Steinhausen mit finanziellem Polster für «harte Jahre»

Die Gemeinde weist in der Rechnung 2019 ein Ertragsüberschuss von 8 Millionen Franken aus. Werden nun die Steuern gesenkt?

Andrea Muff
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Der Dorfplatz in Steinhausen mit dem Rathaus.

Der Dorfplatz in Steinhausen mit dem Rathaus.


(Bild: Matthias Jurt, Cham, 9. April 2020)

Es scheint, als wäre der Finanzhimmel über Steinhausen wolkenlos. Doch der Schein trügt. «Natürlich freue ich mich als Finanzchefin über das gute Ergebnis», sagt FDP-Gemeinderätin Carina Brüngger-Ebinger. Denn die Jahresrechnung 2019 schliesst mit einem Ertragsüberschuss von rund 8 Millionen Franken ab. Budgetiert war ein Aufwandüberschuss von rund 450000 Franken. Das Plus ist vor allem den Mehreinnahmen von 7 Millionen bei den Steuern geschuldet. «Diese sind aber nicht nachhaltig», stellt Carina Brüngger klar.

Die Einnahmen stammen insbesondere aus früheren Jahren. «Bei der Aufarbeitung der Steuerrechnungen der Jahre 2014/15 resultierten bei gewissen Firmen höhere Steuern.» So konnte bei den juristischen Personen 3,7 Millionen Franken mehr Steuern vereinnahmt werden, was gegenüber dem Vorjahr eine Erhöhung von total 6 Millionen Franken ausmacht. Bei den natürlichen Personen fiel der Fiskalertrag um 1 Million Franken höher aus als budgetiert. Der Mehrertrag von insgesamt 4,7 Millionen Franken macht somit ein Plus von 14 Prozent aus. Hinzukommt der einmalige Mehrertrag bei den Grundstückgewinnsteuern von 1,9 Millionen Franken.

«Wir merken, den Firmen geht es besser, oder es ist ihnen zumindest bis diesen Februar besser gegangen», sagt die Finanzchefin und verweist damit auf die momentane Coronakrise. Carina Brüngger erwartet demnach einen Einbruch der Steuereinnahmen in den Jahren 2020/21. «Das werden harte Jahre», konstatiert sie. Weiter wird auch die nationale Steuerreform und AHV-Finanzierung Staf die Steinhauser Steuerkasse treffen. «Wir haben wenige Holdings und werden daher eher zu den Gemeinden gehören, die mit Steuereinbussen rechnen müssen.»

Rathaus-Umbau kommt ins nächste Rechnungsjahr

Auf der Seite der Aufwände wirtschaftete die Abteilung Bau und Umwelt gut und verzeichnete einen Minderaufwand von 1,2 Millionen Franken. Hingegen war der Nettoaufwand der Abteilung Bildung und Schule um rund 190000 Franken höher als budgetiert. Weniger ausgegeben wurde auch in der Abteilung Soziales und Gesundheit. Obwohl der Aufwand bei der ambulanten und stationären Langzeitpflege gegenüber dem Budget um 180000 Franken höher ausgefallen ist. Der Nettoaufwand bei der wirtschaftlichen Sozialhilfe nahm jedoch gegenüber dem Budget um 112000 Franken und beim Sozialdienst um 167000 ab. Ebenfalls wurde rund 500000 Franken weniger abgeschrieben als budgetiert. Der Grund liegt darin, dass die Abschreibung des Umbaus der Bahnhofstrasse 3, also des Rathauses mit Dorfplatz, erst ab dem Rechnungsjahr 2020 erfolgen wird. «Das neue Rathaus konnten wir erst diesen März beziehen, deshalb taucht die Abschreibung erst im nächsten Jahr auf», erklärt Brüngger. Damit liegen die Investitionsausgaben mit 11,5 Millionen Franken um 3,8 Millionen Franken tiefer als budgetiert. Die nächste grosse Investition wird in die Sanierung des Schulhauses Feldheim fliessen.

Der hohe Überschuss indes wird in der Gemeinde wohl wieder für eine Diskussion über die Senkung des Steuerfusses sorgen. Dieser liegt seit Jahren unverändert bei 60 Prozent. «Wir analysieren die Situation», sagt Carina Brüngger. Die Entscheidung sei schwierig, weil man nicht wisse, wie sich der Lockdown auf die Zukunft auswirken und wie lange er noch andauern werde. «Es steht fest, dass die Wirtschaft bereits jetzt Schaden genommen hat», so die FDP-Gemeinderätin. Ebenfalls diskutiert wird, ob ein Teil des Überschusses auf eine andere einmalige Art zurück an die Bürger oder die Unternehmen fliessen soll. Über die definitive Gewinnverwendung wird die nächste Gemeindeversammlung befinden, welche für den 9. Juni geplant ist.