ihrem Vorgehen in der seelsorgerischen Arbeit eine Rolle. In Affoltern ist sie derzeit in der Seelsorge tätig, betreut Konfirmanden und leitete auch schon den Gottesdienst. Nur etwas musikalischer wäre sie gerne, verrät sie. «Gerade mit den Jugendlichen wäre es praktisch, sich die Gitarre schnappen zu können, um die Stimmung aufzulockern.» Besser kaschieren könne sie es während des Gottesdienstes, da setze sie einfach eher auf populäre Lieder, bei denen alle mitsingen könnten.

Ihre erste Predigt in Affoltern hielt Monika Hirt an einem besonderen Tag, dem 5. November dieses Jahres, dem Reformationstag. «Es war schon etwas Spezielles, vor allem da 2017 auch noch das Reformationsjubiläum gefeiert wurde.» Auch im Gottesdienst am morgigen Silvestertag wird sie eine halten. «Es geht gemäss der Themenempfehlung für diesen Sonntag um die Flucht vor den Ägyptern, als Gott das Meer teilte.» Sie wird dies als Beispiel dafür interpretieren, dass Gott einen auch heute begleitet und mit den Kirchgängern über Lebenswege und gute Vorsätze im neuen Jahr nachdenken.

Dass Gott einen begleitet, stimmt auch Monika Hirt selbst zuversichtlich. Doch damit sie wirklich Mitte nächsten Jahres ihre Ausbildung erfolgreich beenden kann, muss sie erst noch ein eigenes Projekt realisieren. Sie hat sich dafür entschieden, ein Projekt der reformierten Landeskirche auf die Kirchgemeinde in Affoltern herunterzubrechen. Dieses richtet sich an die vielen Kirchenmitglieder, die deren Angebote kaum nutzen. «Es geht darum, eine Kommunikationsform zu finden, auch diese Art der Kirchenmitgliedschaft zu würdigen.» Dies könnte in Affoltern beispielsweise in Form eines Dankesbriefes geschehen. «Denn alleine schon durch ihre Bereitschaft, Kirchensteuer zu zahlen, leisten sie einen wichtigen Beitrag.» Wie es dann nach dem Sommer für sie weitergeht, ist noch unklar. «Ich hoffe, bald eine Stelle übernehmen zu können.» Dafür könnte aber auch ein Umzug nötig werden. Denn in der reformierten Kirche herrscht für Gemeindepfarrer vielfach eine Wohnsitzpflicht. Manchmal habe sie deswegen etwas Wehmut, fühle sie sich doch sehr wohl in Steinhausen. «Es überwiegt aber die Lust, endlich den Beruf ausüben zu können», so Hirt.

Hinweis

In unserer Jahresendserieporträtieren wir Zugerinnen und Zuger, bei denen im Jahr 2018 eine grosse Veränderung ansteht.

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