STEINHAUSEN: Wenig Zuspruch für Tempo 30

An der gestrigen Gemeindeversammlung sind die Stimmberechtigten den Anträgen des Gemeinderats gefolgt. Bei der Diskussion um eine verkehrsberuhigende Massnahme wurde es familiär.

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Ein Schild signalisiert den Beginn einer 30er-Zone. (Bild: Stefan Kaiser)

Ein Schild signalisiert den Beginn einer 30er-Zone. (Bild: Stefan Kaiser)

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Ein laues Lüftchen wehte zu Beginn der gestrigen Gemeindeversammlung über den Dorfplatz. Unter dem Zelt hatten 269 Stimmberechtigte Platz gefunden. Ungewohnterweise eröffnete die Gemeindepräsidentin Barbara Hofstetter (CVP) die Versammlung nicht mit den Ehrungen der Steinhauser Sportlerinnen und Sportler. Denn diese finden heuer anlässlich des Wochenendes zur Eröffnung des neuen Gemeindezentrums Dreiklang am 30. September statt. So konnte Hofstetter sogleich starten. Schliesslich standen elf Traktanden auf der Liste (siehe Box).

Die Stimmberechtigten folgten zwar den Anträgen des Gemeinderats, das bedeutete aber nicht, dass es keine Wortmeldungen gab. Bei der Motion «Einführung Tempo 30 auf der Bahnhofstrasse vom Kreisel Zentrum bis Kreisel Chäsi und auf der Kirchmattstrasse von der Einmündung Bahnhofstrasse bis südliches Ende Grundstück 62» entwickelte sich gar eine familieninterne Diskussion. Denn die Motion reichte Josef Staub ein. Das Geschäft vertrat der Sicherheitsvorsteher Hans Staub (CVP). Der Gemeinderat ist der Cousin des Motionärs, dies machte er bereits zu Anfang seiner Ausführungen klar.

Ein Zeichen für künftige Bewohner setzen?

Hans Staub verlas die Stellungnahme der Exekutive und legte dar, warum die Stimmberechtigten die Motion nicht erheblich erklären sollen. Josef Staub war damit nicht einverstanden und legte seine Argumente am Rednerpult dar: «Wer möchte nicht weniger Verkehrslärm, weniger Unfälle und einen flüssigeren Verkehr?», fragte er rhetorisch ins Publikum. Eine Tempo-30-Zone würde auch die Lebensqualität erhöhen, denn sobald das Zentrum Dreiklang eröffnet werde, verlagere sich das Gemeindeleben an die Bahnhofstrasse. Er beendete seine Ausführungen: «Setzen wir doch heute ein Zeichen für künftige Bewohner im Dreiklang!» Dies wollte sein Cousin aber nicht so stehen lassen: «Ich will einfach nicht auf die Fussgängerstreifen im Dorfzentrum verzichten. Für Kinder ist das ein wichtiges Zeichen», so der CVP-Politiker. Die Diskussion war eröffnet, und weitere Stimmberechtigte traten ans Rednerpult. John Stutzer sagte etwa: «Wir haben kein Sicherheitsproblem.» Anastas Odermatt wiederum schätzte die erhöhte Aufmerksamkeit, die Verkehrsteilnehmer aufbringen, wenn sie sich in einer Tempo-30-Zone befinden. Ein Bahnhofstrassenanwohner glaubte jedoch nicht an den Nutzen einer Temporeduktion.

Auch Barbara Hofstetter meldete sich, und zwar in ihrer Funktion als Schulpräsidentin, wie sie betonte: «Ich pflege regen Kontakt mit dem Schulpolizisten. Die Kinder profitieren von den Fussgängerstreifen.» Die Stimmbürger unterstützten die beantragte Nichterheblichkeitserklärung mit nur wenigen Gegenstimmen.

Als der Gemeinderat die Interpellation betreffend Fasnacht im Dreiklang beantwortete, zeigten die nachfolgenden Wortmeldungen, dass die fünfte Jahreszeit den Steinhausern am Herzen liegt und sie Platz im neuen Saal haben dürfte.