STEINHAUSEN: «Sie sind vernünftiger und trinkfester»

Fasnacht kennt keine Altergrenzen – den lebenden Beweis lieferte der Straccerball am Freitagabend.

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Fröhliche Stimmung am Straccerball. (Bild Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Fröhliche Stimmung am Straccerball. (Bild Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Auf vier kleinen Pfeilern steht die Kafistube am Straccerball vor dem Schulhaus Sunnegrund in Steinhausen und wird dem Ruf einer Kafistube entschieden gerecht. Denn drinnen ist es laut, warm, ein bisschen muffig vom Rauch der «Chrummen» und den anderen Stumpen. Die Fensterscheiben sind angelaufen und folkloristische Klänge klingen von der kleinen Band in der Ecke durch den ganzen Raum. Kafi Zwätschge ölen die vom Mitsingen wunden Kehlen und heizen die Stimmung weiter an.
Dass diese Hütte mit seinem Ländler nicht altbacken wirkt, ist dem auffallend altersgemischten Publikum zu verdanken, das sich dort vergnügt. Von jungen Mädchen, die sich als Teufelinnen verkleidet haben, bis hin zu den ältern Semester, deren Kostüm aus einem Pailettenhaarband mit einer grossen Feder besteht: Alle sitzen auf den quietschenden Holzbänken, schlagen ab und zu mal auf den Tisch, wenn der Nachbar einen besonders guten Witz erzählt und trinken warmen Kaffee mit Alkohol aus weissen Styroporbecher.
Ein grosses, alkoholseliges Zusammengehörigkeitsgefühl über die Altersgrenzen hinweg, heraufbeschworen in einer Hütte auf vier Pfeilern.

Altersdurchmischung zelebriert
Diese breite Alterspalette an ihrem Ball liegt den Straccern denn auch besonders am Herzen. Matthias Schleiss, der seit einem Jahr als Präsident der Steinhauser Guggenmusik amtet, findet: «Es entsteht einfach ein gutes Klima, wenn Jung und Alt zusammen feiern.» Um den älteren Semestern denn auch zu zeigen, dass sie ebenfalls willkommen sind, hat man am Straccerball schon seit einigen Jahren die Regelung eingeführt, dass über 35-Jährige gratis Eintritt erhalten.
«Viele in diesem Alter fragen sich wahrscheinlich, was sie an einem solchen Ball sollen, wenn da eh nur junge Leute sind. Wir wollen mit dieser Regelung zeigen, dass wir Freude haben, wenn auch ältere Fasnachtsfans an unseren Ball kommen», sagt Matthias Schleiss, der selber erst 20 Jahre alt ist. Auch in seiner Guggenmusik wird diese Altersdurchmischung zelebriert.
«Der Älteste bei uns im Verein ist 38 und der Jüngste 19.» Und was können denn die älteren Fasnächtler besser als die jüngeren? «Ich würde sagen, sie sind vernünftiger und auch ein bisschen trinkfester», meint Schleiss schmunzelnd.
Martha Gottschalk und Ruedi Padrun stehen mitten in der bunt dekorierte Turnhalle des Steinhauser Schulhauses, umringt von um einiges jüngeren Fasnächtlern, die zu Hitparaden-Musik tanzen. Sie sind zwei der Besucher, die von diesem alterbedingten Gratis-Eintritt profitieren konnten.

Vernünftiger aber weniger fit
Martha Gottschalk ist begeistert: «Ich finde diese Idee sehr gut. Es zeigt, dass wir hier willkommen sind.» Ihr Begleiter nickt zustimmend. Und beide sprechen die Durchmischung des Alters an einem solchen Anlass als sehr positives Erlebnis an. «Vielleicht«, so meint Martha Gottschalk, «sind die über 35-Jährigen etwas vernünftiger als die jüngeren Fasnächtler, dafür sind diese wahrscheinlich noch ein bisschen fitter beim Feiern.» Fehl am Platz fühlen sie sich überhaupt nicht, sagen beide.
Denn schliesslich haben am Straccerball und an der Fasnacht im Allgemeinen alle dasselbe Ziel: feiern. Egal wie alt sie sind.

Stephanie Hess