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STEINHAUSEN: Weitere Glocken verstummen

In der Gemeinde schlagen die Glocken neuerdings nachts nicht mehr zur Stunde. Der Pfarreileiter will gerade damit den Glockenklang aufwerten.
Wolfgang Holz
Symbolbild Archiv / Neue ZZ

Symbolbild Archiv / Neue ZZ

Immer mehr Kirchenglocken verstummen des Nachts. Grund: Für viele Anwohner ist der Stundenschlag offenbar eine Lärmbelästigung. Auch im Kanton Zug schweigen zahlreiche Kirchtürme nachts. In der Stadt Zug etwa erklingen die Glocken der Kirchen Gut Hirt und St. Johannes abends um 22 Uhr zum letzten Mal und dann ab 6 Uhr wieder. Die Kirchen St. Oswald, Bruder Klaus in Oberwil und St. Michael schlagen in dieser Zeit nur zur vollen Stunde. Auch in Baar und Rotkreuz sind nachts keine Glocken zu hören. Im Ägerital, wo die Uhren im Vergleich zu anderen Gemeinden im Tal generell noch etwas anders gehen, gehört der Glockenschlag dagegen noch zur Dorfkultur.

Für Alfredo Sacchi, Zugs Dekan und Domherr, ist klar: «Grundsätzlich ist das Läuten der Glocken als Gebetsruf wichtig.» In der Nacht sei deshalb der weltliche Glockenschlag verzichtbar. Aber dann könnte man ja auch tagsüber den Stundenschlag abschaffen? Sacchi: «Tagsüber stört das eben nicht.»

Vor zehn Jahren noch ganz anders

Wie dem auch sei. Nun hat jedenfalls eine weitere Kirchgemeinde beschlossen, in der Nacht auf den weltlichen Glockenschlag zu verzichten: die katholische Kirchgemeinde in Steinhausen. Dort wurde Anfang Juni mit 58 Stimmen grossmehrheitlich der Antrag angenommen, zwischen 22.15 und 6.45 Uhr den nächtlichen Stundenschlag auszusetzen und das Morgenläuten von 6.01 bis 6.04 Uhr auf eine Stunde später zu verschieben. Zusätzlich dämpfte man den Glockenschlag für 10 000 Franken.

Diese Entscheidung der Kirchgemeindeversammlung ist insofern pikant, als zum einen keine konkrete Beschwerde vorlag. Zum anderen haben sich in der Gemeinde vor 10 Jahren noch 70 Prozent der Abstimmenden klar gegen die Abschaltung ausgesprochen. Warum also jetzt plötzlich dafür? Denn genaue Regelungen, wann Glocken schlagen dürfen und wann nicht, gibt es keine. Handelt es sich also um vorauseilenden Gehorsam angesichts künftiger Glockengegner?

«Nein, überhaupt nicht», beteuert Pfarreileiter Ruedi Odermatt. Im Gegenteil. Er – der sich als «Glockenfan» bezeichnet – will den Menschen vielmehr wieder die Symbolik und Bedeutung des Glockengeläuts nahebringen. Denn aus seiner Sicht wüssten die meisten Kantonsbewohner den Unterschied zwischen kirchlichem und weltlichem Geläut nicht. Gleichzeitig ist er überzeugt, dass man in einer Zeit, in der jeder über eine Uhr verfüge, des nachts keinen Glockenschlag mehr brauche. Und nicht nur das. Auch tagsüber würden die Glocken in Steinhausen zu oft schlagen.

Weniger ist mehr

Deshalb habe man sich in einer internen Gruppe zusammengesetzt und beratschlagt, was man ändern könne und wolle. «Ich setze mich für vernünftige Lösungen ein», sagt Odermatt. Deshalb wolle man beispielsweise nun das Vorläuten zu den Gottesdiensten abschaffen. Dass er womöglich katholische Traditionen preisgibt, weist er von sich: «Wir haben erst vor zehn Jahren wieder eingeführt, dass Verstorbene in Urnen von der Kirche durchs Dorf auf den Friedhof getragen werden, um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass ein Dorfbewohner nicht mehr lebt.» Nun strebe er und die Gemeinde auch an, den Glockenschlag wieder für die Gläubigen bewusster erlebbar zu machen. Odermatt: «Dazu werde ich noch im Sommer predigen und einen Artikel dazu im Pfarrblatt veröffentlichen.»

Reagieren auf bauliche Verdichtung

Andererseits verhehlt der Steinhauser Pfarreileiter nicht, dass die Kirchgemeinde mit dem nächtlichen Glockenschweigen auf bauliche Entwicklungen in der Gemeinde reagieren will. Stichwort Dreiklang-Überbauung. Dort sollen keine Missklänge entstehen. «Es werden ja drei Parzellen beim Dorfzentrum bebaut.» Zudem würde durch die bauliche Verdichtung von teils höheren Gebäuden als der Kirchturm neue, störende Schalleffekte entstehen: «Der Glockenschlag erschallt dabei doppelt.» Und Odermatt räumt auch ein, dass die Menschen heutzutage lärmempfindlicher geworden seien als früher: «Ich störe mich etwa auch am Fluglärm.»

Wolfgang Holz

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