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STEINHAUSEN: Verschwinden die Kirchenbänke?

Die katholische Pfarrei hat ein Projekt zur Neugestaltung der St.-Matthias-Kirche lanciert. Das Konzept soll die «Begegnung auf Augenhöhe» fördern.
Andrea Muff
Der Innenraum der Kirche St. Matthias in Steinhausen soll neu gestaltet werden. (Bild: Stefan Kaiser (20. Juni 2017))

Der Innenraum der Kirche St. Matthias in Steinhausen soll neu gestaltet werden. (Bild: Stefan Kaiser (20. Juni 2017))

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Harte Holzsitzbänke, die in der Kirche reihenweise meist unbesetzt vor dem Altar stehen, könnten bald der Vergangenheit angehören. Zumindest in der katho­lischen St.-Matthias-Kirche in Steinhausen. Denn diese soll neu gestaltet werden. Das heisst: Die alten Kirchenbänke sollen verschwinden und durch Stühle ersetzt werden. «Es ist Tatsache, dass zwischen 50 und 100 Personen in Steinhausen eine Feier besuchen», erklärt Ruedi Odermatt, Pfarreileiter St. Matthias. Die jetzigen Kirchenbänke würden aber für 300 Personen Platz bieten. Darum sei es Zeit für eine «mutige und stimmige Änderung», wie der Pfarreirat in der Einladung zur Pfarreiversammlung vom vergangenen Sonntag schreibt. Seit zwei Jahren befindet sich die katholische Pfarrei in einem intensiven Prozess, um ein Modell zu finden, das theologisch-liturgisch und architektonisch angemessen in den Kirchenraum passt.

Als Kernidee verfolgt die Pfarrei bei der Neugestaltung den Gedanken des Zweiten Vatikanischen Konzils: «Christus mitten unter uns» – «Wir Getauften sind alle zusammen das Volk Gottes – pilgernd und unterwegs als Kirche.» Der Gedanke soll nun folgendermassen umgesetzt werden: «Ein roter Kreis, ein Raum im Raum, kein Oben und kein Unten – alle Glaubenden auf gleicher Augenhöhe», schreibt der Pfarreirat in der Einladung. So seien Taufstein, Ambo, Altar, Osterlicht und Kreuz innerhalb des Kreises zu finden. Ruedi Odermatt sagt: «Es ist richtig und wichtig, dass die Menschen zusammenrücken, dass sie sich auf Augenhöhe begegnen – und dass der Christusglaube die verbindende, unsichtbare Mitte ist.» Odermatt führt weiter aus: «Für mich persönlich ist das geniale am Projekt, dass eben alt und neu – Tradition und Gegenwart – wunderbar ästhetisch-architektonisch und theologisch-liturgisch verbunden werden.» Der Kirchenraum selbst werde aber in seiner neubarocken Schlichtheit belassen. Er stammt aus dem Jahr 1913.

100 Interessierte an der Pfarreiversammlung

Vorbilder für die Neuanordnung der Sitzgelegenheiten gebe es auch aus dem Kanton Zug, versichert Ruedi Odermatt. Beispielsweise die Kirche Bruder Klaus in Oberwil oder die St.-Johannes-Kirche in der Herti. «International Schlagzeilen macht gerade die Neugestaltung der St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin. Dort sollen alle Bänke rauskommen und ein 5/6-Kreis aus Stühlen entstehen», weiss Odermatt. Auf diese Entwicklung habe er auch an der Pfarreiversammlung aufmerksam gemacht, als er über die Neugestaltung informierte. Ungefähr 100 Personen hörten ihm zu.

Dass sich nicht jeder mit dem Projekt anfreunden kann, wird im schriftlichen Rückblick klar: «Eine engagierte, kontroverse und konstruktive Diskussion» sei beim Punkt der Neugestaltung aufgekommen. Weiter spricht die Pfarrei von einer «emotional heftigen» Debatte. Dabei sei das Problem «grosse Kirchenräume» nicht allein Steinhausen-spezifisch. «Hier vor Ort ist es erfahrbar sowohl in der St.-Matthias-Kirche als auch im Don-Bosco-Kirchenraum im Zentrum Chilematt», erklärt Odermatt.

Verbesserungsvorschläge werden gesammelt

Auf die Kritik eines Leserbriefschreibers (Ausgabe vom 31. Mai 2017), dass das Konzept besser in die «modernere Don-Bosco-Kirche» passen würde, entgegnet der Pfarreileiter: «Auch dort braucht es eine Raumanpassung, zumindest im Bestuhlungs- und Kirchenbankkonzept.» An der Versammlung forderten die Gegner einerseits die Sistierung des Projekts, andererseits taxierten sie es als «Luxusproblem». Weiter schreibt Odermatt im Rückblick: «Befürworter wiesen darauf hin, dass es richtig ist, das Projekt weiterzuverfolgen, weil es den Zielen der Gottesdienstgemeinschaft entspricht, Begegnung auf Augenhöhe sei heute wesentlich.» Die Voten seien ausgeglichen gewesen – sechs dafür und sechs dagegen. Ruedi Odermatt habe diverse Verbesserungsvorschläge entgegenge­nom­men. Und wie geht es nun weiter? «Der Pfarreirat, das Seelsorgeteam und der Kirchenrat werten den bisherigen Prozess aus. Der Kirchenrat entscheidet, ob im November 2017 über das Projekt an der Urne abgestimmt wird», hat am Schluss der Diskussion Kirchenratspräsidentin Marlen Schärer erläutert.

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