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Steinhausen: Konflikte im Erholungsraum Wald

Das Bevölkerungswachstum macht sich auch in den Wäldern bemerkbar. Die Waldgenossenschaft reklamiert für ihren Mehraufwand einen höhere Entschädigung von der Gemeinde.
Raphael Biermayr
Es herrscht immer mehr Betrieb im Steinhauserwald. Auf dem Bild sind Velofahrer beim Waldsee zu sehen. (Bild: Stefan Kaiser (Steinhausen, 29 Mai 2018))

Es herrscht immer mehr Betrieb im Steinhauserwald. Auf dem Bild sind Velofahrer beim Waldsee zu sehen.
(Bild: Stefan Kaiser (Steinhausen, 29 Mai 2018))

Das Erholungskonzept der Gemeinde Steinhausen und der ansässigen Waldgenossenschaft (WGS) hat es trotz seines harmlosen Namens in sich. Es geht um nichts weniger als die Frage, ob und wie tief die öffentliche Hand und damit die Steuerzahler für die Bewirtschaftung des Steinhauserwalds und des Zimbelwalds in die Tasche greifen sollen. «Vielen ist nicht klar, dass die Wälder in privater Hand sind und sie darin Regeln zu befolgen haben», sagt der zuständige Gemeinderat Andreas Hürlimann (Grüne).

Beda Schlumpf, der Präsident der WGS, zeigt den Konflikt zwischen den Waldeigentümern und den Freizeitnutzern an einem Beispiel auf: «Unser Förster hat einen Waldweg gesperrt, um Holz zu schlagen. Ein Biker zeigte sich davon unbeeindruckt und wollte weiterfahren. Als Begründung gab er an, das sei auch sein Wald.» Solche Situationen würden immer häufiger vorkommen.

Keine alternative Naherholungsgebiete

Auch der Gemeinde sind Auseinandersetzungen bekannt. Der Steinhauserwald sei «extrem stark frequentiert», sagt Andreas Hürlimann im Politikersprech. Das klingt dramatisch. Angesichts des starken Bevölkerungswachstums in Steinhausen und umliegenden Gemeinden ist aber zumindest eine deutliche Zunahme von Erholungssuchenden nicht von der Hand zu weisen. Kommt dazu, dass die von der Fläche her kleinste Zuger Gemeinde nicht über alternative Naherholungsgebiete verfügt: Das einzige nennenswerte Gewässer befindet sich im Steinhauserwald – der Waldsee.

Die Steinhauser Wälder

Nach Hürlimanns Ausführungen werde es manchmal eng im Wald, wo die Natur und der Mensch mit- aber auch nebeneinander zurande kommen müssen. Es gebe beispielsweise Amphibienlaichplätze «von nationalem Interesse», die es vor menschlichem Zugang zu schützen gelte, heisst es in erwähntem Konzept. Dieses zählt in verschiedenen Bereichen 65 Massnahmen auf, deren Umsetzung Gegenstand von weiteren Gesprächen sei. So wird etwa die Berechtigung der Gemeindestrasse nach Uerzlikon in Frage gestellt, eine Parkordnung vorgeschlagen oder ein öffentliches WC beim Waldsee thematisiert.

Ein unschöner Nebeneffekt

Die Eigentümer haben keine andere Wahl, als ihre Wälder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen: Jene sind vom Kanton als «Wälder mit besonderer Erholungsfunktion» ausgewiesen und die Öffentlichkeit hat das gesetzlich verordnete Recht, die Wälder zu nutzen. Das bringt für die Eigentümer die auch andernorts bekannten unschönen Nebeneffekte mit sich: «Es ist, als wenn man seinen Garten zu Hause allen zugänglich machen und dabei erst noch hoffen muss, dass die Besucher ihren Abfall nicht herumliegen lassen», so Beda Schlumpf.

Für den damit einhergehenden Mehraufwand will die Waldgenossenschaft nun – neben der Unterstützung vom Kanton – auch von der Gemeinde entschädigt werden. Bislang zahlte diese gemäss Schlumpf «nur kleine Beiträge» an die WGS und leistete einen Teil des Unterhalts, was mit einem 40-Prozent-Pensum beziffert wird. Die WGS sei dankbar für den Austausch mit der Gemeinde und dem Kanton, sagt Schlumpf.

Andere Gemeinden würden diesbezüglich aber schon einen Schritt weiter sein; welche, will er nicht öffentlich sagen – es steckt offenkundig eine Menge politischer Zunder in diesem Thema. Wie hoch eine mögliche Entschädigung im Fall der Gemeinde Steinhausen ausfallen soll, ist Gegenstand von Abklärungen. «Es sind mehrere zehntausend Franken, die wir aufwenden», behauptet Schlumpf.

Leidensdruck gestiegen

Dieses Thema ist offenbar alles andere als neu. Das Steinhauser Erholungskonzept, das gemäss dem Gemeinderat Hürlimann bezüglich Detailliertheit schweizweit vorbildlich sei, ist das Resultat von Diskussionen, die vor längerem angestossen worden seien, sagt Schlumpf. Damals war der Leidensdruck aber geringer als heute: einerseits wegen der erwähnten Bevölkerungszunahme, andererseits wegen der finanziellen Situation der WGS. «», erklärt Schlumpf, der einer von 34 Genossenschaftlern ist. Statistiken des Bundes zum Thema Holzpreis- und Salärentwicklung belegen seine Ausführungen. Die WGS finanziere sich mittlerweile über Reserven aus besseren Zeiten. «Aber die sind bald aufgebraucht.»

Das letzte Wort in Sachen finanzielle Zuwendung an die WGS dürften die Steuerzahler an künftigen Gemeindeversammlungen – zum Beispiel im Rahmen des Budgets – haben. Was, wenn es keine Entschädigung seitens der öffentlichen Hand geben sollte? «Die Konsequenz wäre, dass wir weniger in die Bewirtschaftung und in die Qualität des Waldes investieren könnten», sagt Schlumpf, «damit wäre ein Waldbesuch unter Umständen nicht mehr sicher.»

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